Freie Fahrt für freie Bürger - das denkt sich wohl der eine oder andere Autofahrer, wenn er schnell mal zwischen dem Flugplatz Steinrücken und dem Friedhof von Grub am Forst durch den Wald abkürzt. Doch mit der freien Fahrt ist das so ein Ding, denn die Abkürzung ist nun mal ein Waldweg und der ist für motorisierte Fahrzeuge tabu, wie Stephan Just vom Grünflächenamt der Stadt Coburg beim Treffen mit der Presse erklärt. Abhilfe soll eine Schranke schaffen, die im Normalfall geschlossen ist, die aber etwa von Landwirten und Rettungskräften bei Bedarf geöffnet werden kann.

Unterhalb des Weges liegt der Eingang zum ICE-Tunnel. Seit mehreren Jahren war der gesamte Bereich Baustelle. Mit der Deutschen Bahn sei vereinbart worden, dass der fragliche Weg während dieser Zeit zur Anlieferung genutzt werden dürfe, berichtet Stephan Just. Für die Baustellenfahrzeuge wurde die alte Schranke abgebaut, die letzten drei Jahre stand die Durchfahrt offen. Der Stadt blieb praktisch keine andere Möglichkeit, als die Benutzung des Schleichwegs zu dulden.

Vor einiger Zeit hat die Deutsche Bahn pflichtgemäß die Wege um die Baustelle wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt und den Waldweg frisch geschottert. Der Weg ist Just zufolge als "Anlieger-Weg" definiert. Und wie es die Auflagen in diesem Fall verlangen, sei die alte, abgebaute Schranke durch eine neue ersetzt worden. Diese müsse nun zwar nicht verschlossen, aber zumindest geschlossen sein. Meistens ist sie das auch, aber eben nicht immer. Und so werde munter weiter durch den Wald abgekürzt, wie es sich in den letzten Jahren eingebürgert habe, sagt Just.

Neben dem Naturschutz-Aspekt stecke in dem Schleichweg aber noch ganz anderes Konfliktpotenzial. Bei Spaziergängern und Hundehaltern ist das Gebiet um den Flugplatz Steinrücken nämlich auch sehr beliebt, was zuweilen dazu geführt habe, dass Fußgänger von Autofahrern angepöbelt wurden.

Verbotene Selbsthilfe

An der Schranke wiederum habe wohl kürzlich jemand zur Selbsthilfe gegriffen. "Da klebte ein Zettel dran, mit der Aufschrift ,Privatweg - Durchfahrt verboten‘", erzählt Just. Von der Stadt Coburg, der das Waldstück auf der Gemarkung Grub am Forst gehört, sei das niemand gewesen, versichert er. Und auch der Grüber Bürgermeister, Jürgen Wittmann (GfG), winkt ab: "Von uns hat das Schild auch niemand aufgehängt."

Rechtlich gesehen darf jedermann den Wald betreten, auch mit Fahrrädern und E-Bikes, sofern damit auf ausgeschilderten Wegen oder erkennbaren Pfaden gefahren werde, erklärt Just. Motorisierte Fahrzeuge aller Art sind dagegen nicht erlaubt - egal ob Auto, Motorrad oder Quad. Landwirte, die in diesem Bereich zu tun haben, gelten als Ausnahme. Sie besitzen in der Regel einen Schlüssel, damit sie die Schranke öffnen können. Auch Waldarbeiter dürfen den Weg selbstverständlich mit ihren Maschinen befahren.

Für die tägliche Belastung durch Fahrzeuge sei der Weg allerdings schon vom Aufbau her überhaupt nicht geeignet, sagt Just. Er hat weder einen belastbaren Untergrund noch eine ordentliche Drainage-Schicht. Bürgermeister Wittmann hat festgestellt, dass an einer Stelle der Schotter so dick aufgetragen wurde, dass ihn Fahrzeuge schlimmstenfalls in den Entwässerungsgraben am Wegesrand drücken könnten. Da müsse nachgearbeitet werden.

So bleibt Just und Wittmann nur, an die Vernunft der Autofahrer zu appellieren und künftig verstärkt zu kontrollieren. Drei Kennzeichen seien schon registriert. Auf die Halter komme nun eine Anzeige zu. Wittmann weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht nur die Durchfahrt, sondern auch das Parken in dem Bereich verboten ist. Pilzsammler zum Beispiel könnten ihr Auto doch auch etwas weiter entfernt abstellen. Wittmann: "Man muss doch nicht direkt vor dem Pilz parken."