Es dauerte bis zum letzten Heimspiel, ehe der HSC 2000 Coburg die beste Halbzeit der Saison ablieferte. Im ersten Abschnitt lief fast alles wie am Schnürchen, der TV Emsdetten war mehr oder weniger Spielball der wie entfesselt auftretenden Coburger. Mit zehn Toren Vorsprung ging es in die Pause. Danach lief es zwar nicht mehr ganz so rund, trotzdem durften die 1821 Fans einen hochverdienten 28:22-Erfolg ihrer Mannschaft bejubeln, ehe der Abschiedsmarathon begann. Marko Neloski, Patryk Foluszny, Benedikt Kellner, Stefan Lex, Tom Wetzel, Girts Lilienfelds, Romas Kirveliavicius, Till Riehn, Oliver Krechel und Dominic Kelm, die ihr letztes Heimspiel für den HSC bestritten, zogen durch die Halle und ließen sich von den Anhängern feiern.

HSC 2000 Coburg -
TV Emsdetten 28:22 (17:7)

Mit einer Rumpfmannschaft - neben den Langzeitverletzten fehlten auch Stefan Lex und Lukas Wucherpfennig - musste Coburg seine letzte Heimpartie bestreiten. Im ersten Angriff brauchte Coburg vier Anläufe, bis Jakob Knauer mit einer geschickten Körpertäuschung den Ball im Tor unterbrachte. Zuvor wurde der Ball von Emsdetten drei Mal abgewehrt.

Nach seinem Treffer zum 2:1 für Coburg musste Dominic Kelm nach einer Abwehraktion mit einem Cut über dem rechten Auge und blutender Stirn vom Feld. "Letztes Jahr im letzten Spiel der Bänderriss, heute nach acht Minuten die Platzwunde. Als sie dann in der Kabine gemeint haben, das muss genäht werden, habe ich gesagt, klammer' das Ding zu, ich will weiterspielen." Der dienstälteste HSC-Spieler gab nach der Partie auch einen Einblick in sein Gefühlsleben: "Ich fühle mich traurig, so alt bin ich ja noch nicht, hätte durchaus gerne weitergespielt. Aber es ist wie es ist, ich freue mich auf die neue Aufgabe beim HSC, aber jetzt brauche ich erst einmal Urlaub."
Aufgrund seiner Verletzung bekam Kelm gar nicht mit, wie sich sein Team mit starken spielerischen Aktionen auf vier Tore absetzte. Darunter ein "Empty-Net-Goal" von Florian Billek, da Emsdetten während einer Zeitstrafe den Torhüter vom Feld genommen hatte.

Die Unparteiischen schufen anschließend mit drei Zeitstrafen innerhalb von 30 Sekunden viel Platz auf dem Spielfeld. Coburg blieb aber vorne, auch weil der wendige Merten Krings immer wieder seinen Meister in Krechel fand. Mit sehenswerten Treffern und vielen durchdachten Aktionen setzten die Coburger die im Abschluss unglücklichen Gäste unter Druck, spielten sich in einen Rausch. Angriff um Angriff rollte auf das Tor des TVE zu, der HSC setzte sich auf bis zu elf Treffer ab. Nach 22 Minuten kehrte Kelm aufs Spielfeld zurück. Obwohl er ein tolles Rückhandanspiel von Riehn vergab, ging es mit zehn Toren Führung in die Pause.

Während zu Beginn der zweiten Halbzeit Torhüter Krechel mit zwei Paraden glänzte und sich vor dem Fanblock feiern ließ, vergaben seine Vorderleute jetzt doch eine Handvoll gute Einwurfmöglichkeiten und agierten oft zu riskant im Spiel nach vorne. Emsdetten war jetzt deutlich effektiver, suchte den schnellen Abschluss und hatte nach zwölf Minuten der zweiten Hälfte bereits genauso viele Tore wie in der gesamten ersten Halbzeit. Der Spielfluss bei Coburg war jetzt völlig dahin, es gelang im Gegensatz zum ersten Durchgang kaum noch etwas - der Vorsprung war um die Hälfte geschrumpft. Aber es gab ja noch Krechel im Tor, und der dürfte nicht nur dem Emsdettener Rechtsaußen Marten Franke eine schlaflose Nacht beschert haben. Als Coburgs Tormann beim Stand von 26:20 eine Quote von genau 50 Prozent parierter Bälle aufwies, bog der HSC auf die Siegerstraße ein. Dreieinhalb Minuten vor dem Abpfiff war es "Kiwi", der den 1000. Saisontreffer für den HSC markierte. Gerade vor der Pause hatte es den Anschein, als wolle sich der HSC den Ballast der gesamten Saison von der Seele werfen.


Stimmen zum Spiel


Jan Gorr (HSC-Trainer): "Wegen der vielen Abschiede und der damit verbundenen Emotionalität war es wichtig, dass wir uns mit einem Heimsieg von den Fans verabschieden. Wir haben vor der Pause fantastisch verteidigt, Olli war eine scharfe Waffe, auch als uns der Gegner auf die Pelle gerückt ist."

Daniel Kubes
(TVE-Trainer): "Der Coburger Sieg war hochverdient, geht absolut in Ordnung. Im Prinzip war die Partie bereits zur Pause entschieden, weil wir gerade da im Angriff total ineffektiv agiert haben. Mit der Saisonbilanz bin ich nicht unbedingt zufrieden."

Till Riehn
(HSC-Spielführer): "Das war ein schöner Abschluss vor eigenem Anhang, auch wenn wir nächste Woche noch ein Spiel haben. Aber hier zu Hause ist das etwas anderes, es hat mir in den fünf Jahren richtig Spaß gemacht."



HSC 2000 Coburg - TV Emsdetten 28:22 (17:7)


HSC 2000 Coburg: Tim Titze (n.e.), Patryk Foluszny (n.e.), Oliver Krechel (22 Gegentore, 21 Paraden); Markus Hagelin (1), Felix Sproß (4), Dominic Kelm (2), Sebastian Weber (1), Benedikt Kellner (2), Florian Billek (7/3), Till Riehn (3/1), Jakob Knauer (2), Tobias Varvne (4), Romas Kirveliavicius (2)
Trainer: Jan Gorr
TV Emsdetten: Mark Ferjan, Konstantin Madert (28 Gegentore, 15 Paraden); Merten Krings (6/1), Marten Franke (4), Yannik Terhaer (1), Jan Hübner, Malte Schröder, Paul Kolk (2), Yannik Dräger (3), Dirk Holzner (2), Sven Wesseling, Jasper Adams (4), Andre Kropp, Georg Pöhle
Trainer: Daniel Kubes
Schiedsrichter: Nils Blümel / Lars Loppaschewski
Spielfilm: 1:1 (6.), 4:2 (9.), 5:2 (11.), 8:3 (13.), 12:5 (20.), 17:6 (26.), 17:7 - 18:8 (34.), 20:10 (38.), 20:12 (41.), 21:13 (43.), 21:16 (45.), 23:20 (51.), 26:20 (54.), 28:21 (58.), 28:22
Zuschauer: 1821
Siebenmeter: 4/5 (Billek scheitert an Madert) - 1/4 (Holzner trifft Latte, Holzner scheitert an Krechel, Wesseling wirft daneben)
Strafminuten: 6 (Hagelin, Weber 4) - 8 (Kropp 4, Holzner, Dräger)
Beste Spieler: Krechel, Hagelin - Krings, Adams