Der HSC 2000 Coburg geht erhobenen Hauptes aus der 1. Handball-Bundesliga. Während die Coburger vor der Pause gegen eine sehr robust und energisch zu Werke gehende Deckung des TSV GWD Minden noch fast ständig einem Rückstand hinterherlaufen mussten, wendeten sie nach der Pause das Blatt. Mit teilweise sehenswerten spielerischen Aktionen und einer großen Portion Kampf gelang ein verdienter Erfolg. Der HSC hat zwar einige Big Points liegen gelassen, darunter zwei Strafwürfe, in der Endabrechnung wirkte sich das aber diesmal nicht aus.

Beeindruckend war der 16:7-Lauf des Absteigers, der mit einer starken Deckung aus einem 11:15-Rückstand eine 27:22-Führung machte. Der nach Erlangen wechselnde Nico Büdel erwischte noch einmal einen starken Tag und kompensierte zusammen mit Stefan Lex das Fehlen der Verletzten Tom Wetzel, Romas Kirveliavicius und Girts Lilienfelds.


Temporeicher Auftakt

Drei Tore fielen in den ersten 60 Sekunden: Florian Billek und Steffen Coßbau hätten in den Folgeminuten frei auf 4:1 erhöhen können, doch stattdessen stand plötzlich 3:2 für die Gäste. Beide Teams hatten anfangs viel Tempo in ihren Aktionen - nach gerade mal fünf Minuten waren bereits acht Treffer gefallen. Coburg musste aufgrund der fehlenden Rückraumhünen sein Heil auch fast in der Flucht nach vorne suchen. Und die Akteure, die im Rückraum spielen konnten, wurde von der Mindener Abwehr teilweise übertrieben hart angegangen und nicht nur dort, so wie Lex nach zwölf Minuten. Der "bedankte" sich mit dem 7:8-Anschlusstreffer, doch der HSC verpasste mit einem vergebenen Strafwurf wenig später den Ausgleich.

Auch deswegen kam die Mannschaft von Jan Gorr nicht an die Gäste heran. Im Gegenteil: In einer Auszeit hatte GWD-Trainer Frank Carstens seine Abwehr noch etwas offensiver eingestellt, schränkte damit die Laufarbeit im HSC-Rückraum ein. Konsequenz waren erstmalig vier Tore Abstand, da die Gäste auch keine Konter mehr zuließen.

In der eigenen Abwehr bekam der HSC aber auch nicht so recht Zugriff auf das TSV-Angriffspiel. Die Mindener rissen immer wieder Lücken in den Deckungsverband und erwischten Oliver Krechel oft auch auf dem falschen Fuß. Das gefiel dessen Vater, wie gewohnt in der ersten Reihe an der Mittellinie sitzend, gar nicht. Es gab böse Blicke für den Sohnemann. Jan Gorr: "17 Gegentore vor der Pause sind zu viel, wir haben keinen Zugriff bekommen."

Krechel blieb kurz vor der Halbzeitsirene ein sogenanntes "Empty-Net-Goal", als Minden einen zusätzlichen Feldspieler gebracht hatte, versagt. Wenige Zentimeter strich der Ball über die Latte. Besser hatte es kurz zuvor Coßbau gemacht. Dessen Anschlusstreffer fand den Weg ins leere Tor der Gäste. Im zweiten Durchgang gelang dem scheidenden HSC-Linksaußen dieses Kunststück sogar ein zweites Mal.

Knapp zweieinhalb Minuten dauerte es nach der Pause, bis Coburg wieder ausglich. Allerdings mit dem Preis einer Verletzung von Dominic "Bobo" Kelm, der nach einer erneuten Attacke am Kreis verletzt am Boden liegen blieb. "Er hat sich eine Sprunggelenksverletzung zugezogen und auch die Außenbänder sind betroffen", gab HSC-Coach Jan Gorr in der Pressekonferenz eine erste Diagnose bekannt.

Die doppelte Überzahl nutzte der HSC zumindest zur Führung. Die kurz darauf folgende Zeitstrafe gegen die Gäste war aus HSC-Sicht nicht so erfolgreich, trotzdem behauptete man die Führung. Auch dank Jan Kulhanek, der nun das Coburger Tor hütete. Bewundernswert war die Geduld, mit der Lex, Büdel und Co. ihre Angriffe vortrugen und die mit der 24:21-Führung belohnt wurde. Mit diesem Vorsprung ging es in die von Gorr immer wieder beschworene "Crunchtime". Die wurde mit dem schönsten Treffer der Partie eingeleitet. Von der linken Außenposition passte Steffen Coßbau auf die Mitte an den Kreis, wo Florian Billek aufgetaucht war und per "Kempa" vollendete. Minden agierte jetzt teilweise mit offener Abwehr, suchte den schnellen Abschluss.

Die letzte "Crunchtime" ging an einen sehr engagierten HSC. Das dankten die Fans der Mannschaft schon lange vor Spielschluss mit Standing Ovations.


Stimmen zum Spiel


HSC-Trainer Jan Gorr:
"Wir haben heute noch einmal alles reingehauen. Das unterstreicht unsere Entwicklung in der Rückrunde. Jetzt kommen wir auf den Felgen mit diesem Erfolg ins Ziel und die Tabelle ist dabei nicht das entscheidende, sondern der Lohn für die couragierte Leistung."

HSC-Geschäftsführer Steffen Ramer: "Es tut gut, mit einem Erfolg in die Sommerpause zu gehen. Der bestätigt die Fortschritte der letzten Monate."

HSC-Linksaußen Steffen Coßbau: "In meinen vier Jahren hier haben wir viel erreicht. Zwei Aufstiege, ein Abstieg und das mit der tollen Kulisse hier. Es hat Spaß gemacht."
TSV-Trainer Frank Carstens: "Das war heute ein Sieg für die leidenschaftlichere Mannschaft. Nach einer ordentlichen ersten Halbzeit nahmen unsere Konzentrationsschwächen zu."

TSV-Geschäftsführer Frank von Behren: "Unsere letzten drei Spiele waren enttäuschend, aber zum Glück haben wir den Klassenerhalt frühzeitig geschafft und konnten sicher planen."



HSC 2000 Coburg - TSV GWD Minden 29:26 (16:17)

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (10 Gegentore, 4 Paraden), Oliver Krechel (17 Gegentore, 8 Paraden); Philipp Barsties, Markus Hagelin (1), Lukas Wucherpfennig, Lukas Dude, Dominic Kelm, Sebastian Weber (3), Stefan Lex (6), Steffen Coßbau (4), Florian Billek (5/2), Till Riehn (1), Nico Büdel (9/1), Adnan Harmandic
Trainer: Jan Gorr

TSV GWD Minden: Gerrie Eijlers (20 Gegentore, 5 Paraden), Kim Sonne-Hansen (9 Gegentore, 5 Paraden); Florian Freitag (3), Miladin Kozlina, Christoffer Rambo (7/1), Mats Korte (3), Sören Suedmeier (1), Joakim Larsson (2), Magnus Gullerud (4), Marian Michalczik (2), Aleksandar Svitlica (3/1), Dalibor Doder (1)
Trainer: Frank Carstens

SR:
Martin Thöne / Marijo Zupanovic
Spielaufsicht: Jörg Mahlich
Spielfilm: 2:1 (2.), 2:3 (4.), 4:4 (6.), 4:6 (7.), 6:7 (11.), 8:9 (16.), 10:14 (22.), 14:16 (26.), 16:17 - 17:17 (33.), 19:18 (35.), 20:18 (37.), 21:19 (41.), 22:20 (43.), 22:21 (44.), 25:21 (50.), 27:22 (54.), 27:24 (55.), 29:25 (57.), 29:26
Zuschauer: 2 234
Strafminuten: 2 (Wucherpfennig) - 12 (Larsson, Kozlina, Freitag, Rambo 6) - Rote Karte gegen Rambo (56:27)
Siebenmeter: 3/5 (Billek scheitert an Sonne-Hansen, Coßbau trifft die Latte) - 2/3 (Svitlica trifft die Latte)
Beste Spieler: Weber, Büdel, Lex - Rambo, Gullerud