Er rechne nicht damit, dass sich Michael Stoschek auf seinen Brief melde, hatte René Hähnlein noch am Dienstag gesagt. Hähnlein, Stadtratsmitglied der Linken, hatte an den geschäftsführenden Gesellschafter von Brose geschrieben, dass er helfen wolle, eine Lösung für einen alten Konflikt zu finden. (Hier zum Bericht.)

Doch am Mittwoch habe Stoschek angerufen, postete Hähnlein am Mittwochvormittag bei Facebook. Mehr als das: Stoschek meldete sich bereits am Dienstag per SMS bei Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). Stoschek habe Tessmer schriftlich gebeten, ihm die Gelegenheit zu einem Gespräch mit allen Fraktionen zu geben, um sich erstmals selbst zu dem Thema zu äußern, teilte am Mittwoch Stephanie Reuter mit, Leiterin der Brose-Unternehmenskommunikation.

"Mir geht es um die Stadt"

Tessmer selbst wollte sich zu der Angelegenheit am Mittwoch nicht weiter äußern: Er werde es sich gut überlegen, was er als nächstes tue, sagte er. "Das muss man bis zum Ende denken. Ich möchte, dass eine gute Lösung für alle Beteiligten rauskommt und insbesondere für die Stadt Coburg. Mir geht es um die Stadt, und die Stadt sind die Menschen."

Auch Hähnlein teilte über den Inhalt seines Telefonats mit Stoschek nichts Näheres mit. Der Unternehmer habe sich für das Gesprächsangebot und den Brief bedankt, schrieb Hähnlein im sozialen Netzwerk Facebook: "Es war ein langes und konstruktives Gespräch. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten aber bin jetzt wirklich guter Dinge, dass wir im Sinne unserer Coburgerinnen und Coburger, denen ihre Heimatstadt am Herzen liegt, eine Basis für eine gute Zusammenarbeit schaffen!"

Der Konflikt, um den es dabei geht, liegt über zehn Jahre zurück, als Hähnlein noch nicht einmal im Stadtrat saß. Damals stand dort zur Abstimmung, die Von-Schultes-Straße in Max-Brose-Straße umzubenennen. Damit würde das Unternehmen Brose unter dem Namen seines Gründers residieren. Doch am Ende blieb alles wie gehabt - dank einer kuriosen Situation: Für "Max-Brose-Straße" fand sich keine Mehrheit, für die Variante "Brose-Straße" auch nicht. Denn im Stadtrat stimmte ein Mitglied gegen jede Umbenennung - und diese eine Stimme war das buchstäbliche Zünglein an der Waage. Denn mit einer Stimme Unterschied waren am Ende beide Vorschläge abgelehnt.

Brose stellte alle Spenden ein

Kastner habe damals übrigens "Max-Brose-Straße" befürwortet, betont sein Nachfolger Norbert Tessmer. Stoschek, Enkel und Nachfolger des Firmengründers Max Brose, macht es Kastner heute noch zum Vorwurf, dass es namentlich in der SPD-Fraktion Vorbehalte gegen Max Brose gab. Der hatte das Unternehmen Brose 1919 in Coburg gegründet, 60 Jahre lang geführt und während des Dritten Reichs (1933 bis 1945) auch Mitglied der nationalsozialistischen Partei.

Stoschek nahm die Diskussionen über seienn Großvater dem Stadtrat und namentlich dem damaligen Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) so übel, dass das Unternehmen ab dem Jahreswechsel 2004/05 keinerlei Spenden an Coburger Einrichtungen und Vereine mehr gab.

Ende 2007 schien sich ein Wandel abzuzeichnen: Stoschek spendete anlässlich seines 60. Geburtstags eine Million Euro für Projekte, die arbeitslosen Schulabgängern zu einem Ausbildungsplatz verhelfen sollten. Seitens der Stadt nahm Norbert Tessmer das Geld in Verwahrung, seinerzeit Dritter Bürgermeister und Sozialreferent und ebenfalls von der SPD.

Das Verhältnis zu Norbert Kastner mochte zerrüttet sein - das zwischen Stoschek und Tessmer blieb stabil. Als 2012 ein Großbrand mehrere Häuser in der Herrngasse unbewohnbar machte, stellten Stoschek und seine Schwester Christine Volkmann fünf Millionen Euro als Soforthilfe bereit, aus ihrem Privatvermögen. Ausbezahlen durfte das Geld Tessmer, der längst nicht alles brauchte, so dass der Rest nun für die Sanierung denkmalgeschützter Häuser in der Innenstadt zur Verfügung steht (ausgereicht über Stadtbild Coburg) und für eine Schlossplatztiefgarage.
Michael Stoschek und Christine Volkmann wurden daraufhin in die Liste der Wohltäter der Stadt aufgenommen. Die kleine Zeremonie leitete Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer. Kastner blieb fern.

2014 schließlich trat Kastner nicht mehr an, Tessmer wurde sein Nachfolger. Doch an der Haltung der Firma Brose in Sachen Spenden änderte sich nichts - immer noch erhalten Coburger Einrichtungen auf Bittbriefe von Brose die Antwort,dass sie keine Spenden erhalten, wegen des Verhaltens des Stadtrats 2004 und die Angriffe gegen Michael Stoschek im Wahlkampf 2008.

Aber nun gibt es Gesprächsbereitschaft. Mehr sagen die Beteiligten derzeit öffentlich noch nicht. Norbert Tessmer: "Ich versuche, es zu lösen. Und da ist manches Wort zu viel."