Inwieweit können Eltern auf die Planung des neuen Schuljahres Einfluss nehmen und einen bestimmten Klassenlehrer für ihre Kinder einfordern? "Gar nicht", sagt der fachliche Leiter des staatlichen Schulamts, Gerhard Schelhorn und reagiert damit auf den Wunsch der Neuseser Eltern nach einem von ihnen favorisierten Klassenlehrer für die 3. Klasse. "Die Verteilung der Lehrkräfte unterliegt dem Schulamt. Und wir müssen den gesamten Landkreis im Blick haben." Es sei unmöglich, dabei die speziellen Wünsche der Eltern nach einem bevorzugten Lehrer zu berücksichtigen. "Das bedeutet aber nicht, dass wir das Wohl der Kinder außer Acht lassen."


Vollendete Tatsachen?

Was ist der Hintergrund für die Unstimmigkeit? Kurz vor den Ferien haben die Eltern erfahren, dass ein Lehrer, der seit 31 Jahren an der Grundschule Neuses unterrichtet und in zwei Jahren in Rente geht, versetzt werd en soll. Mütter und Väter der Zweitklässler hatten aber damit gerechnet, dass er ihre Kinder in der 3. Klasse unterrichten wird. "Er bereitet die Schüler sehr gut auf die weiterführenden Schulen vor und die Kinder mögen ihn. Auch meine Tochter hat sich total auf ihn gefreut", sagt eine Mutter. Sie möchte anonym bleiben. "Ein Lehrer, der so lange an der Schule ist, hätte eine feierliche Verabschiedung verdient", ergänzt sie.

Eine andere Mutter erzählt, dass ihr Sohn bereits Unterricht bei dem Lehrer gehabt habe. "Wir waren super zufrieden. Und dabei geht es uns auch im inhaltliche Fragen", erläutert sie. Und bedauert, dass die Kommunikation mit den Eltern nicht besser gewesen sei und sie erst spät von der Versetzung erfahren hätten. "Wollte man uns bei Schulbeginn vor vollendete Tatsachen stellen?"

Bekannt geworden seien die Pläne des Schulamts dadurch, dass eine Mutter im Sekretariat nach der Materialliste gefragt habe, die den Eltern zu Ferienbeginn noch nicht vorgelegen habe. "Dort wurde ihr dann gesagt, dass noch nicht klar sei, wer Klassenlehrer der 3. Klasse wird." Weil die Eltern der Neuseser Schule aber eine eingeschworene Gemeinschaft sind und die meisten sich schon aus der Zeit kennen, als ihre Töchter und Söhne noch zusammen den Kindergarten besuchten, machte diese Information schnell die Runde. So wurde bekannt, dass der von vielen so gelobte Lehrer die Schule verlassen soll.


Brief an Schulamt und Regierung

Das wollten die Eltern nicht hinnehmen. Sie haben einen Brief an die Regierung von Oberfranken, an das Schulamt und die Schulleitung geschrieben. Der fachliche Leiter des staatlichen Schulamtes Coburg, Gerhard Schelhorn, ist überrascht. "Wir sind derzeit noch in der Planungsphase für das neue Schuljahr. Und diese Phase endet am ersten Schultag, nicht vorher."

An der Grundschule in Neuses werde es aber in der Tat eine besondere Situation geben. Das hat mit der Asylbewerberunterkunft im Stadtteil zu tun, die bereits belegt ist. "Die Kinder dort ha ben Schulpflicht und es bietet sich an, die Grundschüler auch in Neuses zu unterrichten", erläutert Gerhard Schelhorn. Dafür aber muss eine Lehrkraft mit der Zusatzqualifikation "Deutsch als Zweitsprache (DaZ)" her. Bislang hat diese Ausbildung nur die Leiterin des Neuseser Schule, Jasmin Müller-Alefeld. "Wir haben aber das Glück, dass wir im kommenden Schuljahr zwei Lehramtsanwärter mit DaZ-Ausbildung bekommen. Einen von beiden, eine junge Frau, werden wir an der Grundschule einsetzen", erläutert Gerhard Schelhorn. Und weil Lehramtsanwärter in einer 3. Klasse ihre Prüfung ablegen müssen, wird die Referendarin in Neuses die Drittklässler unterrichten. "Zusätzlich benötigen wir eine Betreuungslehrkraft."

Aus diesem - rein dienstlichen - Grund sei die Entscheidung gefallen, den Grundschullehrer, der turnusmäßig die 3. Klasse übernommen hätte, an eine andere Schule zu versetzen. "Es ist für den Kollegen keine Härte - so viel kann ich hier versprechen", sagt der Leiter des Schulamts.