"Bassd scho", sagt der Franke, wenn er zufrieden ist - mit sich, seiner Welt, seinem Geschäft. "Bassd scho", waren auch die beiden häufigsten Worte, die Landrat Michael Busch (SPD) gestern beim seinem Besuch der Firmen aus dem Coburger Land bei der Spielwarenmesse in Nürnberg hörte. Gute Zuwachsraten, Zufriedenheit mit dem Personal, relaxte Geschäftsführer - bei den Spielzeug-, Spielwaren- und Puppenherstellern aus der Region kann von einer Krise nicht die Rede sein.

Knallig bunt und dicht belagert war der Stand der Firma Hauck (Sonnefeld). Dort standen aber nicht die im Coburger Land bekannten Kinderwagen - sondern die Artikel aus der Firmenserie "Toys for kids". Beatrice Schur (die es über Sonnefeld und München inzwischen in die Schweiz verschlagen hat) leitet gemeinsam mit ihrem Ehemann Andre diese Sparte.

Andre Schur setzt große Hoffnungen auf die neue Serie "heart to heart". Da gibt es Puppen, deren Design auch Schur als "nicht alltäglich" bezeichnet, und eine ganze Reihe von Zubehör. Dieses reicht von der Puppenküche bis zum Puppenwagen, alles nicht ganz billig. "Für Qualität sind die Menschen bereit, auch ein bisschen mehr zu bezahlen", sagt der Geschäftsführer. Wobei er auch einräumt, dass ihm der in Sonnefeld stehende Firmenstammbaum "Hauck" schon nützlich ist: "Auf diesen Namen können wir uns immer verlassen." Die poppigen Puppen der Hauck-Spielwarensparte sind geprägt von cleveren Detaillösung und sind damit wie geschaffen für den Einzelhandel. "Für den ist die Serie gut: Da kann der Verkäufer viel erklären", sagt Andre Schur.

Das Internet boomt

Mit seinen einzelhandelstauglichen Puppen von "heart to heart" ist Hauck inzwischen aber kein Spiegelbild des Marktes mehr. Peter Thimm von der Firma "Roba" Baumann (Ebersdorf bei Coburg) hob beim Besuch des Landrates sogar den Zeigefinger und betonte, dass "sich der Markt gewaltig gewandelt hat". Die Zahl der Spielwaren-Einzelhändler, die auf der großen Messe in Nürnberg ihre Geschäfte mit den Herstellern machen wollen, ist nämlich gewaltig im Sinkflug.

Thimm, der wahrlich kein Freund des Internet-Handels ist, sagte angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre nur schulterzuckend: "Die Tendenz bei den Internet-Verkäufen ist rasant steigend." Schon jetzt verkauft "Roba" nahezu jeden dritten Artikel über Online-Plattformen. Die tut die Firma zwar nicht im Alleingang, aber große Partner wie Amazon nehmen inzwischen enorme Mengen ab. Da zieht auch Thimm anerkennend den Hut: "Die von Amazon haben ihren Job gemacht. Das, was sie machen, ist perfekt."

Karin Hausdörfer, Seniorchefin des Holzspielwarenherstellers "howa" in Neustadt, überlegt angesichts des boomenden Internet-Handels sogar schon, ob sich die Spielwarenmesse für sie überhaupt auf Dauer noch lohnt. In der "howa"-Sparte, den großen Holz-Spielküchen und Werkzeugtischen, gehen inzwischen 80 Prozent der Artikel über das Internet weg. Kein Wunder, sagte Juniorchefin Silke Hausdörfer: "Die Einzelhändler haben selten Platz für unsere großen Sachen." Doch letztlich sei es sowieso egal, wo die Ware verkauft wird. Hauptsache, sie wird es. "Wir sind zufrieden", resümiert Hausdörfer.

Mit über 2000 Mitarbeitern ist die "Haba"-Firmenfamilie nicht nur ein "Global Player" der Spielwarenbranche, sondern auch der größte Arbeitgeber im Landkreis Coburg. Und die Firma steht zu ihrer Heimat, betonte Geschäftsführer Michael Hopf. "Das Coburger Land ist von seiner logistischen Lage her nicht schlecht" - bei solchen Sätze erntete Hopf natürlich eifriges Nicken von Michael Busch und Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmitz.

Das Coburger Land ist schön!

Aber es gibt auch Probleme. "Haba" bildet zwar in 16 verschiedenen Berufen selbst Mitarbeiter aus, muss aber gerade bei hochqualifizierten Jobs manchmal schon länger warten, ehe sich ein geeigneter Kandidat findet. Warum sich so wenige auswärtige Familien nach Bad Rodach wagen, um einen Job bei "Haba" anzunehmen, wundert Hopf schon ein bisschen. "Die Lebensqualität bei uns hier ist gut, wird aber nicht erkannt", sagt der Geschäftsführer. Wieder nickt Busch - mit dem Wissen, dass in diesem Punkt auch eine Chance und Herausforderung für die Landkreisverwaltung liegt: "Wir müssen sehen, dass wir bei jungen Familien für uns Werbung machen."
Zu tun gibt es bei "Haba" auf jeden Fall mehr als genug. Bei allen personalintensiv hergestellten Holzspiel-Artikel, betonte Hopf, könne sich der Endverbraucher zu 100 Prozent darauf verlassen: "Da kommt alles aus Bad Rodach."