Frank Reißenweber - Diplom-Biologe am Landratsamt und Vorsitzender des Coburger Kreisverbandes im Landesbund für Vogelschutz (LBV) - hat es ja schon immer gewusst: "Die Storchen-Nisthilfe auf dem Dach des Hessenhofes ist einer der besten Standorte der Region." Jetzt scheint es so, als ob ihn endlich auch die Störche erhört haben. Vergangene Woche ist das erste Storchenpaar auf dem Dach des landwirtschaftlichen Betriebes gemeldet worden.

Munterer Bau am Nest

Und tatsächlich - ein Besuch vor Ort bestätigt: Am Coburger Stadtrand haben sich Störche niedergelassen. Sie reagieren zwar noch ein bisschen nervös, wenn sich unter ihnen Menschen bewegen, bauen aber munter am Nest herum. Das Untergestell für den Storchenhorst steht seit etwas über einem Jahr auf dem Dach einer landwirtschaftlichen Halle. "Das war unsere Idee", sagt Frank Reißenweber, der natürlich jetzt stolz auf die ersten Bewohner des Hessenhof-Nestes ist.

Errichtet wurde das Metall-Untergestell vom Grünflächenamt der Stadt Coburg, wobei im Februar 2013 der damalige stellvertretende Amtsleiter Werner Pilz die treibende Kraft war. "Die Unterlage ist gut konstruiert und gebaut", lobt Reißenweber die Arbeit auf dem Dach des Hessenhofes. Ob die beiden Störche, auch wenn sie schon sehr vertraut miteinander umgehen, noch in diesem Nachwuchs in die Welt setzen werden, wagt der LBV-Kreisvorsitzende noch nicht zu prohezeihen. Die Tatsache, dass die neuen "Bewohner" des Hessenhofes erst jetzt - über zwei Monate nach dem bekannten flotten Störchen aus dem Itzgrund - ihr Nest bezogen haben, weckt bei Reißenweber eine Vermutung: "Das ist noch ein junges Paar, das heuer vielleicht noch nicht mit der Brut beginnt."

Bei den zwei "alten Hasen" auf dem Schlot der Brauerei Schleicher in Kaltenbrunn ist da die Lage schon anders. Bei ihnen war die Brut sogar schon von Erfolg gekrönt. Der Natur-Fotograf Hans Schönecker, der sich wie kaum ein anderer mit der Storchen-Population im Coburger Land auskennt, berichtet dem Tageblatt: "Bei der Beobachtung mit dem Teleobjektiv und dem Fernglas - vom Kirchendach aus - konnte ich den nach oben gereckten Kopf eines Jungstorchs fotografieren." Schönecker ist sogar überzeugt davon, dass sich noch ein weiterer Jungvogel im Nest befindet. Den konnte er allerdings nur mit dem Fernglas erspähen und nicht fotografieren.
Die zwei Kaltenbrunner Alt-Vögel, von denen Schönecker sogar schon die Ring-Nummern ablesen konnte, haben mit ihrem Nachwuchs auf jeden Fall ganz schön zu tun. Die beiden Störche würgen die mitgebrachte Nahrung am Horstrand aus und fressen selbst die größeren Teile. Die kleinen Tiere und Würmer geben sie an die noch sehr kleinen Jungstörche weiter. Weil aber nie beiden Störche gleichzeitig den Horst verlassen, liegt für Schönecker zudem die Vermutung nahe, dass sich neben den zwei Jungtieren noch weitere Eier im Nest befinden.

Noch eine "kleine Sensation"

Nur ein paar Flugsekunden vom Hessenhof entfernt haben Vogelkundler in den vergangenen Wochen noch eine weiteren Gast in der Natur des Coburger Landes entdeckt. Frank Reißenweber ist total begeistert von der Neuentdeckung: "In den Glender Wiesen haben wir mindestens einen Stelzenläufer." Zwar ist noch nicht abzuschätzen, ob sich der Vogel die Wasserwelt rund um den Froschgrundsee als dauerhafte Heimat ausgesucht hat - das ist dem Coburger LBV-Vorsitzenden jetzt auch gar nicht so wichtig: "Alleine die Tatsache, dass dieser Vogel da ist, kann man als Besonderheit bezeichnen."

Den Stelzenläufer, der normal im südlichen und südöstlichen Europa daheim ist, können übrigens auch Nicht-Ornithologen erkennen. "Er hat überdimensionale lange und leuchtend rote Beine", erklärt Frank Reißenweber. So ganz überrascht hat der Aufenthalt des Stelzenläfers die Coburger Vogel-Fachwelt allerdings doch wieder nicht, denn in den vergangenen Jahren hat der Vogel seinen Lebensraum auch in kühlere Regionen wie Deutschland und Holland ausgeweitet.