Der HSC 2000 Coburg hat zum dritten Mal im vierten Auswärtsspiel in der Fremde Beute gemacht und sein Punktekonto vor 1300 Fans mit einem 34:32-Sieg beim TV Emsdetten auf 10:4 hochgeschraubt. Auch wenn Jan Gorr vor der Pause überhaupt nicht mit der Abwehrarbeit seiner Mannschaft zufrieden sein konnte, auf den Angriff war diesmal Verlass und vorne kompensierte man die Nachlässigkeiten in der Hintermannschaft.

Besonders galt dies für Matthias Gerlich, der vor der Pause aus acht von neun Versuchen ins gegnerische Tor traf und dann für den Rest der Spielzeit unter Sonderbewachung gestellt wurde. Den schwedischen Torjäger Tobias Rivesjo, den norwegischen Linksaußen Stian Brevik oder den isländischen Rückraum-Allrounder Anton Runarsson, der 60 Minuten "wuselte", tolle Ideen hatte, aber gerade in der Schlussphase zu oft mit dem Kopf durch die Wand wollte, bekam Coburg zunächst gar nicht in den Griff.

Jeder Angriff ein Treffer, so verlief die Partie in den ersten fünf Minuten. Allerdings benötigten die Coburger dafür meist mehr Anläufe, konnten aber Abpraller mit viel Einsatz zu ihren Gunsten nutzen. Emsdetten tat sich da einfacher um zum erfolgreichen Abschluss zu kommen.

Mit ihren Abwehrreihen waren beide Trainer nicht zufrieden. Sowohl Daniel Kubes auf Emsdettener Seite als auch Coburgs Jan Gorr holten sich ihre Abwehrstrategen immer öfter an die Seitenlinie. Kubes hatte nach dem 11:11 (15.) dann sogar mehr Redebedarf, nahm sich eine Auszeit und wechselte den Torhüter.

Das fruchtete, denn mit dem 13:11 gab es kurze Zeit später die erste Zwei-Tore-Führung der Partie überhaupt. Das Hauptproblem beim HSC blieb ungewohnterweise die Abwehr, die weiter kein Land sah. Aber irgendwie befreite man sich dann doch etwas, erzielte mit drei Toren in Folge erneut die eigene Führung. Hauptakteur auf HSC-Seite war dabei Matthias Gerlich, er die Freiheiten, die sich ihm boten, auch zu Torerfolgen nutzte.

Fast wie in einer engen Schlussphase einer Partie ging es weiter rauf und runter mit hohen Tempo. Fast gebetsmühlenartig, so hatte es von der Gegenseite den Anschein, predigte Jan Gorr auf seine Spieler ein, die dem Gegner zu viel Freiräume boten. Trotzdem ging der HSC mit einer knappen Führung in die Pause, hatte da aber bereits so viele Treffer kassiert, wie in der vergangenen Woche in Essen zum Ende der Spielzeit.

Das lag daran, das Emsdetten unheimlich viel rochierte und damit die Lücken in der Coburger Abwehr immer wieder aufs Neue offenbarte. In ein eigenes Konterspiel kam der HSC über die gesamte Distanz so gut wie nie. Dazu fehlten auch die Balleroberungen in der Abwehr.

Gleich der erste Wurf wurde eine Beute des nun im HSC-Tor stehenden Havard Martinsen und wenig später knallte Runnarsson einen Strafwurf nur an die Unterkante der Latte. Vor der Pause hatte er gleich zwei Mal Oliver Krechel mit fiesen, aber absolut sehenswerten Hebern überwunden.

Auszeit im richtigen Moment

Absetzen konnte sich Coburg nicht, weil jetzt vorne viele Bälle verloren gingen. Ein Ballverlust, ein Pass ins Aus, ein freier Wurf an die Latte und schon war in dieser ausgeglichenen Partie Emsdetten auf zwei Tore weg (23:21). In dieser Situation nahm sich Gorr schon einmal die Auszeitkarte von Co-Trainer Ralf Baucke und steckte sie sich hinten in den Hosenbund. Nur wenig später flatterte die auch auf den Zeitnehmertisch (24:22, 42.). Auch ein Indiz dafür, dass das Team von Jan Gorr noch nicht das richtige Rezept gegen die Deckung der Gastgeber gefunden hatte.

Aus diesem Rückstand besann sich Coburg vermehrt auf seine spielerische Komponente und hatte damit Erfolg. Elf Minuten vor dem Abpfiff betrug der Vorsprung wieder einmal zwei Treffer. Doch bei dem wellenartigen Verlauf der Partie deutete sich eine spannende Schlussphase an.

Zumal Coburg dann zwei Gegenstoßtore zum Ausgleich kassierte. "Das Spiel hätte acht Minuten vor dem Ende durchaus auch in die andere Richtung kippen können", schnaufte Jan Gorr zehn Minuten nach dem Abpfiff immer noch durch.

Das tat es aber nicht, weil seine Mannschaft in der Schlussphase emsig blieb, die höhere Konzentration und die besseren Antworten parat und mehr zuzusetzen hatte als ein Gegner.

Martinsen war nun auch hinten eine sichere Bank, zudem arbeitete die Abwehr vor ihm besser. Bis zum 29:31 (55.) konnte sich Coburg dennoch der Punkte nicht sicher sein. Emsdetten probierte es noch mit einer zusätzlichen Manndeckung gegen Till Riehn, aber dadurch hatte Florian Billek viel Platz. Mit dem 30:33 machte er alles klar.