Fünf Häuser in der Ketschengasse, eins in der Goethestraße, sanierungsbedürftig, im Stadtbesitz und zu verkaufen. Aber keiner will sie. Weil mögliche Käufer wissen wollen, ob sich die Investition für sie rechnet, sagen Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) und Willibald Fehn, Geschäftsführer der städtischen Wohnbau. Aber das könne derzeit niemand verbindlich sagen, denn das hänge von den Städtebaufördermitteln ab. Willibald Fehn geht davon aus, dass Umbau und denkmalgerechte Sanierung eines der fraglichen Häuser teurer ist als ein Neubau. Da noch eine Rendite durch einen Wiederverkauf oder Vermietungen erzielt werden soll, wird schwierig, wenn es keine Fördermittel gibt.
Außerdem muss der Kaufpreis für die ziemlich maroden Häuser einkalkuliert werden. Die Wohnbau, die als Sanierungstreuhänder für die Stadt agiert, habe die Häuser zum gutachterlich festgesetzten Wert plus "unseren Selbstkosten" ausgeschrieben, sagt Fehn. Diese Preise hielt unter anderem Hans-Heinrich Eidt für zu hoch. Eidt ist Vorsitzender der Gemeinschaft Stadtbild Coburg. Stadtbild könnte sogar Geld für die Sanierung beisteuern - wenn die Häuser in privater Hand wären. Doch Fehn widerspricht: "Nach dem, was ich gehört habe, ist es nicht der Kaufpreis, sondern die hohen Sanierungskosten", weshalb die Interessenten am Ende absagten.

Mehrere Bedingungen

Der Preis war nicht die einzige Bedingung, die die Wohnbau im Bieterverfahren gesetzt hatte. Wer eins der Häuser kaufen wollte, musste sich zu einer denkmalgerechten Sanierung verpflichten, ein Nutzungskonzept vorlegen und das Ganze auch noch architektonisch ansprechend lösen. Doch schon Nutzungen für die alten Wohn- und Geschäftshäuser zu finden dürfte schwierig sein, wie auch Fehn weiß. Die Häuser Ketschengasse 32 und 34 zum Beispiel hätten ursprünglich gar nicht verkauft werden sollen. Laut Fehn sollte darin ein neues Metzgereigeschäft eingerichtet werden, als Ersatz für das, das am Albertsplatz abgerissen wird. Doch nun ist die Metzgerei an einer anderen Stelle in der Ketschengasse untergekommen.

Erst Antrag, dann Zusagen

Die Häuser müssten so gestaltet werden, dass sie auch "in den nächsten 100 Jahren noch funktionieren", sagt Fehn überspitzt. Denkmalgerecht sanieren und nachhaltig nutzbar machen - das sind hohe Anforderungen. Aber nur für solche Sanierungen fließen auch Fördermittel, wie die Regierung von Oberfranken wissen lässt. "Ein tragfähiges, fachlich mit uns abgestimmtes Sanierungs- und Finanzierungskonzept ist dabei unabdingbar." Städtebaufördermittel gibt es überdies nur dann, wenn keine anderen Zuschussmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Für die Schaffung von Wohnraum gibt es Wohnbaumittel, für den denkmalpflegerischen Mehraufwand wieder andere Töpfe. Und: Die Fördermittel von der Regierung betragen nur 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Empfänger ist grundsätzlich die Stadt, die den Zuschuss dann weiterreicht.
Generell empfiehlt die Regierung, Sanierungsvorhaben frühzeitig mit ihr zu besprechen. Dabei würde auch geklärt, was auch welchem Topf gefördert werden könne und ein Finanzierungsplan aufgestellt. Der sei wiederum die Grundlage für den konkreten Zuschussantrag, und erst dann könne verbindlich gesagt werden, wie viel Geld fließt. Erschwerend komme hinzu, dass das Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz", aus dem die Sanierung der Ketschenvorstadt gefördert werde, in den vergangenen Jahren zurückgefahren wurde. So hätten im Jahr 2012 rund 2,5 Millionen Euro für ganz Oberfranken zur Verfügung gestanden. Davon habe Coburg 900   000 Euro erhalten, also über ein Drittel.
Wie viel es 2013 gibt, werde erst im Sommer feststehen, teilt die Regierung weiter mit. Dann verteilt der Freistaat die Mittel auf die einzelnen Regierungsbezirke. Die Regierung wird dann ihr Förderprogramm aufstellen. Die Mittel für Coburg dürften dann für die Projekte fließen, die die Wohnbau derzeit angeht: Den Bau der Quartierstiefgarage und die Bebauung rund um den Albertsplatz. Erst danach, sagt Fehn, könne die Wohnbau um die fraglichen Häuser selbst sanieren. "Wenn wir bis dahin niemanden finden, werden wir uns um die Aufgabe kümmern und sicherlich eine gute Lösung finden."