Eigentlich wollte Brigitte Kerbel beim Telefonieren Geld sparen. Doch als die Telefonrechnung kam, traf sie der Schlag: Insgesamt 250 Euro sollte sie bezahlen. Seit vielen Jahren nutzt Brigitte Kerbel sogenannte Call-by-Call-Anbieter, vor allem, wenn sie längere Telefonate führen will. "Das hat auch bislang immer wunderbar geklappt. Ich hatte nie Probleme", sagt sie.

Immer montags schneidet sie die Tariftabelle aus der Zeitung aus und heftet sie neben ihr Telefon. "Normalerweise brauche ich etwa 25 Euro monatlich. Doch diesmal waren es 250 - ich dachte schon, die hätten sich um eine Kommastelle vertan", sagt Brigitte Kerbel und zeigt ihre Rechnung. Sie hatte die 010040 vorgewählt, deren Preis in der Tabelle mit etwa einem Cent pro Minute angegeben war. Tatsächlich verlangte der Anbieter aber nahezu zwei Euro.

Dann kam die Hammer-Rechnung, und noch am selben Tag machte sich die Rödentalerin auf nach Sonneberg, in die Geschäftstelle der Telekom - ihrem Hauptanbieter. "Ich habe denen klar gemacht, dass ich das nicht zahlen werde", sagt Kerbel. Erst sagte ihr der Verkäufer, dass sie dazu verpflichtet sei, später akzeptierte er ihre Forderung und vermerkte dies in der Rechnung.

Brigitte Kerbel versuchte daraufhin, die Firma "010040 GmbH" zu erreichen, doch ihre Anrufe blieben erfolglos: Egal zu welcher Uhrzeit sie es probierte, es kam immer eine Bandansage. Also wandte Kerbel sich per Brief an die Firma, die ihren Sitz in Hamburg hat, und forderte eine Einzelabrechnung. Die hatte sie nur wenig später auf dem Tisch liegen.

73 Euro für 36 Minuten

Und wieder war Kerbel entsetzt: Unter anderem forderte die Firma für ein 36-Minuten-Gespräch nach Lauf rund 73 Euro. "Ich habe mich dann mit der Verbraucherzentrale in Verbindung gesetzt. Die Mitarbeiter dort haben mir geraten, die Rechnung nicht zu bezahlen", berichtet Brigitte Kerbel.

"Wenn sie möchten, können Sie den fälligen Betrag, direkt an folgende Bankverbindung überweisen", hieß es in der Rechnung. "Da habe ich einfach ,Nein!' darunter geschrieben", sagt Brigitte Kerbel. Anschließend hat sie ein paar Zeilen ergänzt, um klar zu machen, das sie den Betrag nicht bezahlen wird.

Keine Antwort von der Firma

Per Einschreiben ging dieser Brief dann wieder an die Firma. Eine Kopie der Rechnung schickte Kerbel an die Telekom - die dann auch prompt antwortete: Der Betrag, den der Call-by-Call-Anbieter fordert, wird aus der Rechnung entfernt. Für Brigitte Kerbel änderte sich dadurch allerdings zunächst nichts - nur, dass eben nicht mehr die Telekom, sondern die 010040 GmbH der Rechnungssteller war. Bislang hat sie von der Firma noch keine Antwort erhalten.

Auch Hannelore Wittmann und ihre Bekannten waren von der Abzocke betroffen. Sie hatten einen ähnlichen Aufwand hinter sich wie Brigitte Kerbel, haben ebenfalls ein Einschreiben an die 010040 GmbH geschickt. "Das mussten meine Bekannten letztens wieder abholen. Bei der Post hieß es, dass die Adresse nicht mehr zu erreichen ist", sagt Wittmann. Offenbar ist die Firma verschwunden.

Kaum Grenzen gesetzt

Allgemein ist das Problem bei Call-by-Call-Anbietern, dass sich die Preise sehr schnell ändern können - in der Höhe sind kaum Grenzen gesetzt. Die 010040 erhöhte ihre Preise offensichtlich zum 2. Juli dieses Jahres sprunghaft - zu diesem Zeitpunkt war das Gesetz noch nicht in Kraft. Von einem Tag auf den anderen mussten Nutzer das Hundertfache bezahlen, ohne dass sie vorher darüber informiert wurden. Auch Tarifportalen, von denen mitunter Zeitungen ihre Tariftabellen erhalten, teilte der Call-by-Call-Anbieter seine Preisänderung nicht mit.

Bei der Polizeiinspektion Coburg sind indes noch keine Anzeigen eingegangen. Pressesprecher Markus Reißenberger rät, zunächst zu klären, ob es sich tatsächlich um ein Verbrechen handelt, oder ob die Nutzer nur "das Kleingedruckte übersehen haben". Je nachdem sollte Anzeige erstatte werden. Inzwischen ermittelt auch die Bundesnetzagentur gegen den Anbieter.