Sonntagabend, 18.36 Uhr, Schlusspfiff in der HUK Coburg-Arena. Der letzte Wurf von Steffen Fäth wird geblockt, und dann ist nur noch Jubel. Der HSC 2000 Coburg warf den Erstligisten HSG Wetzlar mit 26:25 aus dem Pokal und zieht ins Achtelfinale ein.


Das wird am Mittwoch, 28. Oktober, ausgetragen. Die Auslosung der Partien erfolgt Anfang September.

In einem begeisternden, umkämpften Pokalfight haben die Coburger die Wetzlarer aber auch mit spielerischen Mitteln in die Knie gezwungen, nie in Führung gehen lassen. Und das nach einem schwachen Samstag.


Der letztjährige Achte der Bundesliga muss in der neuen Saison auf Ivano Balic verzichten, der seine Karriere beendet hat. In dessen große Fußstapfen soll Filip Mirkulovski treten. Ein besonderes Spiel war es auch für HSC-Neuzugang Adnan Harmandic, der somit gleich auf seine alten Teamkollegen traf.


Kurz vor dem Anpfiff begrüßten HSC-Hallensprecher Thomas Apfel und 3. Bürgermeister Thomas Nowak die Asylbewerber, die der HSC in Zusammenarbeit mit dem Sportamt der Stadt Coburg zu dieser Pokalpartie eingeladen hatte.


Zu zwei Toren eingeladen wurde Romas Kirveliavicius bei der 2:0-Führung des HSC, und ließ gleich darauf einen dritten Treffer folgen. Was auffiel: Zwischen Steffen Fäth und Kristian Bliznac wirkte selbst Dominic Kelm schmächtig. Die 1026 Zuschauer sahen einen ganz anderen HSC als am Vortag.


Bereits nach sechs Minuten nahm HSG-Trainer Kai Wandschneider die grüne Time-Out- Karte in die Hand, ließ sie aber auch nach dem 6:2 (8.) für den HSC dort. Ein Lattenkracher und ein frei vergebener Wurf von Lilienfelds folgten, ehe Dominic Kelm ein wundervoller Treffer gelang. Beim 10:7 für den HSC (16.) kam Till Riehn als "falscher" Rückraumrechter.


Die Coburger hatten bis dato ein tolles, dynamisches Spiel gezeigt und ihre Chancen nahezu optimal genutzt. Ausgerechnet aus einer Überzahlsituation für Coburg heraus kam Wetzlar zurück, nutzte zwei anschließende eigene Überzahlspiele erst zum 9:10-Anschluss (20.), beim 12:12 (23.) zum ersten Ausgleich überhaupt. Allerdings zogen sich die Unparteiischen in dieser Phase den Unmut des Coburger Publikums zu.

Einen fragenden Blick gab es auch von Jan Gorr in Richtung SR-Beobachter Peter Rauchfuß. Wen die Coburger Abwehr nicht in den Griff bekam, war Steffen Fäth. Der Halblinke wurde von seinen Teamkollegen auch immer wieder gesucht und erzielte aus dem Rückraum einfache Tore. Als er allerdings frei am Kreis auftauchte, vergab der bis dahin sechsfache Torschützer beim 13:13 die erste Führung für sein Team, traf nur das Lattenkreuz.
Mit Schieber-Rufen und einem Pfeifkonzert wurden die beiden SR in die Pause verabschiedet, nachdem sie einem toll herausgespielten Kempa-Tor von Lilienfelds auf Matthias Ge rlich die Anerkennung versagten und Jan Kulhanek das Remis mit einer Glanzparade in die Pause retten musste.


Wieder hatte Coburg den besseren Start, legte durch Florian Billek erneut zwei Treffer vor. Sehenswert der Spielzug vor dem 16:14, als er rechts außen "abgeholt" wurde und fast aus halblinker Position abzog. Zwei weitere Treffer ließ er dann noch folgen, ehe Kirveliavicius wieder drei Treffer Abstand zwischen den HSC und dem Erstligisten brachte (16:19, 39.).


Ein Siebenmeter-Wurf von Matthias Gerlich blieb ohne Folgen, weil auf der anderen Seite Kulhanek einen Strafwurf parierte. Auch nach 46 Minuten wartete der Erstligist noch immer auf die eigene erste Führung, hatte den Anschluss aber wiederhergestellt. Die Coburger mussten nun zwar sehr schwer für jeden Treffer arbeiten, blieben ihrer spielerischen Linie aber treu und legten immer aufs Neue einen Treffer vor.
Die Pokaldramatik nahm ihren Lauf, auch als Jan Gorr beim 24:24 (55.) eine Auszeit nahm, um sein Team nochmals neu einzustellen. Denn in der Abwehr hatte man Kohlbacher nicht so richtig auf der Rechnung. Vier Minuten vor dem Abpfiff gab es eine Strafzeit gegen Wetzlar, und Coburg verlor in Überzahl den Ball. Aber ein sensationeller Florian Billek, den man wohl blind von der "Eckfahne" aufs Tor werfen lassen könnte, gab dem neunfachen Nationaltorwart Andreas Wolff neun Mal das Nachsehen und sicherte mit dem 26. Coburger Treffer das Weiterkommen. In der Schlussphase brachte Wetzlar sogar den siebten Feldspieler, aber der HSC hatte das bessere Ende.


Heute waren wir befreit

Till Riehn, Spielführer des HSC Coburg: "Am Samstag wollten wir die Partie in den Anfangsminuten entscheiden. Heute waren wir die Favoritenrolle los und waren wie befreit. Wir haben genau das gespielt, was wir wollten und waren damit erfolgreich."
Dominic Kelm, Kreisläufer des HSC Coburg: "Einfach nur schön - einen Erstligisten nie in Führung gehen zu lassen, spricht für uns. Selbst als sie immer wieder herankamen, haben wir uns nicht nervös machen lassen und unser Spiel gespielt."