Bald wird es einen lauten Knall geben. Am Samstag, 27. April, um 15 Uhr wird der alte Industrieschlot auf dem dem Albrecht-Firmengelände in Weitramsdorf gesprengt. Die Vorbereitungen laufen bereits seit längerer Zeit und sind in der vergangenen Woche wieder konkreter geworden. Nachdem die Berliner Sprengfirma Halter nicht mehr mit dem Auftrag betraut ist, hat die Thüringer Sprenggesellschaft aus Kaulsdorf die Arbeiten übernommen. "Halter aus Berlin ist insolvent und hat mit der Sprengung nichts mehr zu tun", sagt Thomas Albert von der Firma Weber, der das Grundstück gehört und die damit der Auftraggeber für die Sprengung ist.

Das Gelände ist eng bebaut

Die unmittelbare Umgebung des Schornsteins ist bereits dem Abrisskran gewichen. Ungefähr zehn Meter neben dem gemauerten und rund 60 Meter hohen Überbleibsel eines längst vergangenen Industriezeitalters steht ein mehrstöckiges Gebäude, das als Logistikzentrum genutzt wird. Wenn der alte Schlot dem Sprengstoff gewichen ist, dann soll dort eine neue Halle gebaut werden. Die Fallrichtung des Schornsteins ist durch die Bebauung des Geländes eingegrenzt, er soll in die Einfahrt fallen.

Bei einem Termin am vergangenen Freitag, waren neben Thomas Albert und dem Geschäftsführer des Thüringer Sprengunternehmens, Martin Hopfe, auch Vertreter des Gewerbeaufsichtsamtes, der Coburger Polizei und der Gemeinde Weitramsdorf vor Ort. "Wir müssen die Anwohner von einigen Gebäuden für eine kurze Zeit evakuieren und einige Straßen im näheren Umkreis sperren", sagt Hopfe.

Der Umkreis wird genau erkundet

Gemeinsam mit Hartwig Finck vom Gewerbeaufsichtsamt geht er die umliegenden Straßen ab. Fincks Behörde ist für Pyrotechnik und Sprengungen verantwortlich und muss die Sprenganzeige überprüfen. Die beiden Männer beugen sich über eine kleine Karte, die den betroffe nen Teil des Ortes von oben zeigt. Darauf sind bunte Kreise und Linien eingezeichnet. "Der grüne Kreis gibt den hundert Meter Absperrbereich an, in dem sich keine unbefugten Personen mehr aufhalten dürfen. Der gelbe Kreis gibt einen 75 Meter Umkreis an und ergibt sich aus der Höhe des Schlots und Sicherheitsvorgaben", erklärt Hopfe.

Das heißt es müssen einige Straßen gesperrt werden und Anwohner ihre Häuser verlassen. "Laut unserer Planung dauern die Straßensperren ungefähr 30 Minuten. 15 vor und 15 nach der Sprengung. Die Anwohner müssen spätestens beim ersten Signal, einem langen Fanfarenstoß, aus dem Sicherheitsbereich raus sein. Aber wir kontrollieren die Wohnungen nach", erklärt Ulrich Bosecker von der Verkehrswacht der Coburger Polizei. Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Weitramsdorf wird seine Behörde für die Straßensperrungen sorgen. "Ein paar Stunden vor der Sprengung haben wir noch eine Einsatzbesprechung", so Bosecker.

Die Sprenganzeige liegt bereits auf dem Schreibtisch von Gewerbedirektor Hartwig Finck, der die ganze Sache gelassen sieht: "Das Sprengrecht gibt vor, dass wir die Anzeige prüfen müssen. Wenn etwas nicht stimmen würde, dann müssten wir Einspruch erheben. Aber es ist alles in Ordnung." Drei Seiten, darunter Lage- und Absperr-Plan, umfasst das Dokument. "Ich gehe davon aus, das die Verantwortlichen das fest Griff im haben", so Finck.

Thomas Albert, der die Projektleitung inne hat, ist gemeinsam mit der Thüringer Sprenggesellschaft für die Information der Anlieger zuständig. "Wir haben die Haushalte, die im Absperrbereich liegen, bereits angeschrieben und alle wichtigen Informationen mitgeteilt", so Albert. Auf dem Schreiben werden verschiedene Punkte aufgeführt. Darunter Hinweise, dass wegen des entstehenden Staubes Fenster und Türen geschlossen gehalten werden sollen oder das Haustiere nicht in der Nähe des Sprengobjektes herumlaufen sollen.

Einen Tag vorher geht es los

Aber die heiße Phase beginnt erst einen Tag vor der Sprengung. "Am Freitag müssen wir noch die Wandstärke bestimmen, denn bei Mauerwerkschornsteinen dieser Art ist eine zweite Wand annehmbar, danach können wir auch die genaue Sprengstoffmenge bestimmen", sagt Hopfe. Seine Sprengfirma muss an diesem Tag auch noch andere Vorbereitungen treffen, damit am Samstag alles sicher ist und ohne Probleme abläuft. "Wir haben natürlich Verständnis dafür, dass die Leute die Sprengung beobachten wollen", sagt Hopfe.
Daran hat er bei den Gesprächen mit dem geschäftsleitenden Beamten der Gemeinde Weitramsdorf, Rüdiger Florschütz auch gedacht. "Wir empfehlen Zuschauern den Bereich um den Vorderen Mühlberg und den Schulhof", sagt Florschütz. Für die wenigen Leute, die ihre Häuser vorübergehend verlassen müssen stellt die Gemeinde die Turnhalle als Unterkunft bereit.

Wenn alles nach Plan verläuft, wird sich das Stadtbild von Weitramsdorf am Nachmittag des 27. Aprils, nachdem sich der Staub gelegt hat, für immer verändert haben.

So läuft die Sprengung des Schornsteins in Weitramsdorf ab

Straßensperrungen Die Straßen um das Albrecht-Firmengelände, an der Bergstraße 2, werden für rund eine halbe Stunde gesperrt.

Warnsignale Die Sprengung wird durch drei unterschiedliche Fanfarenstöße begleitet.
Ein langer Fanfarenstoß heißt Achtung und die Absperrungen werden hergestellt. Nach diesem Signal darf sich keine Person mehr im Absperrbereich aufhalten. Danach folgen zwei kurz Fanfarenstöße. Diese geben das Signal zur Sprengung und die Ladung wird gezündet. Es folgen drei kurze Fanfarenstöße und die Sprengung ist beendet.

Zuschauen Die Gemeinde Weitramsdorf empfiehlt Zuschauern den Bereich Vorderer Mühlberg und den naheliegenden Schulhof.