Anne kämpft gegen die Verzweiflung. Sie kämpft mit dem Mut der Hoffnung, mit der ganzen Kraft ihrer Jugend gegen die Aussichtslosigkeit. Gegen die zermürbende Angst. Das Leben der jungen Anne Frank und ihrer Familie im Hinterhausversteck in der Prinzengracht 263 in Amsterdam - in der Coburger Reithalle wird es auf beklemmende, bedrückende und berührende Weise hörbar und in eindringlichen Bildern sichtbar.

Seelische Not

Grigori Frids Mono-Oper nach dem Tagebuch der Anne Frank", 1969 als "Partitur für Klavier und Gesang" in Moskau entstanden, bringt in der Neuinszenierung von Katarzyna Bogucka die seelische Not eines jungen Mädchens mit großer Intensität auf die Bühne der Coburger Reithalle.

Chronologie des Untergangs

Die 21 Szenen, in die Frid seine Oper aufgeteilt hat, verwandelt die ebenso einfühlsame wie präzise Regie in die Chronologie eines unentrinnbaren Untergangs. Eine Chronologie, die dennoch Raum lässt für Momente der Hoffnung - Momente der Hoffnung gegen jede Vernunft, Momente der Hoffnung gegen die schier erstickende Gewalt der Verzweiflung. Schrank, Kommode, Tisch, Stuhl und eine stilisierte Treppe - aus diesen Versatzstücken hat Ausstatterin Susanne Wilczek mit scheinbar einfachen Mitteln ein suggestiv wirkendes Bühnenbild geschaffen.

Zuflucht im Hinterhaus

Die beklemmende Enge, die Ausweglosigkeit dieses Verstecks, in dem die Familie Frank von Juli 1942 bis zur Verhaftung durch die Gestapo im August 1944 Zuflucht fand, bildet den Rahmen für einen äußerlich kurzen, dafür aber umso intensiveren Musiktheaterabend, der das Premierenpublikum in der ausverkauften Reithalle von den ersten Tönen an in Bann schlägt.

Das Schicksal eines jungen Mädchens

Denn Katarzyna Boguckas Lesart macht aus dem "Tagebuch der Anne Frank" kein dokumentarisches Musiktheater, das das Schicksal einer historischen Person erzählt. Für Boguckas Regie ist das Schicksal der Anne Frank das Schicksal eines jungen Mädchens, das sich so oder ähnlich jederzeit irgendwo auf dieser Welt wiederholen könnte. Francesca Paratore ist deshalb nicht als vermeintliches Double der historischen Anne Frank zu erleben, sondern als ein junges Mädchen namens Anne, das seinen verzweifelten Kampf gegen die Verzweiflung kämpft.

Intensives Spiel

Faszinierend, wie intensiv und doch nirgends übertrieben Francesca Paratore die Gefühle dieses Mädchens an der Schwelle zur jungen Frau in ihrem Gesang und ihrem äußerst intensiven Spiel Klang und Gestalt werden lässt. Mit ihrem schlanken, stets sicher geführten Sopran lässt sie Angst und Hoffnung, Freude und Verzweiflung hörbar werden. Mit beeindruckender Textverständlichkeit lotet sie das gesamte Ausdrucksspektrum der Partitur mit ihren Ausbrüchen sehr intensiv aus.

Ausdruckskraft

Bei der Coburger Erstaufführung im November 2003 war Frids Oper in der ursprünglichen Klavierfassung zu hören. Bei dieser Neuproduktion erlebt das Publikum eine kammermusikalische Fassung mit neun Instrumenten. Der junge Coburger Kapellmeister Paul Willot-Förster entfaltet die Ausdruckskraft der vornehmlich auf Expressivität getrimmten Partitur mit großer Genauigkeit und fein herausgearbeiteten Nuancen. Beeindruckend, wie Musiker des Philharmonischen Orchesters kammermusikalische Feinheit und orchestrale Fülle zu verbinden wissen. Willot-Förster und das Orchester spüren hochkonzentriert auch den Zwischentönen der Musik nach.

Ausdauernder Beifall

Am Ende: intensive Stille, aus der sich das Publikum mit ausdauernd heftigem Beifall befreit.

Tagebuch der Anne Frank als Mono-Oper in Coburg

Theater-Tipp "Das Tagebuch der Anne Frank" - Mono-Oper in vier Szenen von Grigori Frid - Libretto vom Komponisten, deutsche Adaption von Ulrike Patow - 5., 23. Februar, 6., 8. März, 20 Uhr, Theater in der Reithalle Coburg Besetzung Musikalische Leitung: Paul Willot-Förster; Inszenierung: Katarzyna Bogucka; Bühne und Kostüme: Susanne Wilczek; Dramaturgie: Dorothee Harpain Anne Frank: Francesca Paratore

Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg Das Tagebuch Mit "Helly Kitty" beginnen die Tagebucheinträge der 13-jährigen Anne Frank, die sich über zwei Jahre lang mit ihrer jüdischen Familie in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nationalsozialisten versteckt hielt - vom 6. Juli 1942 bis zur Verhaftung durch die Gestapo am 4. August 1944. Das Werk Grigori Frid verwendete für seine Monooper 21 Episoden des Tagebuchs von Anne Frank. Im Zentrum stehen Anne und ihre Gedankenwelt: Die Beziehung zu ihren Eltern, ihr Witz und ihre Neugierde, ihr Lebenswille, aber auch ihre Verzweiflung und Angst, entdeckt zu werden. Das Libretto basiert fast wortgetreu auf den originalen Tagebuchaufzeichnungen von Anne Frank. Grigori Samuilovitsch Frid wurde am 22. September 1915 in St. Petersburg geboren. Er studierte Musik in Irkutsk und Moskau und unterrichtete von 1936 bis 1939 sowie von 1947 bis 1961 am Moskauer Konservatorium. Frid starb am 22. September 2012 in Moskau. Sein Schaffen umfasst Orchesterwerke, Kammermusik, Filmmusik und Opern. Vorverkauf Tickets gibt es im Vorverkauf in der Tageblatt-Geschäftsstellered