Über 70 Kinder und Jugendliche ziehen in den Tagen um den "Öberschten" herum durch die Straßen Coburgs, um den Bewohnern der Stadt den Segen Gottes für das neue Jahr zu bringen. Traditionell galt der erste Besuch der Sternsinger am Montag dem Rathaus und dem ganzen Magistrat.

Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) wies gleich auf den sozialen Zweck der aktuellen Sternsingeraktion hin: "Ihr als Sternsinger setzt Euch in diesem Jahr ganz konkret dafür ein, dass in Bolivien Diskriminierung und Ausgrenzung überwunden werden." "Respekt" sei das Motto der Sternsinger heuer. Der Bürgermeister bedauerte, dass viel zu oft Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer Nationalität oder ihrer Religion ausgegrenzt seien. "Auch bei uns in Deutschland!" Ausgrenzung dürfe es nicht geben. "Denn ich bin überzeugt, dass Gottes guter Segen für alle gilt, ohne Unterschied", sagte Nowak, "dafür setzt ihr als Sternsinger ein Zeichen in dieser Stadt und in dieser Region!"


Mit geweihter Kreide

Nach den Worten überbrachte die große Schar der Sternsinger, die die Weisen aus dem Morgenland darstellen, der Stadt Coburg musikalisch den Segen. An der Rathaustür hinterließen sie mit geweihter Kreide den sichtbaren Segensgruß "20*C+M+B+16". Die Buchstaben werden traditionell zwiefach gedeutet: Einmal stehen sie für den lateinischen Segensspruch "Christus mansionem benedicat" (Christus segne dieses Haus). Der Volksmund soll auf diesen drei Buchstaben außerdem die Namen der Weisen oder Könige interpretiert haben: Caspar, Melchior und Balthasar. Die drei Kreuze stehen sinnbildlich für die Dreifaltigkeit Gottes; und der Stern weist eben auf den Stern von Bethlehem hin, dessen Erscheinen die heiligen Männer aus dem Orient als Zeichen für das Kommen Jesu Christi gewertet haben.

Es ist ein seit Jahren eingespieltes Team. Der 13 Jahre alte Daniel ist zum dritten Mal dabei. Sein Freund Nikolai ist zwar erst zwölf Jahre alt, er kann Daniel aber noch toppen. "Ich war schon ewig dabei", sagt er stolz. Seine Premiere hatte er 2009. Für Daniel und Nikolai geht es vor allem um die gelebte Nächstenliebe. "Ich finde das schön, wenn man das gemeinsam mit Freunden tun kann." Die Geschwister Rufus (11) und Jetta (9) sehen das genauso: "Wir wollen einfach helfen!" Beide sind seit 2013 dabei.

Nachdem die Sternsinger Gottes Segen ins Rathaus gebracht hatten, gab es erst einmal eine weltliche Stärkung in Form einer Coburger Bratwurst. Weltlich? Dem Reformator Martin Luther hat die ja auch geschmeckt. Die Coburger Bratwurst hat also durchaus auch eine gewisse spirituelle Dimension.