Er fühlt sich sichtlich wohl im Amt. Das dürfe man ihm auch ansehen, sagt Thomas Nowak. Obwohl es eigentlich nicht geplant gewesen sei, dass er nach über 30 Jahren im Ehrenamt die Kommunalpolitik zum Beruf machen würde. Seit 5. Mai ist er als Dritter Bürgermeister im Amt, zuständig für Soziales.

Dabei war eigentlich die Wirtschafts- und Finanzpolitik sein Fachgebiet in den vergangenen zwölf Jahren. Daraus speist sich auch sein Anspruch: "Wir müssen das, was wir tun, so tun, dass es auch die Finanzpolitiker verstehen." Für Nowak heißt das: Die Mitglieder des Finanzsenats sollen nicht nur sehen, was eine Maßnahme oder ein Projekt kosten, sie sollen auch erkennen, welchen Nutzen es hat.

Wobei es da ein Problem gibt: Erfolge lassen sich selten in Haushaltsjahren abbilden. Nowak: "Wenn heute ein Screening-Verfahren anläuft mit Kindern zwischen 4,2 und 4,8 Jahren, dann gibt das nächstes Jahr noch kein Ergebnis. Das gibt es bestenfalls zur Einschulung." Dann werde man sehen, ob das Screening und die daraus folgende Förderung das gewünschte Ergebnis brachten.


Plan als Grundlage

Wer seine Arbeit an Kennzahlen orientiert, braucht auch Planzahlen. Zwei Jahre lang habe die Stadt eine umfassende Sozialplanung aus Kostengründen hinausgeschoben, sagt Nowak. Das gehe nun nicht mehr. "Irgendwann kommt vielleicht ein Investor und will ein Pflegeheim bauen. Er hätte einen Rechtsanspruch auf Zuschüsse - außer, wir weisen ihm nach, dass kein Bedarf besteht." Dafür brauche die Stadt eine Bedarfsplanung: Wie viele Pflegeplätze sind für Senioren vonnöten, wie viele Krippen-, Kita- oder Schülerbetreuungsplätze werden gebraucht? Reicht das Angebot an ambulanten Pflegediensten?

Bisher, sagt Nowak, habe die Stadt zwei solcher zentralen Planungsinstrumente genutzt: die Jugendhilfeplanung und das seniorenpolitische Gesamtkonzept. Beides muss überarbeitet werden, ein drittes kommt hinzu: die Integrationsplanung für Menschen mit Migrationshintergrund. "Irgendwann werden Menschen, die vor 40, 50 Jahren als Gastarbeiter kamen, Pflege brauchen. Wie können Muslime in Seniorenheimen ihren Glauben leben?"

Theoretisch einfach, praktisch schwierig, erläutert der 45-Jährige: "Wir haben Seniorenheime in kirchlicher Trägerschaft - die können keinen Mitarbeiter muslimischen Glaubens einstellen. Das ist wie in kirchlichen Kindertagesstätten." Zum Glück gebe es Kitas in städtischer Trägerschaft oder von nicht konfessionsgebundenen Trägern wie der Arbeiterwohlfahrt. Bei den Pflegeheimen werde es da schon schwieriger, sagt der neue Sozialreferent.

"Viele Baustellen" also, wie er selbst sagt, und alles Pflichtaufgaben. Trotzdem sieht er für sich als Sozialpolitiker noch Gestaltungsspielraum, weil es nicht nur darauf ankomme, was man tut, sondern wie man es tut.Die Sozialplanung gebe Ziele vor, "dazu müssen die Maßnahmen und Projekte dann passen. Und ich muss irgendwann auch ein messbares Ergebnis haben." Bei Schulsozialarbeit wäre das zum Beispiel "weniger Schulverweigerer", bei der Schulsozialarbeit an der Jean-Paul-Schule sind die Übertritte an weiterführende Schulen eine Kennzahl, an der der Erfolg gemessen wird.


Sparwille vorhanden

"Da kommt der Kaufmann durch, der Zahlenmensch", sagt Nowak über sich selbst. "Da haben manche hier im Amt gemerkt: Hier sitzt jetzt ein Kaufmann, kein Polizeibeamter mehr." Vorgänger Norbert Tessmer, ehemaliger BGS-Beamter, orientierte sich an der Problemlösung, Nowak will auch den Nachweis führen, dass Sozialpolitik sich rechnet. Da müsse aber auch überprüft werden, ob das, was die Stadt jetzt tut, zu den gewünschten Ergebnissen führe, sagt er.

"Es gibt ja immer mal den Vorwurf, dass der Sparwille noch nicht bei den Referenten und Amtsleitern angekommen ist. Das, denke ich, stimmt nicht so", betont er. Er werde im Vorfeld der Haushaltsberatung mit seinen Mitarbeitern darüber reden, "wie wir Sparziele erreichen, die in Eckwerten festgelegt sind". Und er will nach Wegen suchen, wie die Verwaltung besser ausgelastet werden kann - Beispiel interkommunale Zusammenarbeit. Da sei vor zwei Jahren im Bereich der Standesämter ein erster Versuch gelaufen; diese Ansätze sollten nun fortgesetzt werden. "Es gibt Landkreiskommunen, die echtes Interesse haben, Standesam taufgaben an uns zu übertragen." Die Geburten im Coburger Klinikum registriere das Coburger Standesamt ohnehin; und oft würden sich Standesbeamte von Nachbarkommunen in Fragen des Namensrechts Rat bei den vier Coburger Kollegen suchen.

Auch das mit drei Kräften besetzte Versicherungsamt könne, so Nowak, Dienste für Landkreisgemeinden übernehmen. Das städtische Amt darf Personen in Rentenfragen beraten, die in der Stadt wohnen oder hier ihren Arbeitsplatz haben. "Unsere Leute machen das tagtäglich und kennen sich in der Materie aus" - warum sollen sie nicht auch für oder in Kommunen tätig werden, wo der Beratungsbedarf nicht so hoch ist, fragt Nowak.
Wer Zusammenarbeit will, muss sich abstimmen mit anderen. Auch innerhalb der Stadtverwaltung funktioniere das gut, sagt Nowak. Die drei Bürgermeister können sich gegenseitig in ihre Terminkalender blicken; in wichtigen Punkten würden sie sich per E-Mail auf dem Laufenden halten. "Und wenn es ganz wichtig ist, setzen wir uns zu dritt zusammen."