Eine erfolgreiche Ära ist zu Ende gegangen. Dirk Scheler ist nicht mehr Coach bei "seinem" TSV Meeder. Für den engagierten Fußballtrainer war und bleibt der Verein eine Herzensangelegenheit - "deshalb ist mir diese Entscheidung auch sehr schwer gefallen".

Freiwilliger Rücktritt als Signal

Der 41-jährige Wiesenfelder will mit seinem freiwilligen Rücktritt ein Signal senden. Er will wachrütteln, er will, dass die Spieler endlich aufwachen und den Ernst der Situation verinnerlichen. Mit 18 Punkten steht die Mannschaft auf dem 15. Tabellenplatz in der Bezirksliga Oberfranken West. Der Abstieg in die Kreisliga Coburg droht.
TSV-Reservecoach René Wicht, der letztes Jahr den TSV Oberlauter in der Kreisliga betreute und zuvor etliche Jahre zwischen den Pfosten beim TSV Meeder stand, fungiert ab sofort gemeinsam mit Spielführer Simon Schiller als Interimstrainer. Dieses Duo soll das Team in den letzten vier Spielen bis zur Winterpause betreuen. Derzeit deutet viel daraufhin, dass danach ein neuer Trainer seine Arbeit beim TSV Meeder aufnimmt, weil auch dieses Duo zu nah an der Mannschaft dran sei.

"Trennung absolut im Guten"

"Ich will, dass einige einfach wieder umdenken." Die Spieler dürften kein Alibi mehr haben, meint Scheler, der aber auch zugibt, dass er seit längerem bereits das Gefühl hatte, seine Jungs "nicht mehr zu erreichen".
Von TSV-Vorsitzendem Helmut Meyer oder Spielleiter Dieter Sommer wäre der Trainer trotz des ausbleibenden Erfolges nie infrage gestellt worden. Im Gegenteil, beide Funktionäre versuchten "ihren Dirk" noch einmal zum Weitermachen zu überreden. Meyer betonte immer wieder: "Dirk macht tolle Arbeit. Er ist genau der richtige Trainer für Meeder, wo Kameradschaft an erster Stelle steht." Diese Einschätzung Meyers galt vor zwei Jahren genauso noch wie heute.

Scheler schießt Scheler ab...

Trotzdem: Für den zweifachen Familienvater (Laura-Loreen 16 und Lea-Sophie 10), der sich in den nächsten Wochen zwei Knieoperationen wegen eines Knorpelschadens unterziehen muss, stand der Entschluss nach der 0:4-Heimniederlage am Sonntag gegen den FC Coburg fest. Dass dabei ausgerechnet sein jüngerer Bruder Lars mit den Treffern zum 1:0 und 2:0 dafür sorgte, dass sich die Krise beim TSV Meeder zuspitzt, ist Ironie des Schicksals.

"Nach fünfeinhalb Jahren nutzt sich vieles ab. Da muss man auch wissen, wann es genug ist. Wir trennen uns absolut im Guten und können uns jederzeit in die Augen schauen", erklärt ein aufgearbeiteter Übungsleiter, der sich sportlich nichts mehr wünscht, als dass "seine" Mannschaft jetzt die Kurve bekommt. "Das sind alles feine Kerle, wir waren immer zwischen 16 und 18 Mann auf dem Training." Auch das Handicap, dass er nach dem Winter wegen seines lädierten Knies im Training nicht mehr Vollgas geben kann, spielte bei seinem Entschluss eine Rolle. Der TSV plant erneut den von Scheler vor einigen Jahren ins Leben gerufenen und stets mitorganisierten Aufenthalt in der Türkei.

Die Trennung kommt allerdings nicht überraschend, sie hatte sich in den letzten Wochen bereits mehrfach angedeutet. Schon während der Halbzeitpause im Spiel beim bis dahin noch tor- und punktlosen Tabellenletzten TSV Bad Staffelstein äußerte Scheler Rücktrittsgedanken: "Jungs, jetzt ist meine Zauberkiste bald leer", erinnert er sich noch genau an seine mahnende Worte in der Kabine.

Es folgte das 0:7-Debakel gegen die Spvg Eicha und zuletzt die unglücklichen Auftritte beim FC Lichtenfels (1:1) und zu Hause gegen den TSV Hirschaid (3:3). Jetzt verlässt der "Zauberer" also seine Bühne, allerdings nicht ohne seine Hilfe in Aussicht zu stellen: "Ich weiß, was für ein Trainerprofil in Meeder gebraucht wird, ich werde bei der Suche meines Nachfolgers gerne mithelfen."

Und wie geht es mit ihm selbst, der sich erste Sporen als Co-Trainer beim TSV Mönchröden in der Landesliga verdiente, weiter? Erst einmal will Dirk Scheler seine anstehenden Knieoperationen hinter sich bringen, aber spätestens im April oder Mai wird es dann schon wieder jucken. Denn eines steht für den "fußball-verrückten" Konstrukteur fest: "Ohne Fußball geht es bei mir nicht."