Wenn Bernd Rottmann seine 80 Milchkühe satt füttern will, muss er Futter zukaufen. Die Vorräte reichen nicht. Von den Wiesen kommt kein Grünfutter mehr. Sein Betrieb in Roßfeld steht beispielhaft für die Lage der Bauern im Coburger Land. Die Trockenheit trifft alle.
Da bilden Betriebe keine Ausnahme, die nach den Bio-Richtlinien der EU produzieren, betont der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Coburg, Martin Flohrschütz. Verena Kunick kann das nur bestätigen. Ihr Betrieb mit 140 Milchkühen ist ein Bio-Betrieb. "Wir füttern normalerweise im Sommer Grünfutter zu. Das reicht heuer bei weitem nicht aus. Wir füttern Silage-Vorräte aus 2016 und 2017", sagt sie.
Es war das extrem trockene Jahr 2003, das die Bauern veranlasst hat, die Vorratshaltung auszubauen. Sollten Extremjahre häufiger werden, müsste in guten Erntejahren noch mehr Vorrat angelegt werden. "Im Augenblick investiert niemand, weil es eine neue Anlageverordnung gibt, bei der noch vieles in der Luft hängt. Da riskiert niemand, ein Fahrsilo oder eine Güllegrube zu bauen", ergänzt Hans Rebelein, der Geschäftsführer des BBV in Coburg.
Wenn Bernd Rottmann Bilanz zieht, dann geht er von Verlusten um 30 Prozent beim Getreide aus - und da hatte er noch Glück, dass er im vergangenen Herbst alles aussäen konnte. Andere seiner Kollegen, die im Frühjahr Sommergetreide ausbringen mussten, kamen noch schlechter weg. Beim Raps geht Rottmann von mehr als 30 Prozent Verlust aus, beim Mais erwartet er über 40 Prozent weniger Ertrag.


Ein Landregen könnte helfen

"Es müsste schon mehr als 50 Liter Regen auf den Quadratmeter geben, wenn beim Mais noch etwas gerettet werden soll", sagt Martin Flohrschütz. Auf einem Acker nahe Rossfeld schält der kleine Linus einen Kolben. Daran lässt sich erkennen, dass die Kornbildung bei etwa zwei Dritteln des Kolbens aufhört. Zusammen mit den ohnehin mickrig gebliebenen Pflanzen, wird das auf diesem Acker zu hohen Verlusten führen. Wie hoch sie ausfallen, ist von Landstrich zu Landstrich verschieden und hängt auch davon ab, wie viel Glück der Bauer bei der Aussaat hatte. Aber Verluste wird es flächendeckend geben.
Martin Flohrschütz will nichts pauschalisieren. "Das Wetter gehört zu unserem Geschäft, die Ernten fallen mal größer und mal kleiner aus, das ist seit jeher so", sagt er. Mindererträge von 20 Prozent müsse man schon mal verkraften können. Doch heuer sei die Situation in vielen Punkten anders.
Raps und Getreide sind so gut wie komplett geerntet. "Ertragseinbußen von im Durchschnitt des Landkreises über 25 Prozent sind die Regel", erklärt Hans Rebelein. Es seien aber auch "dramatische Ausreißer" von über 60 Prozent vorgekommen.


Die Vorräte schwinden

Noch gibt es Vorräte, dank der ganzjährigen Silagefütterung. Doch Grünfutter gibt es schon länger nicht mehr. Auch auf dem Bio-Betrieb der Kunicks fiel der erste Schnitt auf den Wiesen noch erträglich aus. Der zweite Schnitt war mager. Einen dritten gibt es bisher nicht. Im vergangenen Jahr waren es bei den meisten Landwirten fünf.
Die bundesweite Lage mit ihrem Schwerpunkt im Norden schlägt auch auf die Region durch. Weil im Norden bereits Rinder geschlachtet werden, weil es an Futter mangelt, drängt Rindfleisch auf den Markt. Schweine werden kaum nachgefragt, die Preise für Schweinefleisch stürzen. Gleichzeitig steigen die Futterkosten weil auch Schweinehalter zukaufen müssen. Für nicht wenige Betriebe wird die Lage zur Bedrohung ihrer Existenz.
Wenn es nun um staatliche Hilfen geht, betonen die Interessenvertreter der Bauern zwei Dinge. Erstens: "Wir wollen doch kein Geld geschenkt bekommen. Es geht um günstige Kredite, um die Notlage zu überbrücken. Das muss ja zurückgezahlt werden", sagt Kreisbäuerin Heidi Bauersachs. Zweitens: "Es geht nicht um Geld nach dem Gießkannenprinzip. Nur wer hart getroffen wurde, soll Hilfe bekommen", sagt Martin Flohrschütz.
Nachdem die Vorräte heuer aufgebraucht sind und nicht ersetzt werden können, blicken die Bauern sorgenvoll in die Zukunft. Sollte der Winter trocken werden und womöglich ein weiteres Jahr wie dieses folgen, werden auch im Coburger Land Tiere geschlachtet werden müssen, weil das Futter nicht mehr reicht - auch nicht auf Biobetrieben.

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