Die Alten spielen am Landestheater ein Kinderstück, Erich Kästners "Emil und die Detektive". Wobei man heutzutage nicht mehr von den "Alten" spricht, sondern "Senioren" sagt. Und unter der Bezeichnung kommt sich die äußerst muntere Truppe, die seit Jahren unter professioneller Anleitung in der Reithalle erstaunliches Laientheater bietet, erst Recht komisch vor. Weshalb sie sich jetzt umbenannt hat von "Seniorenclub" in "Club 56".

"Da ist jeder willkommen", betont die neue Coburger Theaterpädagogin Luca Pauer, "ob etwas jünger oder 80, ob mit oder ohne Erfahrung." Tatsächlich sind in dieser Saison schon fünf Neue hinzugekommen. Der "Club" umfasst derzeit zwölf Mitglieder.

Die hatten es satt, "Seniorenstücke" mit immer ähnlichem Inhalt und ähnlicher Machart zu lesen oder gar auszuwählen. "Das ist so öde", gibt Luca Pauer den Unwillen der Truppe wieder.

Und deshalb griff man bewusst zu einem Kinderstück. "Die Irritation ist gewollt." Doch die Regisseurin fügt gleich hinzu, dass die "Älteren" auf keinen Fall Kinder mimen werden, was schon bei Profis mitunter peinlich ist.
Das von Erich Kästner selbst verfasste Bühnenstück nach seinem berühmten Roman wurde in die Erwachsenenwelt übertragen. Es musste gar nicht viel geändert werden, was wiederum für die Qualität des Stückes und seine Wertigkeit für Jung und Alt spricht. "Der Witz bei Kästner ist ja, dass die Kinder wie Erwachsene tun", erklärt Luca Pauer die Intention. "Wir hoffen, dass es auch Vergnügen macht, wenn im Umkehrschluss gezeigt wird, dass man in jedem Alter Abenteuer erleben kann, dass man nicht festgelegt ist, dass man die Dinge und sich selbst ändern kann. Das Kind in sich selbst ist immer da, man vergisst es vielleicht ab und zu.

Lebensfreude

Getreu also nach Erich Kästners eigenem Spruch: "Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch." So wird sich am Wochenende in Coburg kein kleiner, sondern ein (relativ) alter Emil Tischbein (Horst Gründel) aus der Kleinstadt Neustadt zu einer Reise in die Großstadt Berlin aufmachen, auf der ihm sein Geld geklaut wird. In seiner Not erhält er erstaunliche Hilfe, gewinnt Freunde, und gemeinsam wird der gesuchte Bankräuber Grundeis gestellt.

"Ganz normale Leute strahlen auf der Bühne am intensiv sten, wenn man ihnen ansieht, dass Theaterspielen ihnen selbst Lebensfreude gibt", sagt Luca Pauer und strahlt selbst am meisten dabei. - Schaun wir mal, wie der "Club 56" diese Lebensfreude weitergeben kann.

Jeder sollte das ein bisschen können

Luca Pauer hat in dieser Spielzeit die weitgespannte Aufgabe als Coburger Theaterpädagogin übernommen. Die Junge ist ein echt Coburger Gewächs und vor allem ein richtiges Kind des Landestheaters. Vom Jugendclub sprang sie nach dem Abitur 2007 am Alexandrinum sofort wieder ans Landestheater und tat dort alles, wofür man sie brauchen konnte, von der Öffentlichkeitsarbeit über Beleuchtung bis zum eigenen Auftritt.

Sie konnte es einfach nicht lassen, auch als sie parallel dazu Theater- und Medienwissenschaften mit Zweitfach Pädagogik in Erlangen studierte. "Ich war ganz versessen darauf, hier zu arbeiten", lacht sie im Gespräch mit dem Tageblatt. "Dabei wurde mir immer klarer, dass es vor allem die Vermittlungsarbeit ist, die mich reizt."
So kam sie zur Theaterpädagogik, wobei sie in einjähriger Ausbildung in Heidelberg dann noch die praktische Umsetzung erlernte. "Das hat mich darin bestärkt, dass eigentlich jeder Mensch die für die Bühne benötigten Techniken ein bisschen beherrschen sollte."

Bevor sie im Herbst dann endlich festangestellt ans Landestheater kam, hat sie letztes Jahr als Leiterin der Theaterpädagogik bei den Luisenburgfestspielen in Wunsiedel gearbeitet. Hier in Coburg will Luca Pauer nun die in den letzten Jahren geschaffenen Strukturen bestmöglich erhalten. Lag der Schwerpunkt bisher klar auf dem Kinder- und Jugendtheater, so betont Luca Pauer ihre Herkunft aus der Workshop-Arbeit und der Vermittlung von Theater an alle Altersgruppen. "Ich will verstärkt Vermittler nach allen Richtungen sein und die Leute ins Theater bringen."

Selbst Regie führen wird sie jedoch auch, wie jetzt beim "Club 56". Nächstes Jahr beispielsweise ist der Jugendclub mit den "Vögeln" von Aristophanes dran.

Club 56 "Emil und die Detektive", Schauspiel von Erich Kästner. Inszenierung, Bühne, Kostüme: Luca Pauer. Darsteller: Horst Gründel, Christa Fedder (Pony Hütchen), Annegret Schüppler, Gitta Hofrichter, Ursula Kreuz, Ulrike Heckl-Fischer, Elvira Nettelroth, Karl-Friedrich Fehn, Rainer Lorenz, Gabriele Munzert, Heide-Marie Weber, Elly-Xenia Jurgan


Vorstellungen 30., 31. Mai, 1. Juni, 20 Uhr, Reithalle.