Zwölf Prozent der Coburger sind zu mindestens 50 Prozent schwerbehindert. Betrachtet man die Zahl derjenigen, die zu 30 Prozent oder mehr behindert sind, dann sind schon 15 Prozent der Coburger betroffen - 6020 von 41 010 Einwohnern (Stichtag 31. Dezember 2013).

94,3 Prozent dieser Betroffenen haben die Behinderung erst im Laufe ihres Lebens erworben, die meisten durch Krankheiten, die wenigsten (1,9 Prozent) durch Unfall. Nur 5,7 Prozent sind von Geburt an behindert. "Es kann jeden treffen", kommentierte Johannes Thaben. Für den Behindertenbeauftragten gilt freilich: Niemand ist behindert - er wird behindert durch die Umstände des Alltags, die es zu ändern gilt. Das beginnt bei der Erreichbarkeit von Thabens Büro im Stadthaus (schmale Tür, hohe Schwelle), setzt sich fort mit den Hindernissen in der Fußgängerzone und hört bei behindertengerechten Toiletten in der Stadt nicht auf. In Restaurants gibt es kaum welche, und die im Stadthaus wird abends geschlossen. Am Kulturleben teilhaben ist also schwierig.

Doch Thaben nannte auch Verbesserungen: Inzwischen sind rund 80 der gut 300 Bushaltestellen im Stadtgebiet barrierefrei. Auch die meisten Straßen und Plätze sind frei von baulichen Hindernissen. In der Spitalgasse werden aber häufig die mit glatten Platten belegten Seitenstreifen mit Werbe- und Warenaufstellern blockiert. Rollstuhlfahrer müssen auf die grob gepflasterte Straßenmitte ausweichen. "Denen tut von dem Rütteln der Kopf weh", erläuterte Thaben.

Der nach wie vor ausstehende Umbau des Bahnhofs ist ein weiteres Ärgernis für Thaben: 2008 habe die Bahn - nach einer Unterschriftenaktion und Bemühungen des damaligen Bundestagsabgeordneten Carl-Christian Dressel (SPD) zugesagt, dass der Bahnhof 2012/13 barrierefrei ausgebaut werden solle. Nun sei von 2017 die Rede. Auch in denkmalgeschützten Gebäuden sei es oft schwierig, behindertengerechte Zugänge zu schaffen. Thaben zeigte Fotos: So gibt es im Bürglaßschlösschen inzwischen eine Rampe und eine automatische Tür, aber Beratungen müssen im Foyer stattfinden, weil der Aufzug fehlt. Eine barrierefreie Stadt komme jedoch nicht nur den Behinderten zugute, sondern allen.

Es müsse doch möglich sein, die Büros dort einzurichten, wo auch Rollstuhlfahrer sie erreichen können, wunderte sich Stadtrat Max Beyersdorf (CSU). Ein Aufgabe für den Sozialsenat, sagte Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD). Zum Beispiel stelle sich die Frage, ob die Sozialverwaltung weiterhin im Bürglaßschlösschen angesiedelt sein müsse, dem am wenigsten barrierefreien Gebäude. "Ich überlasse das dem nachfolgenden OB und Stadträten."