Wenig Wasser, mehrere Meter hohe Überflutung, Freies Wasser, dann plötzlich eine einzige Eisfläche - wer sich den Froschgrundsee als Lebensraum ausgesucht hat, muss mit einigen Schwierigkeiten rechnen. Genau das tun einige Spezialisten und stellen sich darauf ein. Wie sie das machen, schildert Frank Reißenweber an eindrucksvollen Beispielen. Wäre er nicht Biologe am Landratsamt Coburg, man könnte glatt meinen, er flunkert.
Eisvogel und Wasseramsel haben es vergleichsweise einfach. Sie jagen ohnehin im fließenden Gewässer. Da, wo die Itz in den See rauscht. Jetzt, wo sie vom Schmelzwasser angeschwollen ist, rauscht sie sogar heftig.

Das Wasser ist deswegen allerdings sehr trübe. "Ein paar Zentimeter weit sieht die Wasseramsel aber trotzdem. Das reicht ihr. Sie taucht bis auf den Grund, dreht Steine um und sucht so nach Larven und Kleintieren", erklärt Frank Reißenweber. Der Eisvogel jagt dort, wo der Birkertsbach in die Itz mündet. Hier ist das Wasser klarer, und es gibt ruhige Stellen, an denen er kleine Fische findet. Der seltene "fliegende Diamant" ist seit Jahren am Froschgrundsee zu finden. "Es gibt mindestens drei Brutpaare, die mit den Fließgewässern und Steilhängen rund um den See gute Bedingungen finden", erklärt der Biologe. Lange hat es gedauert, bis sich der Eisvogel in Deutschland wieder erholte.


Eisvogel war fast ausgestorben

In manchen Gegenden, auch bei uns, war er völlig ausgestorben. Schuld war diesmal nicht der Mensch. "Der Winter 1962 war so streng, dass wirklich alles Wasser erstarrte. Die Eisvögel sind verhungert", weiß Reißenweber. Ein anderer erstaunlicher Überlebenskünstler ist der Zitronenfalter. "Er kann einfrieren", erläutert der Biologe schlicht. Während andere Schmetterlinge als Ei oder Larve die lebensfeindliche Zeit im Winter überdauern, kann der fertige Zitronenfalter in eine Ritze in der Borke eines Baumes kriechen und überleben. Das Geheimnis: "Sein Blut gefriert außerhalb der Zellen. In seinen Zellen findet man eine Substanz vergleichbar dem Glykol, das wir als Frostschutz verwenden. Man hat Zitronenfalter in einen Eisblock eingefroren, wieder aufgetaut, erwärmt - und die sind weggeflogen."

Dass die Itz gelegentlich so anschwillt wie jetzt und wild durch ihr Bett rauscht, ist für den Lebensraum von großer Bedeutung. "Das verhindert Sedimentablagerungen. Würde der Fluss verschlammen, könnten Fische wie die Bachforelle in der Itz nicht mehr leben", betont der Biologe. Äsche, Bachneunauge und Groppe sind andere Fische, die hier in der Itz und ihrer Umgebung leben. Der beeindruckendste Überlebenskünstler unter ihnen ist aber der Schlammpeitzger. Er bevorzugt flache schlammige Bereiche, nicht den reißenden Fluss, sondern Tümpel in der Umgebung oder am Rand des Sees. Gibt es viel Wasser dort, kommt er klar. Gibt es ein wenig Wasser, fühlt er sich wohl. Bleibt zeitweise nur nasser Schlamm zurück überlebt er, weil er Darmatmer ist. Das ist so gemeint, wie es klingt. Er kann mit dem Darm atmen. Das heißt, er ist nicht wie andere Fische darauf angewiesen, dass Wasser durch seine Kiemen strömt. Er kann Luft auch einfach abschlucken. Das tut er auch, wenn das Wasser in seichten Tümpeln in der drückenden Schwüle vor einem Gewitter wenig Sauerstoff enthält. Man sieht ihn dann an der Oberfläche "Luft schnappen". Weil er damit das nahende Unwetter gewissermaßen anzeigt, nannte man ihn früher auch "Wetterfisch".


Vielfalt ist einzigartig

Mit der Kombination aus See, Fließgewässern, Tümpeln und nassen Mähwiesen sowie Auwaldstrukturen, Steilhängen und Schluchtwäldern ist das Gebiet einzigartig vielfältig. Das wirkt sich auf die Vogelwelt aus. Braunkehlchen, Dorngrasmücke sind zu sehen, Graureiher haben eine Brutkolonie geschaffen. Hin und wieder macht ein Fischadler Station. "Der Grünspecht kommt hier auch noch vor, der findet im Winter an morschen Stämmen noch Nahrung oder schlägt auch mal einen regelrechten Stollen in einen Ameisenbau", erklärt Frank Reißenweber.

Auf dem See schwimmen viele verschiedene Entenarten, Schwäne, Taucher und Blässhühner und im Umgriff sind immer wieder Störche zu beobachten. Die vielfältige Landschaft bietet auch vielen Insekten einen Lebensraum.

Sie finden hier von der Trollblume und dem Waldgeißbart über Orchideen bis zum Bärlauch eine reichhaltige Vegetation. Daher sind inzwischen große Gebiete rund um den See und bis weit nach Thüringen hinein unter Schutz gestellt.