Der Tango-Virus breitet sich aus in Coburg. Im Landestheater zieht das von Mark McClain choreografierte Tangoballett "Maria de Buenos Aires" das Publikum in seinen Bann, und auf der Ernstfarm gibt's an diesem Abend im Anschluss an die Ballettaufführung eine Milonga mit einem Musikertrio, das zuvor noch an der Aufführung des Tango-Balletts mitgewirkt hat. Die beiden Nürnberger Tango-Enthusiasten Norbert Gabla (Bandoneon) und Andreas Blüml (Gitarre) arbeiten seit vielen Jahren als Duo zusammen. An diesem Abend bilden sie mit Dietmar Engels, dem Solo-Kontrabassisten des Landestheaters, ein gut harmonierendes Trio.


Gut vernetzte Szene


In aller Stille hat sich in den letzten Jahren eine rege und offenbar gut vernetzte Tango-Szene in Franken entwickelt, die nicht zuletzt durch Mund-Propaganda funktioniert. "In Fürth oder Nürnberg können Sie jeden Abend Tango tanzen", sagt ein drahtig wirkender älterer Her, während er sich seine Tanzschuhe mit Wildledersohle anzieht.


Auf den Spuren Astor Piazzollas


Für einen Abend wird Coburg zum Treffpunkt für Frankens Tango-Enthusiasten. Viele kennen sich bereits, sind sich schon andernorts bei Milongas begegnet - angezogen von der sinnlich lockenden und doch streng gebändigten Macht der Musik. Astor Piazzolla ist - von "Oblivion" bis "Tzigane Tango" reichlich vertreten an diesem Abend, aber auch Norbert Gabla als Akkordeonist ist mit einer Reihe von eigenen Kompositionen dabei, die den Stil des Tango Nuevo mit eigenen Akzenten ergänzen.


Silvesterkonzert mit Lothar Hensel als Auslöser


Manchmal hat der Tango-Virus eine lange Inkubationszeit. Dietmar Engels erinnert sich noch genau an jenen Abend im Landestheater, der damals seine Tango-Begeisterung ausgelöst hat. Bei einem Silvesterkonzert unter Leitung des damaligen Generalmusikdirektors Hiroshi Kodama hört Engels damals als Gastsolist den Bandoneonisten Lothar Hensel mit Musik von Astor Piazzolla- und war sofort begeistert. "Das möchte ich irgendwann auch mal machen", erinnert sich Engel. Einige Jahre später erfüllt er sich diesen Wunsch, formierte das Ensemble Tanguedon, das sich rasch einen guten Namen auch über die Region Coburg hinaus erspielte. Inzwischen ist Engels mit einem neuen Ensemble aktiv ("Imás Tango!").


Das Publikum tanzt und ist begeistert


Seit jenem Silvesterkonzert ist Engels, der sich auch schon im Jazz, in der Alten Musik oder in Rockmusik-Gefilden bewegte, ein Tango-Enthusiast, der dem bestens eingespielten, jederzeit stilsicheren musikalischen Dialog von Norbert Gabla und Andreas Blüml präzis gesetzte Bass-Akzente hinzufügt. Das tanzende Publikum ist jedenfalls begeistert und dankt dem Trio mit reichlich Beifall.



Der Tango und seine Interpreten


Milonga Als Volkstanz erlangte die Milonga im 19. Jahrhundert große Popularität. Sie gilt als schnelle Vorläuferin des Tangos. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird der Begriff Milonga aber auch für eine Tanzveranstaltung verwendet, bei der sich Tangotänzer treffen. Für den Ablauf einer Milonga gibt es feste Regeln, sogenannte "Códigos".

Dietmar Engels wurde 1962 in Brühl im Rheinland geboren.
Er studierte in Köln, wo er 1989 sein Examen ablegte. Es folgten Engagements im Gürzenich-Orchester (Köln) und am Hessischen Staatstheater in Darmstadt. Seit 1993 ist Dietmar Engels am Landestheater Coburg, wo er seit 1995 die Position des Solo-Bassisten innehat. Sein Interesse gilt außerdem der Kammermusik, dem Jazz und besonders dem Tango Nuevo.

Norbert Gabla (Bandoneon) und Andreas Blüml (Gitarre) fühlen sich seit vielen Jahren dem authentischen Tango Argentino verbunden. Norbert Gabla - ein studierter Akkordeonist - ließ sich sein Instrument nach ganz eigenen Vorstellungen als Sonderanfertigung herstellen. Dieses "Gabla Hybrid" wird seit einigen Jahren in Serie gebaut und weltweit vertrieben.

Andreas Blüml ist als Gitarrist Dauergast am Stadttheater Fürth in verschiedenen Formationen mit Jutta Czurda, Tom Haydn oder Thilo Wolf.