Die geplante Neugestaltung des Bereichs zwischen Marstall, Reithalle und Arkaden gestaltet sich schwierig. Die städtische Wohnbau, die im dortigen Sanierungsgebiet die Federführung hat, will eine "höhere Nutzungs- und Aufenthaltsqualität" schaffen. Doch als die Pläne am Mittwoch erstmals im Bausenat vorgestellt wurden, ließen die Politiker kein gutes Haar an dem Entwurf. Einerseits wegen des Wegfalls von Stellplätzen, andererseits wegen der Kosten von knapp zwei Millionen Euro. Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) zog daraufhin die Notbremse: Um bei einer Abstimmung die totale Ablehnung zu vermeiden, schlug sie die Absetzung des Themas vor. Hier bekam sie alle Stimmen. Nachdem es sich bei dem Entwurf bereits um die 18. Variante handelte, wie es hieß, wird es nun auch noch mindestens einen 19. Entwurf geben.


Viel Platz für Fahrräder

Im Auftrag der Wohnbau hatte ein Bamberger Büro für Landschaftsarchitektur mit Entwurf Nummer 18 versucht, die unterschiedlichen Nutzungen auf dem Platz zu vereinen. Aber das Mehr an Schönheit wäre einher gegangen mit weniger Anwohner- und Kurzzeitparkplätzen. An der Stirnseite des Marstalls wären nur die aktuell vorhandenen fünf Stellplätze erhalten geblieben. An der Seite zum Schlossplatz sahen lediglich noch einen Parkplatz für etwa 15 bis 20 Fahrräder vor.

Auf der jetzigen Brachfläche an der Reithalle in Richtung Leopoldstraße - vor dem neuen Otto-Waldrich-Studentenwohnheim - hätte immerhin sieben neue Stellplätze entstehen sollen. Entlang der Leopoldstraße waren vier Bäume vorgesehen, an der Einfahrt eine unterirdische Altglassammelstelle, ähnlich jener, wie sie auf dem Gemüsemarkt vorhanden ist. Versenkbare Poller hätten den Platz zwischen Marstall und Arkaden bei Bedarf ganz vom Autoverkehr freihalten sollen. Baulich und optisch hätte sich der Platz an die Ketschenvorstadt angelehnt. Das gleiche Pflaster wie am Albertsplatz sollte zum Einsatz kommen. Ebenfalls die aus der Innenstadt bekannte "Coburg-Leuchte" war vorgesehen, um die Fassaden zu erhellen, Bodenleuchten sollen Lichtakzente setzen.

Für SPD-Stadtrat Andreas Gehrung hätte die Verringerung der Stellplätze das "Verkehrschaos" dort noch mehr vergrößert, wenn Eltern ihre Kinder zum den Kindergärten bringen. "Wir geben 1,9 Millionen Euro aus und bekommen dann ein Problem", sagte er unwirsch.


Für eine Schlossplatz-Tiefgarage

Dass dort eine "besondere Bedeutung der Aufenthaltsqualität" nötig sein soll, zog Hans-Heinrich Ulmann (CSB) in Zweifel. CSU-Stadtrat Jürgen Oehm wurde deutlicher: "Eine Aufenthaltsqualität neben der Reithalle mit dem Blick auf Autos ist Quatsch!" Mit versenkbaren Pollern gebe es obendrein nur Ärger. Verwundert zeigte sich Peter Kammerscheid (Pro Coburg) über die vorgestellte "super Gestaltung", während der Schlossplatz daneben oft zugeparkt sei. Er plädierte für sein ureigenstes Thema, die Schlossplatz-Tiefgarage.

Dass neben der Reithalle und vor dem neuen Studentenwohnheim etwas passieren müsse, wurde nicht in Zweifel gezogen. SPD-Stadträtin Petra Schneider monierte, über die Nutzung der Fläche vor der Reithalle "überhaupt nichts" gehört zu haben. "Auch ein Parkplatz ist ein Platz", meinte sie.

Nach den Worten von Max Beyersdorf (CSU) hat die asphaltierte Fläche "eine dienende Funktion" für das Theater, das Vermessungsamt und die Eltern der drei benachbarten Kindergärten, die ihre Kinder bringen und abholen. "Es ist ein Unding, dass der Senat erst jetzt beteiligt ist", grummelte er, und fand Zustimmung bei Mathias Langbein (SBC). "Wenn ich eine Aufenthaltsqualität dort brauche, gehe ich einige Schritte und bin im Hofgarten", setzte er noch eins drauf.

Einzig Grünen-Stadtrat Wolfgang Weiß konnte der Planung etwas Positives abgewinnen, verschloss sich der Absetzung des Themas aber nicht.

DiePlanung umfasste auch - und immerhin dafür gab es Lob - die bessere Ableitung von Regenwasser durch einen neuen Kanal in Richtung Schlossplatz. Beim sintflutartigen Regen vor einigen Jahren hatte sich die Leopoldstraße in einen schmutzig-braunen Sturzbach verwandelt und die Straße Hinterm Marstall sowie angrenzende Häuser überflutet.