Die Coburger HUK-Arena war am Samstag zum ersten Mal Austragungsort des offenen Bayernpokals im Kickboxen. Zu diesem Turnier, das im Rahmen der Bayerischen Amateur Kickbox Union (BAKU) und der World Association of Kickboxing Organizations (WAKO) von der Abteilung "Kampfgeist" der SG Rödental organisiert wurde, fanden rund 500 Schaulustige den Weg auf die Lauterer Höhe.

Mindestens ebenso viele Kickboxer stiegen an diesem Tag in den unterschiedlichen Wettkampfarten, Alters- und Gewichtsklassen in den Ring. Meist standen Zuschauer und Kämpfer - von 10.30 Uhr morgens bis in die späten Abendstunden - dicht gedrängt um das jeweilige Ringgeschehen herum.


Sechs Kämpfe gleichzeitig

Den Überblick zu behalten, fiel auch erfahrenen Beobachtern nicht leicht, fanden die Kämpfe doch auf gleich sechs Ringmatten, sogenannten "Tatamis", und in einem großen Boxring gleichzeitig statt. In vier Wettkampfarten unterteilt, zeigte der Kickbox-Sport seine gesamte Vielfalt. Im Leichtkontakt sind zwar keine K.-o.-Treffer erlaubt, diese Variante gilt aber aufgrund der vielen Schläge als besonders schnell. Zudem ist der jeweilige Kampf in zwei zweiminütige Runden aufgeteilt. Im Vollkontakt auf der anderen Seite gibt es drei dreiminütige Runden, darüber hinaus sind hier K.-o.-Schläge erlaubt.

Daher ist diese Wettkampfart aufgrund der längeren Distanz etwas langsamer, dafür jedoch viel kraftvoller. Der Ringrichter, der die Einhaltung der Regeln überwacht und angeschlagene Kickboxer anzählt, wird von drei Kampfrichtern assistiert, die für die Punktevergabe zuständig sind. Im sogenannten K1 wird zusätzlich der Einsatz von Ellenbogen und Knie geduldet, auch Kicks unterhalb der Hüfte sind erlaubt.

In der Königsdisziplin, dem auch mit Preisgeld bedachten "Point-Fight", agieren die Kickboxer ähnlich wie Fechter. Nach jeder Aktion pfeift der Ringrichter, im Anschluss daran bewerten die Kampfrichter die jeweiligen Treffer. Eine weitere Unterscheidung ist die Kategorie "Newcomer", die allen Kämpfern zugeordnet wird, die bisher keine drei Turniersiege erringen konnten. Alles andere als Newcomer sind Boxer der Kategorie "Masterclass", sie haben bereits mehrere Turniersiege erzielt. Das Preisgeld im Point-Fighting unter 74 Kilogramm bei den Männern sicherte sich Florian Forster von der Kampfsportschule Hemau. Eine Gewichtsklasse darüber setzte sich Leonard Ademaj (Budo Club Betzdorf) durch.


Drei Monate Vorbereitung

Was sich bei allen Wettkampfarten gleicht, sind die engagierten Trainer, die ihre Athleten von der Seitenlinie aus unterstützen. Vom Reichen der Trinkflasche in den Wettkampfpausen über die Durchgabe des Kampfstandes bis hin zu lautstarken Motivationen, der Aufgabenbereich der Coaches ist groß.

Diese Rolle füllt auch Stefan Müller mit Herzblut aus, der früher selbst hochklassig Karate kämpfte und den Kampfsportclub "Bushido" in Coburg besitzt. "Seit November habe ich zehn Kickboxer speziell für diese Wettkämpfe hier vorbereitet", so Müller. Von diesen zehn Kämpfern fielen zwar drei grippegeschwächt aus, doch auf die Leistung seiner teilnehmenden Schützlinge war er sichtlich stolz: "Heute waren alle bis auf eine Ausnahme Newcomer, aber sie haben trotz mangelnder Wettkampferfahrung toll gekämpft." Zwar werde mit drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche die technische und taktische Grundlage gelegt, das Wettkampfniveau könne man allerdings nur schwer in Trainingssituationen simulieren, wie Stefan Müller erklärt, der seine Kickbox-Truppe vor fünf Jahren ins Leben rief.

Auch Jamaal Griffin, der in der Gewichtsklassen über 91 kg im Vollkontakt für "Bushido" antrat, musste diese Weisheit seines Trainers schmerzlich erfahren. "Der Kampf mit meinem Gegner war ziemlich eng und in Runde 2 ging mir fast die Puste aus, aber am Ende konnte ich knapp gewinnen", so Griffin, der sich als Newcomer so seinen ersten Turniersieg sicherte. Auch seine Teamkollegen Cedric Schelhorn (Vollkontakt, Newcomer, Junioren, bis 81 kg) und Viktor Rolheiser (Leichtkontakt, Newcomer, Herren, bis 75 kg) triumphierten in ihren Klassen.



SG Rödental gewinnt vier Titel

Von der SG Rödental setzten sich gleich vier Teilnehmer die Krone auf. Maja Schorn (Protect, Newcomer, Mädchen, bis 1,35 m) gewann ebenso wie Jonah Pilarzyk (Leichtkontakt, Jugend A, Jungen, bis 63 kg), Daniel Schober (Vollkontakt, Elite, Herren, bis 75 kg) und Europameisterin Victoria Linz (Vollkontakt, Elite, Damen, bis 60 kg).

Das Kampfsportteam aus Lichtenfels stellte gleich drei Sieger bei nur fünf Teilnehmern: Faes Jamshidi (Low-Kick, Junioren, männlich, bis 60 kg), Dawid Rabindxi (Low-Kick, Newcomer, Herren, bis 71kg) und Farhad Ahmadi (K1, Newcomer, Junioren, männlich, bis 63,5 kg) waren am Ende siegreich. Auch der SV 2000 Ebern stellte drei Sieger: Vincent Schorn (Point-Fighting, Elite, Herren, bis 74 kg), Johanna Zeitler (Point-Fighting, Elite, Damen, bis 60 kg) und Max Schmitt (Point-Fighting, Newcomer, Jugend, männlich, über 1,65 m). Für die heimischen Teilnehmer im großen Teilnehmerfeld ein durchaus erfreuliches Gesamtresultat.


Kickboxen ist kein Schach

Ebenfalls freuen konnte sich Cheforganisator Jochen Paulfranz von "Kampfgeist" über die Entscheidung, die Rödentaler Halle, die in den Vorjahren als Austragungsort fungierte, zu verlassen: "Es ist der absolute Wahnsinn, wir haben heute eine tolle Atmosphäre in der HUK-Arena. Ab jetzt kommen wir immer hier her!" Ein Vierteljahr habe er sich intensiv mit der Vorbereitung beschäftigt, zudem ist er vor allem stolz auf seine 180 Mitglieder, von denen viele tatkräftig beim Auf- und Abbau mit angepackt hätten.

Insgesamt empfand er den Wettkampftag im Vergleich zu den Vorjahren als viel entspannter, alles hätte auch aufgrund des neu gewonnenen Raumes reibungslos funktioniert. Dass es im Kickboxen grundsätzlich nicht zimperlich zugeht, zeigt die Aussage des Organisators hinsichtlich eines Boxers, der nach seinem K. o. vom bereitstehenden Sanitätsteam behandelt werden musste: "Wir spielen nun mal kein Schach."