Heiner Grieb steht vor einer heiklen Mission. Zerbrechliche alte Schätze muss der Restaurator der Kunstsammlungen für eine lange Reise bruchsicher verpacken: sieben wertvolle venezianische Gläser aus den Beständen auf der Veste. Rund 800 Kilometer Straße liegen zwischen Coburg und Paris, rund 800 Kilometer Fahrt, die die dünnwandigen gläsernen Pretiosen unversehrt überstehen müssen. Kann das überhaupt jemand garantieren?

Einfache Kartons mit ein wenig schützendem Verpackungsmaterial reichen da natürlich nicht aus. Für die wertvolle Fracht taugen nur Spezialbehälter. Zwei große, gewichtige Klimakisten stehen schon seit einigen Tage in der Werkstatt von Restaurator Heiner Grieb - rechtzeitig angeliefert, damit sie sich zunächst einmal akklimatisieren können. Erschütterungen möglichst auffangen, Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit möglichst minimieren - das ist ihre Aufgabe. Leer wiegt die größere der beiden Kisten allein schon rund 40 Kilogramm, schätzt Kurator Sven Hauschke.

Seidenpapier als Puffer

Aufwendig ist das Prozedere des Verpackens. Für jedes der insgesamt sieben wertvollen Objekte hat Heiner Grieb eine kleine Transportbox nach Maß angefertigt. PE-Schaumstoff wird dazu auf den Millimeter passend zugeschnitten. Dieser Schaumstoff gibt den fragilen Kelchen und Gläsern den nötigen Halt. Zugleich soll die Verpackung verhindern, dass Druck auf das Glas ausgeübt wird. Scheinbar einfachstes Verpackungsmaterial ist dabei oft am wirkungsvollsten, weiß Heiner Grieb.

Säurefreies Seidenpapier, gründlich zerknüllt, ist seiner Erfahrung nach der beste Puffer zwischen äußerer und innerer Transportkiste. Dazu gibt's dann noch Luftpolsterfolien zwischen den inneren Transportkisten. Schließlich werden die beiden großen Klimakisten dann noch sorgsam verschraubt. Diese Aufgabe hat am Montag die Spedition Schenker übernommen, die europaweit Erfahrungen im Transport von Kunstobjekten besitzt.

Noch keine ernsthaften Transportschäden

Der Aufwand lohnt sich, weiß Heiner Grieb: "Ich bin jetzt seit fast zehn Jahren in den Kunstsammlungen tätig - in dieser Zeit hatten wir noch keinen ernsthaften Transportschaden."

Kein Detail darf übersehen werden, damit dass auch in Zukunft so bleibt. Dazu werden die Objekte umfangreich dokumentiert - mit Fotografie und einer Auflistung der eventuell bereits bestehenden Beschädigungen. Wenn die Spedition die kostbare Fracht übernimmt, wird in einem Protokoll der Ist-Zustand dokumentiert. Und während der Fahrt versieht dann ein sogenannter Schockwächter seinen Dienst - klein, aber wirkungsvoll. Kaum eineinhalb Zentimeter breit, fünf bis sechs Zentimeter lang und zwei, drei Millimeter hoch sind diese roten Schockwächter. Sie lösen mechanisch aus, falls die Kiste zu sehr geschüttelt werden sollte und zeigen dann eine blaue Warnmarkierung - hilfreich, falls eventuelle Transportschäden dokumentiert werden müssten.

Messgeräte für die Luftfeuchtigkeit

Auch Messgeräte, die die Luftfeuchtigkeit dokumentieren, sind eine gute Versicherung - vor allem dann, wenn die Kunstsammlungen an den jeweiligen externen Ausstellungsort eigene Geräte mitbringen.

Eine Kurierfahrt mit wertvoller Fracht im Transporter ist eine nervenaufreibende Aufgabe, wissen Heiner Grieb und Sven Hauschke aus langjähriger Erfahrung. "Wenn die Fracht heil angekommen ist am Zielort und man endlich ins Hotel kommt, geht abends der Rollladen runter", sagt Restaurator Grieb.

Dann freilich müssen die Objekte noch ausgepackt und exakt nach den Anweisungen der Leihgeber aufgebaut werden. Am Mittwoch soll das in Paris passieren. Der Dienstag ist Ruhetag für die Objekte - Zeit zum Akklimatisieren, bevor die Klimakiste geöffnet wird.

Coburg in der oberen Liga dabei

Ganz vorbei ist die Anspannung für Restaurator und Kurator damit freilich noch immer nicht. "Erst wenn das Objekt wieder bei uns in der Klimavitrine steht, ist der Adrenalinpegel wieder normal", sagt Hauschke.

Warum aber leihen Museen ihre Pretiosen dann überhaupt aus? Weil Museen eine doppelte Aufgabe haben - sie sollen ihre Exponate bewahren und präsentieren, betont Hauschke. Und weil die Kunstsammlungen für eigene Ausstellungen immer wieder auch auf Leihgaben andere Häuser angewiesen sind, ist es für Hauschke eine Selbstverständlichkeit, umgekehrt auch Leihgaben zur Verfügung zu stellen - freilich nur, wenn Transport und Präsentation auswärts aus konservatorischen Gesichtspunkten zu verantworten sind.

Leihgaben werben für Coburg

Wenn das der Fall ist, dann ist eine Leihgabe immer auch "Werbung für uns", gibt Hauschke zu bedenken: "Die Leihgaben werden zu Botschaftern für die Kunstsammlungen und für Coburg." Selbst auf internationaler Ebene müssen sich die Kunstsammlungen keinesfalls verstecken in dieser Hinsicht. "Bei Glas, Grafik und Waffen können wir in der oberen Liga mitspielen", betont denn auch Restaurator Heiner Grieb.

Historische Gläser Zu den umfangreichen Beständen der Coburger Kunstsammlungen zählen auch wertvolle Bestände an historischen Gläsern von der italienischen Renaissance bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Besonders bedeutend ist der Bestand an venezianischen Gläsern, der von Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (1844 bis 1900) zusammengetragen wurde.

Leihgaben Aus diesem Bestand stammen auch insgesamt sieben Leihgaben aus der Zeit vom späten 15. bis zum frühen 18. Jahrhundert, mit denen sich die Kunstsammlungen an der Ausstellung "Murano" im Musée Maillol in Paris beteiligen. Die Schau wird am 27. März eröffnet und bis zum 28. Juli gezeigt.