Die Wintergerste hat Reinhard Grell heuer schon ein bisschen geärgert. "Gut ausgesehen hat sie ja", erinnert sich der Landwirt aus Lahm. Aber die Ernte-Erträge hielten dann nicht, was das Aussehen versprach. "Die Körner hatten keine gute Qualität", sagt Grell ein bisschen ernüchtert, während neben ihm sein großer Mähdrescher im Leerlauf tuckert. Das schlechte Wetter im Frühjahr wird wohl schuld an der Misere gewesen sein.

Mit seinem Ärger über das Wetter 2013 steht Grell aber nicht alleine da. Hans Rebelein, der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Coburg, hat bei seinen Gesprächen mit den Landwirten immer wieder die Klage gehört: "Bei der Wintergerste war es schwierig." Naja, aber auch nicht immer und überall, ergänzt der BBV-Geschäftsführer. Es habe schon Ecken im Landkreis gegeben, wo sogar bei der Wintergerste gute Erträge verbucht wurden. Warum? Da zuckt Rebelein nur mit den Schultern und sagt: "Keine Ahnung - ein komisches Jahr."

Noch sind die Preise unten

Das fing schon damit an, dass im Frühjahr in der landwirtschaftlichen Branche - voreilig, wie sich herausstellen sollte - von einem "guten Jahr" gesprochen wurde. Die Folge: "Schon gingen im Mai/Juni die Preise nach unten", sagt Gerhard Ehrlich, der BBV-Kreisobmann. Unten sind die Preise seitdem geblieben, weil es in den USA und Russland - die mit ihrem riesigen Potenzial die Weltmarktpreise entscheidend beeinflussen - auch heute noch nach einer überdurchschnittlichen Ernte ausschaut. Dennoch hofft Ehrlich darauf, dass sich die Preise in den nächsten Wochen ein bisschen erholen: "Dann kommen wir auch mit einem blauen Auge davon."

In diesen Tagen haben viele Landwirte in der Region bereits damit begonnen, den Weizen zu ernten. Dem hat die brutale Hitze der vergangenen Wochen nicht besonders gut getan, weil der Boden dadurch einfach zu trocken wurde. Die Folge: Große Teile der Weizenfelder sind jetzt schon erntereif, weil das Getreide kaum mehr Wasser aus dem Grund ziehen kann. Das wiederum liegt an den flachen Wurzeln, dem Ergebnis des verregneten Frühjahrs. Dadurch die starken Regenfälle und den feuchten Boden mussten die junge Weizen-Triebe gar keine tief reichenden Wurzeln entwickeln, um an Wasser und Nährstoffe zu kommen. Aber zuletzt, als die Niederschläge über ein Monat gerechnet gebietsweise nicht einmal zehn Liter Wasser auf den Quadratmeter brachten, waren flache Wurzeln überfordert. Deshalb gibt es bei den Bauern auch einen alten Spruch, weiß Gerhard Ehrlich: "In einem nassen Jahr muss es öfter mal regnen." Denn wenn es zu trocken ist, dann sinkt die Körner-Qualität rapide ab. "Schlechte Mehlleistung nennt man das", klärt Kreisobmann Ehrlich auf.

Leichter Boden, guter Ertrag

Deshalb muss jetzt alles recht schnell gehen. "Normal wird erst ab Mitte August gedroschen. Aber wenn das mit der Hitze so weitergeht, sind wir bis dahin überall schon längst fertig", sagt Hans Rebelein. Bei Reinhard Grell wird es auch nicht mehr lange dauern, bis er mit dem Mähdrescher auf seine Weizenfelder fährt. Noch ist er recht optimistisch, dass dabei eine gute Ernte herausspringt. "Eigentlich schaut es ganz gut aus", sagt der Landwirt aus dem Itzgrund. Aber gut ausgesehen, das hat die Gerste vor ein paar Wochen halt auch. Immerhin: In einem Bereich, dem Raps, ist Reinhard Grell richtig zufrieden. Hier fährt er gerade die Ernte ein. Aber auch dabei ist dem Landwirt eine kuriose Sache aufgefallen: Gerade auf leichten und sandigen Böden, die normal eher niedrige Erträge bringen, fuhr er bisher richtig gute Ernten ein. Warum? Da geht es Grell nicht anders als "seinem" BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein bei der Wintergerste: "Keine Ahnung!" Aber so ist das halt, wenn man in, mit und von der Natur lebt.