Die Eiserne Rose: Sieben Bauwerke hätten die Ehrung gerne bekommen. Drei von ihnen durften sich gestern über die Auszeichnung freuen, die dieses Jahr zum 13. Mal verliehen wurde. Voraussetzung zur Teilnahme ist ein restauriertes Gebäude. Dieses sollte historisch bemerkenswert sein und/oder das Ortsbild prägen. Zudem sollte der Bau qualitätsvoll saniert worden sein und sinnvoll genutzt werden. Die Jury mit der Vorsitzenden Christine Heider und Mitgliedern des Kreistages sowie Fachleuten für Landschafts- und Gartenpflege wählte drei Häuser in Zedersdorf, Neuses an der Eichen und Heilgersdorf aus.
Die Dringlichkeit der Instandsetzung, der Umgang mit wertvoller Substanz, der Grad der erreichten Verbesserungen für die künftige Nutzung und die Gestaltung des Umfeldes spielten eine Rolle. Die Jury besichtigte im Vorfeld die Objekte, unterhielten sich mit den Eigentümern über Probleme, Lösungsansätze und Erfahrungen und entschieden sich letztlich für drei Gebäude."Die Anzahl der Vorschläge und die, die letztendlich die Eiserne Rose bekommen, ist immer unterschiedlich", erklärte die Vorsitzende Christine Heider.
Auf den ersten Blick haben die drei Häuser wenig Gemeinsamkeiten. Fakt ist jedoch, dass jeder Eigentümer mit Liebe zum Detail sein Haus saniert und restauriert hat. Zudem stehen alle drei Gebäude in Problemzonen der Ortsstruktur.
Erst nach vier Jahren konnte die jüngste Generation von Familie Liewald Gundermann das Hauptgebäude des zweigeschossigen Wohnstallhauses nach Abschluss der ersten beiden Bauabschnitte beziehen. Dabei hat das Haus eine lange Tradition und ist sogar im Archiv im 17. Jahrhundert nachgewiesen und zwar als "Rügersguth" und "Inneres Hofhaus". Ortsverwaltung, Kühlhaus und Gemeindebackhaus: Das Gebäude hatte immer wieder öffentliche Funktionen. In der heutigen Form stammt das Anwesen aus dem 18. Jahrhundert. "Ohne die Familie und Freunde hätten wir das nicht geschafft", sagte Frank Liewald.
Von außen ist der Fachwerksbau teilweise verschiefert über einem Sandstein-Sockelgeschoss. Innen bestimmen hohe Geschosse, Bohlenbalkendecken und breite Dielenböden, sogenanntes Fränkische Parkett, die Gebäudestruktur. Auch sorgfältige Schreinerarbeiten bei Türen, Fenstern und restaurierten Möbeln sind bemerkbar. "Der Grundriss ist der gleiche wie vorher", sagte Frank Liewald.
"Das Haus ist mein Kindheitstraum gewesen. Ich wusste schon davor, wie es aussehen soll", schwärmte Christiane Liewald, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern dort wohnt. "Es gibt aber noch viel Arbeit." Die Scheune, das Backhaus und der Bauerngarten sind noch nicht restauriert worden.
Aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt das nächste Wohnstallhaus, das geehrt wurde. Eigentümer Siegfried Wiedenmann sanierte das am Hang stehende Anwesen, dem eine Scheune angegliedert ist, in mehr als drei Jahren Bauzeit. "Als eines Tages mal schlechtes Wetter war, hab ich mich in einer Bank untergestellt und da bin ich bei den Immobilienaushängen auf dieses Haus gestoßen", erinnerte sich der Eigentümer. Schließlich habe er es gekauft. "Ich habe so gut wie alles selbst gemacht als Baulaie. Ich wollte restaurieren, nicht das Alte rausreißen." Sein Sohn habe ihm dabei geholfen. Die Nachbarn hätten ihm die Eiserne Rose "eingeredet". "Ich freue mich riesig über die Auszeichnung."
Das Eingangsgeschoss in Mischbauweise mit teilweise verbrettertem und verschiefertem Fachwerk setzt auf einem Sandsteinsockel auf. Über dem Eingang befindet sich ein Satteldach mit Zwerchhaus, das in den Giebelfeldern Schmuckformen des damals üblichen "Schweizerhauses" aufweist. Die Fassade wurde neu verschiefert und das Fachwerk farbig gefasst. Auch die Fenster und Türen sind handwerklich anspruchsvoll instandgesetzt und neu gestrichen worden.
Im Inneren des Fachwerkhauses wurden historische Details wie Türen, Lampen und Öfen restauriert. Gedämmt wurde das Gebäude nur gezielt, für Wärme sorgt eine Kombination aus Pelletheizung mit solarer Warmwassererzeugung und einem Kachelofen.
In Heilgersdorf begrenzen das ehemalige Gesindehaus und die Scheune das Schlossareal nach Norden. 1936 wurde der zum Barockschloss gehörende Gutshof aufgeteilt und Familie Bauer erwarb das ursprüngliche Gesindehaus des Schlosses, das nun als Wohnhaus dient. Dieses wird auf 1724 datiert.
Die Zurückhaltung im Barockesemble und der Übergang von den Ökonomiegebäuden zur Dreiflügelanlage des Schlosses wird an der Fassade des Hauses sichtbar: Begonnen mit dem Erdgeschoss in Sandstein-Quadermauerwerk über das Fachwerkobergeschoss in Grau und Weiß bis hin zum Walmdach. Die Fenster sind sparsam gerahmt und die Gesimse reduziert profiliert. Dazu der passend eingefriedete Hausgarten.
Die Scheune mit einer Grundfläche von 45 auf 10 Meter war um 1900 modernisiert worden. Mit hohem Kniestock in filigraner Holzkonstruktion und überragendem Vordach wurde sie damals versehen. Der Zimmereibetrieb, der mit der Sanierung beauftragt war, überforderte das bald kritisch verformte statische Gefüge. Es drohte der Abbruch und die Zerstörung des Esembles. 2005 entschloss sich Familie Bauer zum Rückbau im Sinne der ursprünglichen Gebäudeform mit neuem Dachstuhl. "Ich bin froh, dass wir es so gemacht haben", sagte Georg Bauer. "Wir hatten tolle Handwerker. Davor hab ich Respekt." Landrat Michael Busch und Christine Heider sowie die einzelnen Bürgermeister beglückwünschten die Preisträger. Die Jury hofft, dass die Umstrukturierung des Ortes mit innerörtlichem Verfall und Aussiedlung von Betrieben in einer ruhigen und nachhaltigen Entwicklung endet und die Auszeichnung Leute zu Sanierung animiert.