Georg Friedrich Händel liefert die Erkennungsmelodie dieses Abends. "Halleluja" tönt es im Coburger Jugendzentrum "Domino" aus den Lautsprechern. Dann betreten Simon und Jan die Bühne - freilich ohne Pauken und Trompeten, dafür aber mit zwei Gitarren.


"Halleluja" hat das Musikkabarettisten-Duo sein aktuelles Programm getauft - eine Titelwahl, die perfekt passt zum Stil ihrer Lieder. Denn der Hang zu gefühlvollen Melodien dient nur der Tarnung und wird immer wieder schonungslos konterkariert durch zynisch anmutende Texte, die gerne so tun, als wollten sie die Idylle besingen, nur um sie im nächsten Moment umso sicherer zu entlarven.


Den schönen Schein entlarven

Sie singen von den Lügen dieser Welt, vom schönen Schein, dem freilich nie zu trauen ist. Sie singen über Nazis und ihren dumpfen Parolen. Sie singen - umweht von einem Hauch von Selbsterkenntnis - von den gar seltsamen Dingen, die manche Menschen auf der mühsamen Suche nach sich selbst anstellen.


Skurrile Mixturen

Manchmal klingen sie so, als hätte ein Soundtüftler mit Sinn für skurrile Mixturen versucht, Herbert Grönemeyers weinerlichen Tonfall mit Rainald Grebes komischer Verzweiflung zu kreuzen. Dann wieder führen sie mit Hilfe von live aufgenommenen Tonschleifen vor, wie farbenreich sich mit zwei Gitarren musizieren lässt.


Virtuose Gitarristen

Denn Simon und Jan, in Coburg zu Gast in der Reihe "Quatsch & Co im Domino", sind nicht zuletzt ein hervorragend harmonierendes Gitarristen-Duo, das die Kunst der feinen Nuancen scheinbar völlig mühelos beherrscht. Und ganz beiläufig streuen sie zwischendurch virtuose Solopassagen ein.


Trügerische Idylle

Vor allem aber beherrschen sie virtuos das Spiel mit den enttäuschten Erwartungen. Immer dann, wenn ihre Lieder besonders harmonisch, besonders idyllisch, geradezu vorsätzlich kitschig klingen, lässt die entlarvende Pointe nie lange auf sich warten.


Huldigung an Leonard Cohen

Dass bei einem Programm unter dem Motto "Halleluja" als Zugabe in der Rubrik "Verstorbene Helden und Idole" schließlich auch noch Leonard Cohen mit seinem "Hallelujah" auftaucht, ist am Ende nicht übermäßig überraschend und trotzdem noch nicht das endgültige Ende.











Stationen einer Karriere


Simon und Jan Das Liedermacher-Duo lernte sich 2001 beim Studium der Schulmusik in Oldenburg kennen. Seit 2006 treten Simon Eickhoff und Jan Traphan gemeinsam auf. Für ihre Programme wurden sie bereits mit einer Reihe von Preisen bedacht. In den letzten Jahren gehörten dazu der Nachwuchspreise der Hanns-Seidel-Stiftung bei "Songs an einem Sommerabend", der Förderpreis des Deutschen Kleinkunstpreises und der Musikpreis des Bayerischen Kabarettpreises.