Stolz präsentiert Udo Leidner-Haber eine Schilfrohrpuppe aus Marokko. "Damit haben die Kinder früher gespielt", erklärt der Museumsleiter begeistert. Sie ist Teil der Sonderausstellung "Verborgene Schätze", die zum 30- jährigen Bestehen des Museums der Deutschen Spielzeugindustrie organisiert wurde.
Im Sonderausstellungsraum des Spielzeugmuseums werden Objekte und Puppen gezeigt, die an die frühen Anfänge der Neustadter Museumsgeschichte erinnern sollen. "Der Besucher bekommt somit etwas zu Gesicht, was er vorher noch nie gesehen hat", so Leidner-Haber.


Ein Teil der Trachtenschau

Alle Exponate wurden ab 1930 in den Bestand der Vötra (Völker- und Trachtenschau) aufgenommen, deren Ziel es war, Herkunft und Stand der Trägerin erkennen zu lassen und Kulturen in Form von Puppenkleidern zu vereinen. Seit 1945 wurden sie aber zum besseren Erhalt nicht mehr ausgestellt.
Ringsum sind 27 Puppen , jeweils 40 Zentimeter hoch, aufgereiht, die anders als herkömmliche Puppen, als Erwachsene dargestellt sind. Alle wurden in Neustadt hergestellt und von dort aus in Länder der gesamten Welt verschickt, um sie vor Ort landestypisch kleiden zu lassen. Ziel war es nicht, die Puppen zu verkaufen, sondern die vielfältigen Kulturen mit Hilfe der Formen, Farben und Stoffe darzustellen. Beim Zurücksenden der Puppen wurden beispielsweise aus Japan weitere Souvenirs als Zeichen der Freundschaft beigelegt, die auch in der Ausstellung zu betrachten sind. Außerdem lassen sich Originalfotos kurz nach Erhalt der Puppen finden.
Eine weitere Besonderheit der Ausstellung ist eine erworbene Puppensammlung, die gezeigt wird. Das Museum kaufte 1935 von einer Puppensammlerin abgekauft werden.


Kleider aus Familienbesitz

Alle Puppen sind Teil der Vötra, die unter der Leitung von Carl Otto Witthauer etabliert wurde. Er gründete das erste Museum und zählte Anfang des 20. Jahrhunderts neben Max Oskar Arnold zu den bekanntesten Persönlichkeiten im Coburger Land. In der Mitte des Ausstellungsraumes befinden sich historische Kleider, die von Frauen aus dem Familienbesitz der beiden Männer stammen. Neben einfachen Arbeiterkleidern lassen sich auch edle Gewänder aus dem Biedermeier finden.
Die Sonderausstellung "Verborgene Schätze" lässt sich vom 5. August bis zum 31. Oktober, jeweils von 10 bis 17 Uhr besuchen. Der Eintritt kostet 1,50 Euro. Museumsleiter Udo Leidner-Haber steht vor Ort auch gerne für Erklärungen oder Fragen der Museumsbesucher zur Verfügung.