Viel geredet wird nicht bei der Arbeit, dafür ist es einfach zu laut. Wer am Häcksler steht, muss Hörschutz tragen. Ein Helm mit Gitter für eventuell herumfliegende Holzstücke, feste Arbeitsschuhe und -handschuhe sind Vorschrift. All das habe ich nicht, aber Martin Dorn vom Grünflächenamt kann das besorgen. Die Schuhe sind ein wenig groß und der Helm ist neu und muss erst noch zusammengebaut werden. "Reiner, mach das mal", sagt Martin Dorn und Reiner Niermann vertieft sich in die Anleitung für den "Helmbau". "Wir haben andere Modelle", stellt er fest. Aber er schafft es. Und dann geht's los.

Die Aufgabe: Baumschnitt, der im Hofgarten liegt, wird geschreddert und mittels Gebläse auf einen Hänger geblasen. "Das gehäckselte Holz kommt auf Staudenbeete zum Schutz vor Unkraut oder auf den Trimm-Dich-Pfad", erzählt Siegfried Wank. Zwei große Traktoren - einer für den Häcksler, ein anderer für den Hänger - tuckern über die Parkwege und ziehen die Aufmerksamkeit der dort spazierengehenden Kindergartenkinder auf sich. "Guck mal, der macht den Baum kaputt", sagt ein Steppke. Die Männer kriegen das nicht mit. Sie sind schnell beim Aufsammeln der Äste, ich habe Mühe mitzuhalten.

Tag des Baumes

"Stell dich an die Seite, damit du nichts abkriegst, wenn Holz herumfliegt", warnt mich Siegfried Wank. Zack, der nächste Haufen ist verschwunden. Gerd Sinne und Siegfried Wank springen auf die Traktoren und weiter geht's. Bis Stefanie Kalb ihnen den Weg versperrt. Die Zierpflanzengärtnerin ist mit Pflegearbeiten beschäftigt und kann die Fahrzeuge gerade gar nicht gebrauchen. Aber wir müssen sowieso eine Zwangspause einlegen, denn in hörbarer Entfernung hat eine Aktion zum Tag des Baumes begonnen. Eine Traubeneiche, von der Stadt gespendet, wird gepflanzt. Kinder aus der Schule am Hofgarten sowie aus den Kindergärten Marienschule und St. Augustin singen dazu. Regierungspräsident Wilhelm Wenning, der Oberbürgermeister in spe, Norbert Tessmer, und der Leiter des Grünflächenamts halten Reden. Da muss Ruh' sein.

Gerd Sinne läuft mit mir den Weg hoch zum Westpavillon und erzählt, dass sie die Begrenzungssteine für die Pflasterweg gesetzt haben. "In unserer Arbeit stecken viele Berufe", sagt er. Im Sommer und bei sonnigem Wetter wie gestern sei das eine schöne Arbeit: den ganzen Tag an der frischen Luft und in der Natur. Im Winter sei es schon manchmal hart, zu roden und Hecken zu schneiden. "Da arbeitet man sich halt warm."

Kunst in der Pause

Der Westpavillon ist auf, der Künstler Benno Noll, der ihn gemietet hat, wartet gerade auf einen Gast. Gerd Sinne schaut sich die Bilder an. Wir lassen uns die Technik erklären, in der sie gemalt sind. Denn die ist außergewöhnlich. Benno Noll arbeitet mit einer Mischung aus Eisenspänen und Acryl. Später kommt Reiner Niermann noch dazu. Mit ihm lässt sich wunderbar philosophieren. Der "Hofgarten-Sheriff", wie sie ihn auch nennen, hat schon ein bewegtes Leben hinter sich und viel zu erzählen. Und dann machen sich die Männer auf den Weg zum Spielplatz, wo etwas passiert, das so gar nicht zum Tag des Baumes passt. Eine mehr als hundertjährige Tanne muss gefällt werden. Ein starker Sturm hatte sie beschädigt. "Der Stamm hat so starke Risse, dass er jederzeit umknicken kann", erzählt Stephan Just, im Grünflächenamt für Forst- und Baumpflege zuständig.

Der Baum wird zur Gefahr in der Nachbarschaft des Spielplatzes und direkt am Weg, er muss weg - leider. Als Erstes werden die Äste abgesägt und geschreddert. Für mich ist das Schwerstarbeit, denn die sind groß und schwer. Die Männer erledigen das flott, denn sie wollen noch zur Personalversammlung, bei der der scheidenden Oberbürgermeister Norbert Kastner verabschiedet wird.