In der "ewigen Stadt" gelang dem Witzmannsberger Kevin Krawietz ein kleiner Meilenstein in seiner mittlerweile zehnjährigen Karriere als Tennisprofi. Nach dem Doppelsieg mit Partner Andreas Mies beim Challengerturnier in Rom durchbrach der 26-Jährige erstmals die Schallmauer der besten 100 Doppelspieler der Welt. Nach dem Turniersieg in Italien war er an Position 95 platziert, mittlerweile ist er sogar drei weitere Plätze nach oben geklettert. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es kein gutes Gefühl ist, zweistellig platziert zu sein", sagt Krawietz. "Ich habe in diesem Jahr schon viele Siege eingefahren und bringe ganz gute Leistungen, jetzt muss ich aber den nächsten Schritt machen."

Und wie schaut dieser nächste Schritt für Krawietz aus? "Ich darf in meinen Leistungen nicht nachlassen und mein Level stetig nach oben schrauben, vor allem auch bei ATP-Turnieren." Drei Turniere der Challenger-Serie (Panama-Stadt, Mexiko-Stadt und Rom) hat Krawietz in diesem Jahr im Doppel bereits gewonnen, und auch bei den BMW-Open, dem Münchner ATP-Turnier, machte er eine gute Figur. In der Einzel-Qualifikation scheiterte Krawietz denkbar knapp an seinem Landsmann Dustin Brown, im Doppel besiegte er mit seinem Nürnberger Partner Maximilian Marterer, jüngst Achtelfinalist der French Open, die Wimbledon-Doppelsieger aus dem Jahr 2010, Jürgen Melzer und Philipp Petzschner.

Während Krawietz im Doppel mittlerweile zumindest an der Weltspitze schnuppert, hat er im Einzel als Nummer 358 der Welt noch deutlich mehr Potenzial nach oben. "Auch wenn es die Ergebnisse im Doppel anders vermuten lassen, liegt mein Fokus mehr auf dem Einzel", erklärt der 26-Jährige. "Mit meinem neuen Trainer habe ich mir vorgenommen, in den nächsten ein, zwei Jahren noch einmal voll im Einzel anzugreifen. Doppel alleine ist mir auf Dauer zu wenig." Seit Dezember arbeitet Krawietz mit einem neuen Trainer zusammen, der für ihn allerdings ein alter Bekannter ist. Nach vielen Jahren in der "Tennis Base", einem Tennis-Leistungszentrum in Oberhaching, trainiert Krawietz seit dem Winter wieder mit seinem ehemaligen Trainer Klaus Langenbach in München. "Ich habe einfach gespürt, dass ich eine Veränderung brauche. Und er ist jemand, der mich gut kennt und dem ich voll und ganz vertrauen kann", so Krawietz. "Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung im Dezember, haben viele Sachen komplett anders gemacht."

In erster Linie hat Krawietz seinen Trainingsrhythmus umgestellt: Statt zweier fester Trainingszeiten im Leistungszentrum (10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr) steht er nun mit seinem Trainer zu flexiblen Zeiten auf dem Court, das können auch mal bis zu acht Stunden täglich sein. "Es ist ein frischer Wind für den Kopf, wenn man nach all den Jahren mit festen Rhythmen nicht weiß, wie lange man heute auf dem Platz stehen wird", sagt Krawietz. Seinem Spiel tut die neue Trainingssteuerung anscheinend gut. "Ich bin auf dem Platz fokussiert, aber gleichzeitig recht entspannt und versuche mir wenig Druck zu machen." Spielerisch legten Langenbach und Krawietz den Fokus in der Vorbereitung auf viele Übungen zur Verbesserung der Auge-Hand-Koordination.

Verbessert hat sich Krawietz jedenfalls nicht nur im Doppelweltrangliste, sondern auch im Einzel, wo er in diesem Jahr um über 200 Plätze auf Position 358 (beste Platzierung: 270 im Jahr 2012) geklettert ist.


Eine Reise mit Hindernissen

Dabei kämpft der 1,91-Meter-Mann mit einem Dilemma. Eigentlich würde er gerne mehr Einzelturniere spielen, doch die Qualifikation für diese kollidiert terminlich oft mit dem Doppelfinale des vorangegangen Turniers. So geschehen auf der Mittelamerika-Reise im April, wo er zwar bei drei Challengerturnieren das Doppelfinale erreichte (zwei Siege), doch dadurch nur einmal im Einzel am Start war. "Die Planung ist manchmal gar nicht so einfach, die Reise war trotz der Erfolge etwas anders gedacht", sagt Krawietz, der hofft, dass er durch weitere gute Resultate künftig den Einzel-Qualifikationen bei Challengerturnieren entgehen kann.

Die beiden Turniersiege im Doppel in Panama-Stadt und Mexiko-Stadt waren dahingehend bemerkenswert, da er zum ersten Mal mit Partner Yannick Hanfmann zusammenspielte. "Er hat bisher wenig Doppel gespielt, aber ich kenne ihn aus Oberhaching, und dachte mir, dass er als guter Aufschläger und Returnspieler gut zu mir passt", sagt Krawietz. "Und es hat funktioniert, die Stimmung auf dem Platz war gut und locker, das ist mit am Wichtigsten."

Eine willkommene Abwechslung für den "Einzelsportler" Krawietz werden auch in diesem Sommer seine Einsätze für den Tennis-Zweitligisten TC Großhesselohe (München) sein, für den er bereits in der vergangenen Spielzeit erfolgreich aktiv war (7:1 im Einzel und 6:2 im Doppel). In diesem Jahr soll der Aufstieg in die 1. Liga realisiert werden, nachdem Großhesselohe 2017 als Tabellenzweiter noch knapp gescheitert ist.