40 Tore zum 40. Geburtstag von HSC-Trainer Jan Gorr, das hätte ins Bild gepasst. Doch gegen das Ligaschlusslicht HG Saarlouis fabrizierten die Coburger zu viele einfache Fehler, um dieser Marke nur nahezukommen. "Das war schon ein Spiel mit dem Feuer, hätten wir nur ein, zwei Fehler mehr gemacht, wäre es zur Nervenschlacht geworden", resümierte Gorr, der am Freitag Geburtstag hatte, nach der Partie. Ein Handball-Leckerbissen war es sicherlich nicht, den beide Teams den 2081 Zuschauern in der HUK-Arena boten. Doch der 32:29-Heimerfolg der Coburger reichte, um erstmalig in dieser Saison auf Platz 4 vorzudringen, da Hamm und Rimpar ihre Spiele verloren.

HSC 2000 Coburg -
HG Saarlouis 32:29 (16:12)

"Das ist keine Laufkundschaft, Balingen geschlagen, gegen den BHC lange geführt", warnte Gorr kurz vor Spielbeginn nochmals davor, den Gegner nicht zu unterschätzen. Und die Gäste stellten die HSC-Fans dann tatsächlich auf eine Geduldsprobe, die aufgrund vieler Unkonzentriertheiten der Hausherren aber auch hausgemacht war. Schon die erste Aktion sollte symptomatisch sein. Mit einem Fehlpass und dem sich daraus ergebenden Saarländer Konter begann die Partie für den HSC alles andere als optimal. Doch schon kurz darauf antwortete Florian Billek für sein Team, als er einen nach einem Ballgewinn zum 2:1 verwandelte. Überhaupt bestimmten zahlreiche Ballverluste auf beiden Seite die Anfangsphase dieser Partie. Coburg schaffte es nicht, sich abzusetzen, da in der Abwehr die letzte Konzentration fehlte, der finale entscheidende Pass des HG-Angriffs oft nicht unterbunden werden konnte und im Angriff nicht konsequent genug abgeschlossen wurde.


Sehenswerter Treffer von Hagelin

Die Gäste präsentierten genau den Handball, mit dem Gorr gerechnet und vor dem Spiel gewarnt hatte. Ging es nicht schnell nach vorne, spielte die HG ihre Angriff lange und erfolgreich aus. Als Saarlouis nach 16 Minuten einen Strafwurf vergab, nutzte Coburg dies zur ersten Zwei-Tore-Führung. Doch zufrieden war Gorr nicht, weil sein Team weiterhin zu viele Fehler fabrizierte und Glück hatte, dass Saarlouis nicht postwendend wieder zum Ausgleich kam - der Pfosten stand im Weg. Zwar setzten sich die Coburger kurz darauf auf vier Tore ab, doch Saarlouis zeigte immer nun immer wieder gelungene, schnelle Aktionen, nachdem es zuvor den Anschein hatte, dass sie mit ihrem behäbigen Spielaufbau die Coburger einschläfern wollen. Sehenswert war die Entstehung des Treffers zum 14:10. Hagelin schloss ab, nachdem er mit einem genialen Bodenpass durch den Wurfkreis und um zwei gegnerische Abwehrspieler herum, von Till Riehn bedient wurde.
Auch nach der Pause verschleppte Saarlouis weiter das Spieltempo und profitierte zudem von Fehlern der Coburger im Spiel nach vorne. Erst fand ein Pass von Billek, dann ein Pass von Lex nicht sein Ziel. Beide Male nutzten die Gäste das zu eigenen Toren. Die Coburger machten es Saarlouis nun richtig einfach, die in der Abwehr noch eine Schippe drauflegten und mit Lindskog Andersson einen Mann mit Auge für jede Spielsituation hatten. Das Auge hatte auch Torhüter Oliver Krechel, als er nach 44 Minuten erstmals nicht bei einem Strafwurf auf das Spielfeld kam. Coburg war noch in Unterzahl, hatte den Torhüter vom Feld genommen und schloss erfolgreich ab. Saarlouis versuchte mit einem schnellen Anwurf ins leere Tor zu treffen. Mit einer sehenswerten Flugeinlage im Stile eines Fußballtorwarts an der Neunmeter-Linie verhinderte Krechel den Treffer. Diese Aktion zündete bei den Coburgern kurz den Turbo, denn nach dieser Parade gelang es dem HSC wieder, fünf Tore Abstand zwischen sich und den Gegner zu bringen.


Krechel erzielt seinen drittes Tor

Doch weiterhin mussten bei den Coburgern zu oft Einzelaktionen herhalten, und am Ende musste sogar noch um den Sieg gezittert werden, auch weil das Halten und Ziehen der HGS-Abwehr von hinten zu spät konsequent geahndet wurde. Den Coburger Schlusspunkt setzte Torhüter Oliver Krechel in seinem 185. Spiel für den HSC mit seinem Tor zum 32:28, das ihn mit den ehemaligen HSC-Torleuten Stefan Apfel (196 Spiele) und Havard Martinsen (354) mit je drei Toren gleichziehen ließ.
Nach der Partie feierte Gorr, der nach der Pressekonferenz von der HSC-Vorstandsriege ein Geburtstagsständchen gesungen bekam, nachträglich seinen Festtag mit geladenen Gästen und hinein in den 29. Geburtstag seines Kreisläufers Markus Hagelin.



STIMMEN

HSC-Trainer Jan Gorr: "Das die Papierform nicht funktioniert, haben wir heute wieder festgestellt. Deswegen war es wichtig, dass wir in einem insgesamt holprigen Spielruhig geblieben sind. Saarlouis hat sehr diszipliniert agiert, wir in der Abwehr auch oft Türen aufgemacht. 29 Gegentore sind zuviel."
HGS-Trainer Philipp Kessler: "Leider ist es uns nicht gelungen, den Turnaround zu schaffen. Dafür haben wir es geschafft, den Druck aus dem Coburger Rückraum etwas herauszunehmen. Aber am Ende hat uns die Kraft gefehlt, wir haben nicht mehr ganz so konsequent gespielt wie über weite Strecken der Partie."



STATISTIK

HSC 2000 Coburg - HG Saarlouis 32:29 (16:12).
HSC 2000 Coburg:
Jan Kulhanek (19 Gegentore, 8 Paraden), Oliver Krechel (10 Gegentore, 2 Paraden, 1 Tor); Philipp Barsties, Markus Hagelin (1), Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß (2), Dominic Kelm (1), Sebastian Weber (2), Stefan Lex (5), Benedikt Kellner (2), Florian Billek (4/1), Till Riehn (2), Jakob Knauer (3), Tobias Varvne (5), Romas Kirveliavicius (4). Trainer: Jan Gorr.
HG Saarlouis: Patrick Schulz (24 Gegentore, 6 Paraden), Darius Jonczyk (8 Gegentore, 1 Parade); Maximilian Hartz, Philipp Leist, Falk Kolodziej (2), Martin Murawski, Lars Weissgerber (4), Moritz Barkow (3), Arthur Muller (1), Jerome Müller (2), Julius Lindskog Andersson (5/2), Michael Schulz (5), Tom Paetow, Yann Polydore, Marcel Engels (3), Pascal Noll (4). Trainer: Philipp Kessler.
SR: Jannik Otto / Raphael Piper
Spielfilm: 0:1 (2.), 2:2 (5.), 4:4 (8.), 6:5 (12.), 6:6 (13.), 9:7 (17.), 12:8 (23.), 12:10 (25.), 14:10 (28.), 16:11 (30.), 16:12 - 17:12 (32.), 19:14 (35.), 19:16 (38.), 20:16 (39.), 20:18 (41.), 21:19 (42.), 25:20 (46.), 25:22 (50.), 26:23 (52.), 28:24 (53.), 28:26 (55.), 29:26 (56.), 29:27 (57.), 30:27 (58.), 32:28 (60.), 32:29.
Zuschauer: 2081 in der HUK Coburg Arena
Siebenmeter: 1/2 (Billek scheitert an Jonczyk) - 2/3 (Weissgerber wirft am Tor vorbei)
Strafminuten: 6 (Kirveliavicius, Knauer, Wucherpfennig) - 6 (Müller 6), damit rote Karte (58.)
Beste Spieler: Lex, Varvne - Andersson, M. Schulz