Die Kreisliga Coburg spielt an den ersten vier Spieltagen ziemlich verrückt. Aufstiegsanwärter wie der TSV Pfarrweisach (15., 0 Punkte) vermasselten den Saisonstart kräftig, während vor allem die Aufsteiger schon mächtig Staub aufwirbelten. Auch den ersten Rücktritt eines Trainers gibt es bereits. Wie wir berichteten, nahm Hannes Fischer nach der 1:2-Niederlage in Niederfüllbach seinen Hut beim TV Ebern. Der Tabellenletzte hat wie alle anderen Teams am kommenden Doppelspieltag zweimal die Möglichkeit, zu punkten. Der Überraschungsspitzenreiter SV Großgarnstadt wird im Topspiel am Freitag um 18.15 Uhr von Verfolger Ketschendorf auf dem Buchberg geprüft.

Nicht nur bei den heißen Temperaturen entscheidet häufig auch das Temperament auf dem Rasen über Sieg oder Niederlage. Der SV Türkgücü bringt davon eine Menge mit - in vier Kreisliga-Partien gab es für die Neustadter sechs Platzverweise. Das Tageblatt hakte beim ehemaligen Regionalligaspieler und Türkgücü-Spieltrainer Sinan Bulat nach, wie er die Ergebnisse und Schiedsrichterentscheidungen wahrnimmt.

Herr Bulat, mit sieben Punkten aus vier Spielen ist man als Aufsteiger sicher zufrieden oder wie beurteilen Sie diesen Saisonstart?

Sinan Bulat: Ehrlich gesagt bin ich mit der Punktausbeute nicht zufrieden. Wir waren sowohl gegen Großgarnstadt als auch gegen Heldritt frühzeitig in Unterzahl und hatten dennoch die Chance, diese Spiele für uns zu entscheiden. Aber wenn man die Tore nicht macht, kann man nicht gewinnen.

Also sehen Sie die mangelnde Chancenverwertung bisher als größtes Problem?

In der Offensive liegen unsere Qualitäten. Viele Teams sind taktisch und defensiv besser besetzt als wir, aber im Angriff sind wir bärenstark und da müssen wir effektiver werden. Dazu hatten wir in den vier Spielen auch oft lange Zeit einen Mann weniger, was uns Kraft gekostet hat.

Sie sprechen die Unterzahl selbst an. Sowohl drei Gelb-Rote als auch drei Rote Karten hat Ihr Team schon auf dem Konto. Sind die jungen Bullen nicht zu bändigen oder woran liegt das?

Meine Spieler sind sicher keine Engel, aber sie werden oft auch provoziert. Die beiden ersten Platzverweise für Unsportlichkeiten gehen klar in Ordnung und auch das Handspiel unseres Keepers außerhalb des Strafraums in Staffelstein, aber die Gelb-Roten Karten sind schon teils sehr kritisch und überzogen. Wir sind ehrgeizig und temperamentvoll, aber so extrem unfair, wie es aussieht, sind wir sicher nicht.

Sie kennen die Kreisliga schon aus ihrer Zeit beim TBVfL Neustadt. Trauen Sie Ihrem Team auch am Ende einen Platz unter den ersten 5 zu - oder gar mehr?

Wie bereits angesprochen, haben wir viel Offensivpower. Wenn wir hinten gut stehen und vorne unsere Tore machen, dann werden wir noch viele Spiele gewinnen. Zunächst schauen wir aufs Wochenende und wollen am Doppelspieltag in Wüstenahorn und zu Hause gegen Ebern am liebsten sechs Zähler einfahren, dann wäre es ein echt guter Saisonstart und wir wären vorne dabei. Allerdings haben wir einen kleinen Kader - Urlauber, Schichtarbeiter und Gesperrte machen das Ganze nicht einfacher. Am Wochenende muss ich schon wieder selbst ran, obwohl ich lieber von außen nur Trainer wäre. Ich denke und hoffe, dass wir unsere Punkte sammeln und nix mit dem Abstieg zu tun haben. Auch einen Platz im vorderen Drittel kann ich mir schon vorstellen, wenn wir von großen Verletzungen verschont bleiben.