Gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern fördern und sichern: Dieser Auftrag hat im Freistaat seit 2014 Verfassungsrang. Beim Vorsprung Bayern Kongress "Wirtschaftsentwicklung im Ländlichen Raum" in Sonnefeld (Landkreis Coburg) wurde nun eine von der IW Köln Consult GmbH für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) erstellte Studie vorgestellt.

Detailliert beschreibt diese den Einfluss verschiedener Faktoren auf die Entwicklung einer Gemeinde, wie es in einer Pressemitteilung der vbw heißt. Die wichtigste Erkenntnis sei demnach: "Wirtschaftlicher Erfolg in Kombination mit zusätzlichen Arbeitsplätzen sorgt für eine positive Bevölkerungsentwicklung. Handelt es sich dabei um Industriearbeitsplätze, dann ist der Effekt besonders groß."

Neben kleinen und mittleren Unternehmen habe insbesondere die Anzahl von Großunternehmen einen großen lokalen und regionalen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung, so die Erkenntnis der Studie. Gleiches gelte für Hochschulstandorte im näheren Umkreis.

Die Studie zeige aber auch, wie es in der Pressemitteilung heißt, "dass Unternehmen im Umfeld nur dann eine positive Wirkung haben, wenn Sie gut zu erreichen sind".

"Eine gute Infrastruktur ist von enormer Bedeutung für die Prosperität einer Gemeinde. Allein die Nähe zu einer Autobahn ist ein klarer Standortvorteil", erklärte vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt bereits im Vorfeld der Veranstaltung in Sonnefeld. So würden sich schrumpfende Gemeinden in eigentlich wachsenden Landkreisen zumeist in deutlicher Entfernung von Ballungsgebieten befinden. "Hier entfallen die Mitnahmeeffekte starker Oberzentren, wie zum Beispiel im Umland der Landeshauptstadt München", erläuterte Brossardt.

Bayernweit schrumpfen 43 Prozent aller Gemeinden. Für diese möchte die Studie Handlungsempfehlungen aufzeigen, um dem Trend entgegenzuwirken. Im Vordergrund stehe dabei die bessere Vernetzung der ansässigen Unternehmen untereinander, um mehr wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Ebenfalls dazu gehöre eine stärkere Internationalisierung. Geeignete Standort- und Rahmenbedingungen seien weitere wichtige Punkte, die eine Gemeinde steuern kann.

Für Gemeinden mit geringer Wirtschaftskraft sei der Ausbau hin zu einer reinen Wohnortgemeinde eine alternative Option, heißt es in der Studie. Die geeignete Infrastruktur vorausgesetzt, würden die Digitalisierung und neue Technologien allerdings die Anbindung an Oberzentren und eine weltweite Vernetzung sehr wohl ermöglichen. "Unternehmen bauchen Fachkräfte und diese wollen attraktiven Wohnraum. Das können Gemeinden in Verbindung mit kommenden Entwicklungen, wie zum Beispiel dem autonomen Fahren, für sich nutzen. Letztlich ist es aber Aufgabe der Gemeinde, die eigene Attraktivität zu erhöhen, um auch als lebenswerter Wohnort wahrgenommen zu werden", sagte Brossardt.