Gestapelte Liegestühle, halb leere Becken, rotweiße Absperrbänder und keine Menschenseele - so sieht das Neustadter Freibad Mitte April aus. Aber da ist doch wer zu sehen. An einem Becken, voll mit grünlichem Wasser und Laub, stehen Marc Holland und René Urban. Die beiden Schwimm-Meister sind schon seit einigen Wochen im Freibad. An diesem Tag haben sie mit dem Wetter Glück.

Die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel. Man kann sich gut vorstellen, wie hier hunderte Leute im Wasser planschen, in der Sonne liegen oder sich auf dem Spielplatz tummeln, aber bis es soweit ist müssen Holland und Urban noch einiges erledigen. "In den ersten Wochen mussten wir in der Mittagspause gucken, wie wir unsere Sachen trocken kriegen, so schlecht war das Wetter", sagt Urban und dreht einen Wasserhahn auf. Wenige Sekunden später spritzt Holland mit einem Schlauch die Edelstahlwände des Nichtschwimmerbeckens ab. Das Laub, welches im Herbst in das Becken gefallen ist werfen sie in eine Karre.

"Dieses Becken haben wir 2009 mit Edelstahlwänden- und böden umgebaut, dass Schwimmer und das Attraktionsbecken schon 2001", erklärt Holland. Und das hat auch einen guten Grund, wie der Schwimm-Meister erklärt: "Wer heute noch Freibäder mit Fließenbecken baut, der hat keine Ahnung. Edelstahl holt die Temperatur im Winter nach oben und es bleibt immer ein zwei Zentimeter breiter Rand, wenn die restliche Oberfläche gefriert."

Also weniger Wartungsarbeiten vor dem Winter, für die beiden Schwimm-Meister, aber genug Arbeit gibt es trotzdem noch. "In das Nichtschwimmerbecken passen rund 470 Kubikmeterwasser und die müssen auch während des Badebetriebes immer Trinkwasserqualität haben und das trotz Schweiß, Schminke und allem anderen, was die Besucher ins Wasser tragen", sagt Holland und geht in einen Kellerraum. Dort stehen riesige Kanister, die von dicken schwarzen Rohren mit Wasser gespeist werden. "Wir arbeiten hier mit Sandfiltern und einer elektronischen Überwachungsanlage, die ph-Wert, Chlorgehalt, und das Redoxpotenzial mit Elektroden überwacht", sagt Holland. Das Redoxpotenzial ist ein Richtwert für die Geschwindigkeit der Keim-Tötung, erklärt der erfahrene Schwimm-Meister.

Denn immerhin ist der 49-jährige Holland schon seit 34 Jahren in den Bädern Neustadts unterwegs. "Ich gehöre quasi zum Inventar", scherzt er. In einem anderen Kellerraum hat eine Fremdfirma gerade die Reparaturarbeiten, an einer der Pumpen abgeschlossen. Solche und einige wenige Aufgaben können nicht von den beiden Schwimm-Meistern selbst übernommen werden. Ein dieser Bereiche, die sie lieber Spezialisten überlassen ist das Chlor, ohne dass kein Freibad auskommt. Ein Schild mit einem Totenkopf, an der Tür zum Raum mit den Chlorflaschen, verrät das es hier gefährlich werden kann. "Eine Spezialfirma wartet jedes Jahr im Herbst die Geräte, die auf die Chlorflaschen kommen. Dann ist alles sicher", sagt Holland.

Viele Aufgaben zu erledigen

Aber mit der Beckenreinigung und Wartung sind die Arbeiten noch lange nicht erledigt. Sonnensegel müssen gespannt, die Schaukeln wieder auf die Spielplätze montiert und allerhand Kleinigkeiten an ihre Plätze gebracht werden. Auch die lebensgroße Piratenfigur, die an der Fontänen-Kanone steht muss auf ihr Podest kommen.
Eine Woche vor der geplanten Eröffnung, am 18. Mai, kommt der TÜV vorbei, um alles zu prüfen. "Die Abnahme verläuft eigentlich immer sehr problemlos. Falls es also schon eher richtig heiß wird, dann können wir auch eine Woche vorher aufmachen", sagt Holland.

An heißen Sommertagen können sich 2000 oder mehr Besucher im Märchenbad tummeln. Auch dann sind Holland und Urban vor Ort. "Als Schwimm-Meister bist du eigentlich immer im Bad . Im Herbst bereitest du alles für den Winter vor und im Frühling für die Badesaison. Im Sommer überwachen wir den Badebetrieb", sagt Holland. Am großem Schwimmerbecken hat Urban den Frischwasserzulauf geöffnet, um es komplett zu füllen. "Das dauert schon ein paar Tage bis das Becken voll ist, aber es muss Überlaufen, damit wir die Anlagen testen können. In unserem System gibt es keinen Wasserverlust. Es wird permanent umgewälzt und gefiltert, um die Qualität hoch zu halten", erklärt Holland.
Als nächstes wollen sie den Strudelkanal überprüfen, Holland öffnet mit der Hand einen Hahn. An seinem Arm hat er ein Seepferdchen tätowiert - es passt zu ihm.

Badesaison beginnt an Pfingsten

Das Neustadter Freibad öffnet am Pfingstsonntag, 18. Mai, seine Türen. Es ist gleichzeitig der Tag der offenen Tür und der Eintritt ist frei.