Das Urteil unseres Testers:

Der Gottesdienst vom Sonntag, 7. Juli, 10 Uhr, war sehr gelungen und konnte inspirieren.

1. Einstieg

Der Posaunenchor spielt zum feierlichen Einzug der fast 90 Jubelkonfirmanden an diesem schönen Sommersonntag. Pfarrerin Martina Schwarz-Wohlleben erinnert in ihrer Begrüßung an verschiedene Begebenheiten, die sich zu den Zeitpunkten der jeweiligen Konfirmationen ereignet haben. 1969 etwa, als die heutigen "goldenen Konfirmanden" an der Reihe waren, hörten die Menschen Elvis Presley, tanzten Twist und verfolgten gebannt die erste Mondlandung.

2. Musik

Ein Gottesdienst in der Morizkirche ist immer auch ein kleines Konzert. Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein holt aus der dreimanualigen Schuke-Orgel sozusagen alles raus - und macht damit ganz nebenbei auch noch Lust auf die vielen Kirchenmusikkonzerte, die in St. Moriz angeboten werden. Doch es sind auch die vielen kurzen Zwischenspiele - etwa direkt nach der Predigt - die den Gottesdienst in einen festlichen Rahmen aus faszinierenden Tönen betten.

3. Lesungen

Kerstin Haas vom Kirchenvorstand übernimmt die Lesung. Zur Abrundung gibt es ein kurzes Orgelspiel.

4. Predigt

Die Pfarrerin erzählte von einer Gruppe Menschen, die in der Jugend viel zusammen erlebt hat - bis sich einer selbst ausgegrenzt habe. Handelt es sich da um ein Vorkommnis bei den versammelten Jubelkonfirmanden? Nein, es ist die Geschichte von Zachäus, dem Zöllner (Lukas 19). Der zog den anderen Menschen das Geld aus der Tasche. "Er ist reich geworden - aber eigentlich war er arm dran", so die Pfarrerin. Als Jesus in die Stadt kam und die Menschen die Straße säumten, ging Jesus ausgerechnet auf Zachäus zu. Zachäus zeigte sich nach dieser Begegnung geläutert und wurde ein guter Mensch. "Es gibt Augenblicke, die das Leben verändern können", sagte Schwarz-Wohlleben. Und: "Für eine heilsame Erfahrung ist es nie zu spät." Selbst Menschen, für die der Glaube vielleicht längere Zeit keine Rolle gespielt hat (etwa nach einem Kirchenaustritt), könnten einen "heilsamen Moment" erfahren. Auch eine Jubelkonfirmation könne ein solcher Moment sein, der mal wieder eine Begegnung mit Jesus ermöglicht.

5. Kommunion/Abendmahl

Beim Abendmahl stellt sich die Gemeinde rund um den Altar auf. Manch einer der Jubelkonfirmanden, der schon länger nicht mehr in der Morizkirche war, dürfte sich gefragt haben: Was ist denn das für ein Altar? Er besteht aus fünf beweglichen Elementen und kann somit immer wieder etwas anders aussehen beziehungsweise dem jeweiligen Gottesdienst und individuellem Anlass angepasst werden. Dieses Werk des Münchner Künstlers Werner Mally wurde 2016 im Zuge der Generalsanierung der Morizkirche errichtet.

6. Segen

Pfarrerin Martina Schwarz-Wohlleben verabschiedet sich mit dem Hinweis, dass es am nächsten Sonntag keinen regulären Sonntagsgottesdienst in der Morizkirche gibt. Stattdessen wird auf dem Marktplatz ein großer "Samba-Gottesdienst" gefeiert. Das hätte vor 50 Jahren, als auch in Coburg vor allem der Twist getanzt wurde, wohl auch niemand für möglich gehalten.

7. Ambiente

Seit der Generalsanierung 2016 präsentiert sich Coburgs größtes Gotteshaus hell und freundlich. Ein faszinierender Blickfang ist immer wieder das prachtvolle Epitaph, das Herzog Johann Casimir 1598 errichten ließ - geschaffen vom Bildhauer Nikolaus Bergner zählt es zu den schönsten Renaissanceepitaphen in Deutschland.

8. Kirchenbänke

Bei der Kirchensanierung 2016 wurde vieles in St. Moriz erneuert - aber nicht die Stühle. Für einen regulären Gottesdienst mag das nicht weiter schlimm sein (mal abgesehen davon, dass das dunkle Holz rein optisch nicht optimal zur ansonsten so hellen und freundlichen Kirche passt) - aber bei einem längeren Konzert kann es durchaus unbequem werden.

9. Beleuchtung

Im Hauptschiff hängen zwei runde Lichtkränze. Sie sorgen für eine angenehme Beleuchtung, die noch dazu die wunderbare Stuckdecke betonen. In den Seitenschiffen gibt es dezente Deckenleuchten, die aber nur dann angeschaltet werden, wenn bei großen Gottesdiensten - etwa an Weihnachten - auch dort Besucher Platz nehmen.

10. Sinne

Die Morizkirche ist ein Gesamtkunstwerk und spricht dadurch gleich viele Sinne an. Die Klänge von Orgel und Glocken bilden einen wunderbaren Rahmen. Hinzu kommen das besondere Ambiente sowie kreative Menschen, die hier den Glauben leben und den Glauben hoch leben lassen. Luther, dessen Büste seitlich vom Altar steht und daran erinnert, dass der Reformator in dieser Kirche mehrmals gepredigt hat, kann irgendwo da oben im Himmel sehr zufrieden sein mit dem Wirken in St. Moriz. Der von uns getestete Gottesdienst war auf jeden Fall sehr gelungen und konnte inspirieren.

WARUM EIN GOTTESDIENST-TEST?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch weitere ausführliche Infos.