Es war wie beim Saisonauftakt in Rostock. Der HSC 2000 Coburg zeigte genau wie damals zu keinem Zeitpunkt sein wahres Gesicht und hätte sich auch über eine Niederlage gegen den Tabellen-18. SV Henstedt-Ulzburg nicht beschweren dürfen. Es kam jedoch anders als in Rostock und trotz schwachem Spiel nahm man mit einem 27:26-Erfolg die Zähler mit nach Hause.


Nur Kirchner musste passen

Noch eine Stunde vor Spielbeginn wusste Jan Gorr nicht so recht, wer letztlich zum Einsatz kommen würde. Klar war lediglich, dass Sebastian Kirchner nicht würde auflaufen können, aber: "Girts Lilienfelds ist seit Donnerstag im Training, Jiri Vitek wird es probieren, wenn es unbedingt nötig ist. Wir versuchen es auch mit Romas Kirveliavicius, wenn es sein muss."
Doch all dem Unbekannten zum Trotz war klar, dass Gorr einen Masterplan für alle Eventualitäten entworfen hatte. Anderes war er ja schon aus der ersten Saisonhälfte nicht gewohnt. "Das ist nichts anderes wie 2015." Und doch war er von der Leistung seiner Mannschaft enttäuscht: "Wir hatten Phasen im Spiel, wo wir die Möglichkeit hatten auf drei Tore wegzuziehen. Wenn wir gut sein wollen, müssen wir diese Situationen nutzen. So reicht das nicht und wir können froh sein, gewonnen zu haben."


SV Henstedt-Ulzburg gegen
HSC 2000 Coburg 26:27 (13:11)

Mit einem sehenswerten Spielzug, der zum 0:1 führte und von Steffen Coßbau abgeschlossen wurde, eröffnete der HSC das Handballjahr 2016. Zuvor war der Ball über mehrere Stationen schnell zuletzt über Harmandic und Gerlich auf die Außenposition durchgespielt worden.
Das war der erste und auch fast schon der letzte sehr gute Spielzug der Coburger, die sich immer mehr im Kleinklein verloren. Denn danach hatten sie einmal mehr Mühe mit den Gastgebern als ihnen lieb war, die beim 5:3 (11.) auch erstmals mit zwei Treffern in Führung gingen.
Das lag vor allem daran, dass es ihnen immer wieder gelang, die Abwehr Coburger auseinanderzuspielen, immer den Blick hatten für den besser postierten Spieler. Nico Kibat zeigte sich wie erwartet als Schaltzentrale im Spiel der Henstedter.
Immer wieder "zettelte" er Aktionen über Daniel Eggert und Tim Stefan an. Auch Martin Laursen am Kreis wurde eingebunden und dabei war die Coburger Abwehr zu oft nicht richtig im Bilde. Hinzu kam, dass man eine Vielzahl von leichten Fehlern produzierte, die den Gegner immer wieder leicht in Ballbesitz brachte.


Acht Treffer von Gerlich

Zum Glück hielt Matthias Gerlich mit acht Treffern seine Mannschaft in Kontakt und Glück hatte man zudem beim Stand von 12:10. Denn die Gastgeber hätten sich zu diesem Zeitpunkt weiter absetzen können.
Erst parierte Jan Kulanek einen Konter. Im Gegenzug scheiterte Brasseleur und der erneute Konter wurde von Till Riehn abgefangen. Über vier Tore Rückstand hätten sich die Coburger zu diesem Zeitpunkt nicht beschweren dürfen.
Sicherlich spielte der Gegner grundsolide und absolut im Rahmen seiner Möglichkeiten, doch Coburg machte es ihnen auch viel zu leicht. Das erkannte auch Martin Röhrig in der Pause, hoffte auf Besserung im Zusammenspiel. Und kündigte an "Kiwi wird kommen."
Gekommen waren auch die Familie und viele Freunde des Ex-Kielers Lukas Wucherpfennig, natürlich standesgemäß im HSC-Trikot mit der Nummer 7, das von der Tribüne herunter stolz präsentiert wurde.


Zwei Treffer in Unterzahl

Zunächst mussten die Coburger eine Zeitstrafe überstehen, die sie kurz vor dem Pausenpfiff erhalten hatten und lösten das nahezu optimal. Denn mit zwei Treffern in Serie glichen sie in Unterzahl aus und dann kam Kirveliavicius. Coburg war nun viel präsenter, setzte sich auf 16:14 ab, vergab aber Optionen dies auszubauen.
In HSC-Überzahl wendete sich das Blatt wieder, Henstedt ging mit 18:17 in Führung. Diese erhöhte man in einer ungerechtfertigten Zeitstrafe gegen Kirveliavicius auf 21:18 (47.). Im Vergleich zu einer Aktionen gegen Harmandic zehn Minuten zuvor, der von hinten in der Luft geschoben wurde, ungebremst auf den Boden krachte und für die es nur gelb gab, war die Bestrafung des wurfgewaltigen Österreichers geradezu lächerlich. Das fand auch Jan Gorr, der wild gestikulierte und hierfür die gelbe Karte sah.
Doch der HSC steckte das weg, glich innerhalb von drei Minuten zum 21:21 aus, wobei auch zwei parierte Strafwürfe von Oliver Krechel wichtig wurden. Es war aber nicht Kirveliavicius, der der Partie aus Coburger Sicht den Stempel in der entscheidenden Phase aufdrückte.
Vielmehr stand der oft überhart genommene Adnan Harmandic im Blickpunkt und sorgte zusammen mit Girts Lilienfelds für die entscheidenden Tore. Hinzu kam, dass der zuvor so traumwandlerisch sichere Martin Laursen und kurz darauf Jens Thöneborn vom Kreis vergaben und der HSC aus dem 26:25 ein 26:27 machen konnte.
Trotzdem wäre es um Haaresbreite doch noch schief gegangen, trotz einer Auszeit von Jan Gorr. Erst verlor Kirveliavicius den Ball, doch den Konter fing Steffen Coßbau mit einer läuferischen Energieleistung ab. "Das haben wir in der Auszeit gesagt, dass wir unbedingt ein Tor machen wollen. Wenn aber ein Fehler passiert, hieß es wie die Bekloppten zurück in die Abwehr. Das haben wir gemacht."
Dann leistete sich Coburg ein Zeitspiel. Henstedt leitete den finalen Konter ein, doch Dominic Kelm verhinderte das, was vorher nicht oft gelungen war - den Pass zum Kreis und damit war der Sieg sicher.
"Etwas Glück war natürlich auch dabei, sie spielen diese Varianten zum Kreis das ganze Spiel, aber diesmal bin ich vor den Angreifer gekommen. Zu dieser Situation darf es erst gar nicht kommen. Wir machen uns das Leben selbst schwer. Statt vorher den Abschluss zu suchen, das Tor zu machen, servieren wir Henstedt zwei Mal den Ball zum Ausgleich und haben unglaubliches Glück, dass wir hier gewinnen", kritisierte Kelm.

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel; Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Dominic Kelm (3), Matthias Gerlich (8/4), Tomas Riha, Steffen Coßbau (2), Florian Billek (1), Till Riehn, Adnan Harmandic (5), Girts Lilienfelds (4), Micke Brasseleur (2), Romas Kirveliavicius (2). - Trainer: Jan Gorr.

SV Henstedt-Ulzburg: Timo Schmidt, Justin Rundt; Florian Bitterlich (1), Arnd Magnus Sasse, Nico Kibat (4/1), Daniel Eggert (5), Julian Lauenroth (2), Tim Stefan (4), Thilo Lange, Robert Schulze (4), Jens Thöneböhn (1), Hamza Klabouti, Martin Laursen (5). - Trainer-Duo: Amen Gafsi / Matthias Karbowski.

SR: Martin Thöne / Marijo Zupanovic (beide aus Berlin). - Zuschauer: 700 in der Maurepass-Halle. - Strafminuten: 4 (Bitterlich, Schulze) - 4 (Brasseleur, Kirveliavicius). - Siebenmeter: 1/3 (Kibat und Lauenroth scheitern an Krechel) - 4/4. - Beste Spieler: Kibat, Eggert, Laursen - Harmandic, Gerlich,Kelm.