Ein Spiel am Faschingswochenende im Rheinland - für den HSC 2000 Coburg war die Partie am Freitagabend beim TSV Bayer Dormagen in dieser Hinsicht Neuland. Neuland war in gewisser Weise auch der Spielausgang. Denn nach zwei Auswärtsniederlagen in Folge stand erstmals seit Mitte Dezember wieder ein 27:21-Erfolg in fremder Halle zu Buche.

Danach hatte es in der ersten Viertelstunde jedoch überhaupt nicht ausgesehen. Denn mit sechs Toren lagen die Coburger, die mit Markus Hagelin und Anton Prakapenia antraten, in Rückstand. "Man kann nicht in Worte fassen, was wir in der ersten Viertelstunde gespielt haben. Es ist eines Tabellenzweiten nicht würdig", fand HSC-Rechtsaußen Florian Billek nach der Partie deutliche Worte. "Wir lassen in der Abwehr die Aggressivität vermissen, lassen unseren Torhüter alleine. Vorne spielen wir keine hochwertigen Chancen heraus." Erst nach 20 Minuten kamen die Coburger besser ins Spiel, nach 40 Minuten kippte die Partie schließlich.

TSV Bayer Dormagen - HSC 2000 Coburg 21:27 (13:11)

Die Coburger erwischten einen grausigen Start - anders kann man es nicht ausdrücken. Im Zusammenspiel ging in den ersten zehn Minuten kaum etwas zusammen. Einzig der Spielzug auf Max Jaeger auf Linksaußen brachte etwas Zählbares ein. Nach gerade einmal sieben Minuten rief HSC-Trainer Jan Gorr sein Team zu einer Auszeit an die Seitenlinie. Wie schon in der Partie gegen Aue bekamen die Coburger in der Abwehr keinen rechten Zugriff auf den Gegner, haderten mit Schiedsrichterentscheidungen, spielten aber auch viel zu riskant in ihren Angriffsaktionen. Immer wieder spielten die Gastgeber erfolgreich über die Außenpositionen und setzten sich Tor um Tor ab. Die HSCler hatten dem schnellen Spiel der Rheinländer wenig entgegenzusetzen.

Auch die recht riskante Spielweise im Angriff behielten die Coburger bei, waren damit aber zumindest über den Kreis erfolgreich. Nach einem zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand fand der HSC nach 20 Minuten doch etwas besser ins Spiel. Dormagen vergab nun mehrere Angriffe in Folge, und jetzt waren es die Gäste, die schnell vor dem gegnerischen Gehäuse waren und ihre Konterchancen nutzten. Auf zwei Tore kamen die Coburger heran, ehe ein vermeintliches Foul an Markus Hagelin von den Unparteiischen nicht geahndet wurde und Dormagen seinen Vorsprung wieder auf drei Treffer ausbaute.

In der sehr kampfbetonten Partie fanden die Coburger nun bessere Lösungen und hatten zudem in einigen Szenen Glück, dass riskante Pässe am Ende doch irgendwie beim Nebenmann ankamen.

Zwar gelang dem HSC nach dem Wechsel schnell der direkte Anschluss (13:12), aber danach diktierten wieder die Gastgeber das Geschehen. Coburg fand gegen die "gummiwandartige" Deckung des TSV kein Durchkommen, probierte es weiterhin über den Kreis, der aber in der Regel gut abgeschirmt war. Doch nach 40 Minuten war es dann doch soweit: Mit einem schnellen Vorstoß, den Jaeger erfolgreich abschloss gelang der Ausgleich, und gleich im nächsten Angriff machte Florian Billek die erste Coburger Führung perfekt (17:18, 42.).

Die Hausherren waren nun lange nicht mehr so ballsicher wie im bisherigen Spielverlauf und hatten immer mehr Probleme mit den Coburgern, die jetzt verstärkt die Lücken in der TSV-Abwehr fanden. Die Dormagener suchten jetzt den Erfolg in der Flucht nach vorne mit schneller Mitte und Gegenstößen. Da war der HSC, bei dem sich Spielmacher Tobias Varvne einige Passfehler leistete, aber dennoch wichtige Impulse setzte, nicht immer im Bilde. Doch nach der kurzen Sturmphase gelang dem TSV immer weniger, fünf Minuten vor dem Abpfiff führten die Coburger bereits mit sechs Toren - auch wenn ihnen nicht alles gelang. Doch der Tabellenzweite war gegen stark nachlassende Dormagener zur richtigen Zeit zur Stelle und setzte sich mit seiner höheren spielerischen Klasse letztlich doch noch souverän durch.

Stimmen zum Spiel

Jan Gorr (Trainer des HSC 2000 Coburg): "Das war ein richtig schwieriges Spiel, vor allem nach dem 1:6-Einstieg. Wir haben überhaupt keinen Zugriff bekommen auf die Leute von Dormagen, und im Positionsangriff zu wenig Durchschlagskraft bewiesen. Zurückzufinden ist extrem schwierig, aber wir haben das mit viel Kampf und Engagement geschafft, uns dann Stück für Stück herangearbeitet. Mir war dann auch klar, dass in der zweiten Halbzeit der Moment kommt, wo wir das zu unseren Gunsten kippen können. Das hat das Team richtig gut gemacht. Unterm Strich sind das ganz verdiente zwei Punkte, über die wir uns sehr freuen."

Florian Billek (Rechtsaußen des HSC 2000 Coburg): "Wir brauchen zurzeit immer 15 Minuten, bis wir aufwachen. Erst dann fangen wir an, unseren Handball zu spielen, in der Abwehr jeder für den anderen zu kämpfen, im Angriff unsere Schützen in Position zu bringen. So muss es von Anfang an laufen. Der zweite Durchgang war dann auch eines Tabellenzweiten würdig."

TSV Bayer Dormagen - HSC Coburg 21:27 (13:11)

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Konstantin Poltrum; Markus Hagelin, Maximilian Jaeger (5), Lukas Wucherpfennig, Felix Spross, Sebastian Weber (2), Anton Prakapenia (3), Florian Billek (8/4), Marcel Timm (1), Jakob Knauer (3), Pontus Zetterman, Tobias Varvne (4), Patrick Weber (1).

TSV Bayer Dormagen: Sven Bartmann, Matthias Jan Broy; Joshua Reuland, Nico Pyszora, Daniel Eggert, Thomas Heider, Carl Löfström (2), Ian Hüter (1), Julian Köster, Nuno Rebelo (1), Benjamin Richter (1), Patrick Hüter (1), Lars Jagieniak, Eloy Morante Maldonado (4), Lukas Stutzke (3), Tim Roman Wieling (8/5).

SR: F. Friedel / R. Herrmann

Spielfilm: 2:0 (4.), 4:1 (7.), 6:1 (10.), 6:2 (12.), 9:4 (16.), 11:5 (19.), 11:7 (22.), 12:10 (25.), 13:11 - 13:12 (31.), 15:12 (33.), 16:14 (37.), 17:16 (40.), 17:17 (41.), 17:18 (42.), 17:20 (44.), 18:22 (50.), 19:25 (54.), 20:25 (56.), 21:27.

Zuschauer: 1208

Siebenmeter: 5/6 (Wieling scheitert an Poltrum) - 4/4

Strafminuten: 10 (Stutzke 6, Heider 4) - 2 (Hagelin)

Beste Spieler: Stutzke, Maldonado - Billek, Jaeger.