Während in fast allen anderen Sportarten nach zwei Saisondritteln zumindest grob absehbar ist, in welche Richtung es für die Vereine im Endspurt geht, bildet der Basketball mit dem Play-off-System eine Ausnahme. So ist auch das Schicksal des BBC Coburg in der dritthöchsten deutschen Spielklasse, der ProB, nach 14 von 22 Spieltagen noch völlig offen.

Auf dem 10. Tabellenplatz mit einer Bilanz von vier Siegen und zehn Niederlagen verabschieden sich die Coburger in eine kurze Winterpause, bevor es am 6. Januar mit dem Gastspiel bei den Dragons Rhöndorf weitergeht. Aktuell steht der BBC mit vier Punkten Vorsprung zum Abstiegsrang 11 und vier Punkten Rückstand auf den Play-off-Rang 8 zwischen den "Welten".
Dass die Coburger nach sechs Pleiten in Folge zumindest wieder vorsichtig vom Einzug in die Play-offs träumen dürfen, liegt an der bis dato besten Saisonleistung des BBC am Sonntagabend beim 105:97-Überraschungserfolg, dem ersten unter dem neuen Trainer Derrick Taylor, gegen Tabellenführer Elchingen.

Matthias Haufer, Sportlicher Leiter des BBC Coburg, zeigt sich zwar sichtlich erleichtert über den gelungenen Jahresabschluss und bescheinigt der Mannschaft einen weiteren Schritt in die richtige Richtung, möchte sich aber zwecks Zielsetzung für die restlichen acht Saisonspiele nicht festlegen: "Auch wenn es eine typische Sportlerfloskel ist, aber wir schauen nur auf uns selbst. Dass wir den Tabellenführer schlagen konnten, zeigt, wie eng alle Mannschaften beieinander sind."


BBC gehen die großen Leute aus

Der Sieg gegen Elchingen, die zuvor erst eine Partie verloren hatten, war angesichts der dünnen Personaldecke der Coburger umso bemerkenswerter. Mit Christopher Wolf (Daumenverletzung), Daniel Stawowski und Sinan Özdil (beide Knieprobleme) standen Taylor drei große Leute nicht zur Verfügung.

Neben dem einzigen etatmäßigen Center Max von der Wippel, mussten die Flügelspieler auf ungewohnten Positionen gegen die lange Garde der Gäste Schwerstarbeit verrichten. Die körperlich unterlegenen Coburger machten aus der Not eine Tugend und versuchten, die teils hüftsteifen großen Akteure der Schwaben in der Offensive immer wieder mit dem Zug zum Korb zu attackieren. Mit Erfolg: Die Gäste konnten sich oft nur mit Fouls behelfen und "schickten" die Coburger damit 46 Mal an die Freiwurflinie (38 Treffer). Und auch das Reboundduell entschied der BBC mit 43:35 für sich.

Alleine 13 Abpraller sicherte sich der 1,83 Meter "kleine" Byron Sanford. Seine Fabelzahlen vervollständigte der US-Amerikaner mit 40 Punkten, fünf Assists und zwei Ballgewinnen. Zumindest statistisch (Effektivitätswert 51, siehe Infokasten) gesehen war es die beste individuelle Leistung eines Akteurs in der laufenden ProB-Saison. Der hochtalentierte Aufbauspieler, der über Wochen das größte Coburger Sorgenkind war, scheint von der veränderten Ansprache des neuen Trainers zu profitieren. "Byron hat bereits beim Spiel in Leverkusen eine aufsteigende Tendenz gezeigt. Er hat wieder mehr Vertrauen in seine Stärken und hat weniger Angst vor Fehlern. Er ist jetzt einfach etwas relaxter", sagt Haufer.

Die ansteigende Formkurve Sanfords, der zuletzt mit seiner schnellen Penetration mehr Räume für die Schützen schuf, macht sich auch sein Landsmann Jordan Burris zunutze, indem er die besser herausgespielten Dreipunktewürfe in den vergangenen zwei Partien hochprozentig einnetzte (10 von 16). Mit einem guten Gefühl machen sich die beiden US-Amerikaner heute auf Richtung Flughafen und werden in einer Woche nach ihrem kurzen Weihnachtsurlaub in der Heimat wieder in Coburg zurückerwartet.

Ob sie in der Vestestadt vielleicht schon bald auf einen neuen Teamkollegen treffen, hängt vor allem am Heilungsverlauf und der Behandlungsmethode von Wolfs Daumenverletzung. Muss der 22-Jährige operiert werden, droht er die restliche Saison auszufallen, und die Coburger würden sich wohl bis zum 10. Januar (Transferfrist) um einen Ersatzmann auf seiner Position bemühen.



Basketball-Mathematik: Der Effektivitätswert


Effektivität Der Effektivitätswert stellt eine Vergleichsgröße dar, mit der die Leistung eines Spielers eines Basketballspieles bewert- und vergleichbar gemacht werden kann. Die Berechnung ist wie folgt: Die fünf "positiven" Werte Punkte, Rebounds, Assists, Steals und Shotblocks werden zusammengezählt. Davon abgezogen werden die Anzahl der Fehlwürfe aus dem Feld und von der Freiwurflinie sowie die Ballverluste.
Rekord Byron Sanford stellte in der Partie gegen Elchingen am Sonntag mit 51 Effektivitätspunkten (40 Punkte, 13 Rebounds, 5 Assists, 2 Steals, 7 Fehlwürfe und 2 Ballverluste) einen neuen Ligarekord (vorher Kameron Taylor, Rhöndorf, mit 42) auf. Zum Vergleich: In den 13 Partien zuvor kam Sanford auf insgesamt nur 66 Effektivitätspunkte (5 pro Spiel). Den besten Coburger Wert hat Jordan Burris mit 16,8 pro Partie.