Jan Gorr hat klare Vorstellungen vom "neuen HSC": "Wir wollen künftig aggressiver verteidigen". Weiter mit der bewährten 6:0-Deckung, aber auch die 3:2:1-Variante studiert der Coach des Handball-Zweitligisten derzeit mit seiner Traininsgemeinschaft ein. Ziel: Das HSC-Spiel soll schneller und attraktiver werden. Die Fans in der HUK-Arena dürfen gespannt sein.

Gorr will aber noch mehr erreichen: Die Gegenstöße optimieren, die erste Welle effektiver spielen und die zweite Welle besser als letztes Jahr praktizieren. Außerdem die "schnelle Mitte" - alles taktische Mittel, die in den letzten Jahren zu kurz kamen.

Gorr hat bis zum Saisonstart Ende August also noch viel vor. Drei Wochen arbeitet er inzwischen intensiv mit seiner Mannschaft. Und der sonst eher sachliche und im Gespräch selten emotional werdende Trainer gerät ein wenig ins Schwärmen, wenn er auf seine Burschen angesprochen wird: "Die Körpersprache ist schon eine ganz andere als letzte Saison."

Er hat jetzt "wilde Handballer", darunter auch noch "ungeschliffene Diamanten", "Draufgänger" und er hat "sehr intelligente Spieler". Mehr noch: "Da sind jede Menge schnelle und bissige Leute dabei". Neuzugang Jäger macht zum Beispiel seinem Namen alle Ehre.


Wilde Spieler und Draufgänger

Alle Spieler bringen eigene Vorstellungen und eigene Ideen mit, wie sie gerne künftig Handball für "Gelb-Schwarz" spielen wollen. Gorrs wichtigste Aufgabe ist es, aus all diesen Gedanken einen gemeinsamen Plan zu entwickeln. Einen, der Erfolg verspricht und Fans begeistert.

"Es ist eine große Herausforderung, eine gemeinsame Spielidee zu finden und sie dann auch erfolgreich konstant umzusetzen". Der HSC-Coach kann dabei nicht sagen, wie lange das dauert und ob es überhaupt funktioniert. Er ist auch gar nicht der Typ, der im Vorfeld irgendetwas garantiert. Von Vorschusslorbeeren hält der 40-Jährige überhaupt nichts. Warum soll ausgerechnet sein umgekrempeltes Team in dieser starken 2. Liga vorne wegmarschieren? Weil es seiner Meinung nach noch ganz andere Kaliber gibt: "Nettelstedt zum Beispiel. Oder Hamm. Oder Hüttenberg". Gorr ist eher ein optimistischer Realist: "Wir haben starke Handballer und vielleicht können diese Jungs tatsächlich ganz oben mitspielen". Doch zum jetzigen Zeitpunkt wäre eine solche Prognose kontraproduktiv, weil damit überflüssiger Druck aufgebaut werde.

Druck baut der Handball-Lehrer lieber woanders auf, nämlich in den Trainingseinheiten: Hagelin, Sproß, Billek & Co. schwitzen täglich. Egal ob im Kraftstudio, in der Halle, auf der Laufbahn oder selbst im Kanu von Hausen bis Reundorf. Auch am Staffelberg im Wald. Dort stand eine Teambuildingsmaßnahme - oder wie es der Trainer gerne formuliert - eine "aktive Regenerationseinheit" auf dem Programm - ein wichtiger Teil des Integrationsprozesses. Seine Spieler mussten dabei Strategien entwickeln, wie sie teils mit verbundenen Augen über ein zwischen zwei Bäumen gespanntes Seil klettern.


Mit Augen zu über das Seil

Bedingung: Das Seil darf nicht berührt werden. "Das haben sie gemeinsam geschafft". Kein Wunder, schließlich hat Gorr ja intelligente Spieler. Für die neue, vielleicht auch etwas wildere HSC-Saison gilt: Augen zu und durch. Von wegen "nicht berühren" - auf der Platte dürfen, ja müssen die Draufgänger dann wieder kräftig hinlangen und ihren Gegnern ein stückweit auch wehtun. Der "neue HSC" soll schließlich schneller und aggressiver werden ...