Überall liegen Pinsel und Farbkästen auf großen Tischen, Farbtuben in vielen Größen, dazwischen Zeichenblöcke und Skizzenbücher, Leinwände auf Staffeleien. Der große Saal im Familien- und Kulturzentrum am Neustadter Schützenplatz hat sich in ein großes Atelier verwandelt. Die "Oberfränkischen Malertage" machen in diesem Jahr Station in Neustadt. Insgesamt 13 Künstler aus Franken sind zu Gast - von Bayreuth bis Nürnberg, von Coburg bis Forchheim.


"Das passt nicht, das ist zu laut", sagt Gerda Poiger und tupft mit einem schon reichlich fleckigen Tuch gelbe Farbe von der Leinwand. Noch ein kritischer Blick, Pinsel ausgewaschen, ein gedämpftes Rot probiert. "So, jetzt hör' ich auf", sagt die aus Forchheim angereist Malerin. Eine Häuserszenerie in der Nähe des Friedhofs hat sie auf die Leinwand gezaubert - in zumeist kräftigen Farben und mit markanten Linien. Ein prüfender Blick noch auf eine Fotografie zum Vergleich - dann ist Gerda Poiger zufrieden.

"Regen macht uns nichts aus"

Das reichlich durchwachsene Wetter in diesen Tagen hält die Künstler nicht vom Malen ab. Am Donnerstag haben sie bei einer Stadtführung zunächst einmal Neustadt ausgiebig erkundet auf der Suche nach geeigneten Motiven - und waren angenehm überrascht. "Man muss sich einfach nur auf die Stadt einlassen", sagt Christel Gollner, die Initiatorin und Organisatorin der Malertage, die in diesem Jahr bereits ihre 16. Auflage erleben: "Wir haben schon viele schöne Ecken gefunden - zum Beispiel auch an der Röden."


Nicht einmal von Regenschauern lässt sich die Künstlerschar abschrecken. "Das macht uns nichts", sagt Gollner, wer im Freien malt, müsse sich einfach auf derlei Widrigkeiten einstellen: "Maler sind nicht so empfindlich."
Von der der Stadtführung haben die Künstler jedenfalls reichlich Anregungen und Skizzen mitgebracht. Mancher hat dennoch vorsorglich auch ausgewählte Motive fotografiert - für alle Fälle. Die Fotos können dann dem Gedächtnis ein wenig nachhelfen, wenn die Bilder drinnen im improvisierten Atelier im Kulturzentrum ausgearbeitet werden.


"Ich bin ein Aquarell-Fan"


Elfi Hübner zum Beispiel widmet sich dem großen Portal der Stadtkirche St. Georg mit großer Akribie, vergleicht immer wieder kritisch, ob ihr Acryl-Gemälde dem Original nahe kommt.
Am Neustadter Friedhof hat Hildegard Frederking aus Goldkronach ein reizvolles historisches Gebäude entdeckt, das sie in ein stimmungsvolles, detailreich ausgearbeitetes Aquarell verwandelt. Selbst die Jahreszahl am Giebel ist gut erkennbar: 1895. "Ich bin ein Aquarell-Fan", sagt die Künstlerin aus Goldkronach. Ein Block, ein Malkasten, ein paar Pinsel und ein wenig Wasser - mehr braucht's in dieser Technik nicht, um auch vor Ort Impressionen einfangen zu können.


Einer kleinen Brücke mit steinernem Gewölbe widmet sich derweil der Klemens Wuttke. Der in Franken bestens bekannte Künstler aus Nürnberg hat dafür ebenfalls die Aquarell-Technik gewählt.


Dann schaut Wuttke kurz bei Hildegard Frederking vorbei, tauscht sich mit der Künstlerkollegin noch ein wenig aus, gibt ein paar Tipps - und macht sich dann auch schon an sein nächstes Blatt. Immerhin sollen bis Sonntag genügend Bilder entstehen für die geplante gemeinsame Ausstellung, die am nächsten Sonntag (9. Juni, 10.30 Uhr) im Neustadter Rathaus-Foyer eröffnet wird.


Die "Oberfränkischen Malertage" machen Station in Neustadt

Fakten Der Workshop der Malertage findet vom 30. Mai bis 2. Juni in Neustadt statt. Treff- und Arbeitsort: Familien- und Kulturzentrum am Schützenplatz.

Ausstellung Die anschließende Ausstellung wird am Sonntag, 9. Juni (10.30 Uhr) im Rathaus Neustadt eröffnet (täglich bis 14. Juli, Wochenende von 10 bis 16 Uhr)

Die teilnehmenden Künstler
Kathrin Bauer (Aschaffenburg); Hildegard Frederking (Goldkronach); Christel Gollner (Bayreuth); Sabine Gollner (Bad Berneck); Gerhard Grünwald (Schwandorf); Elfi Hübner (Bayreuth); Angelika Kandler Seegy (Nürnberg); Gertrud Plescher-Fahnler (Coburg); Gerda Poiger (Forchheim); Annick Servant (Bayreuth); Günther Wolfrum (Presseck); Hans Wuttig (Sulzbach-Rosenberg); Klemens Wuttke (Nürnberg).

Entstehung Die Oberfränkischen Malertage hat Christel Gollner 1998 in Weidenberg ins Leben gerufen und fin. Seitdem finden die Malertage in jährlichem Wechsel in einer anderen Stadt oder Gemeinde Oberfrankens statt. Bereits zweimal war die Region Coburg beteiligt - 2007 die Stadt Coburg, 2011 Seßlach.

Förderer Finanziell unterstützt werden die Malertage in diesem Jahr durch die Stadt Neustadt sowie durch die VR-Bank Coburg und die Niederfüllbacher Stiftung. Die Regierung von Oberfranken begleitet die Malertage seit Beginn.