Ein Stück Zimmermannskunst, wie es gerade im Ruhewald Schloss Tambach entsteht, errichtet ein Handwerker nicht alle Tage. Für Ralf Lindenlaub und seine Mitarbeiter ist der Andachtsraum, für den sie gerade sieben zu Spitzbögen geformte Leimbinder aufgestellt haben, etwas Besonderes. Das gilt aber auch für den Architekten Gerhard Sacher aus Graz, der hinter der Planung des Projekts steht. Und erst recht gilt es für den Bauherrn. Heinrich Graf zu Ortenburg hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, wie er am Dienstag, nach dem Aufrichten der Bögen sagte.
Eine Kapelle in Kärnten, die Gerhard Sacher entworfen hatte, gab den Denkanstoß für den Bau im Wald bei Weitramsdorf. Nach einem Besuch vor Ort, sagte der Architekt zu. "Sakralräume sind in der Architektur eines der schönsten Dinge, die man machen kann", sagte er, als er im vergangenen Jahr die ersten Pläne vorstellte. Inspiriert vom Fürstentor am Bamberger Dom mit seinen sich verjüngenden Bögen, ging Sacher an die Planung. "Es sollte modern sein und aus Holz", beschreibt Gerhard Sacher die Vorgabe des Bauherren.


Wohlüberlegte Maße

Die Maße richten sich nach dem so genannten Goldenen Schnitt, nach dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil entspricht. Der höchste Bogen ist 7,75 Meter hoch. Das entspricht auch der Länge des Bodens. Auf dieser Strecke verjüngen sich die Bögen. Weil die Höhe zur Spitze dabei abnimmt, die Spannweite am Boden aber immer gleich bleibt, hat jeder der Bögen einen anderen Radius. "Wenn man es genau betrachtet, hat jeder Zentimeter des Bogens einen anderen Radius als der nächste", erklärt Gerhard Sacher, die Herausforderung für die Planung des Gebäudes.
Die hohe Seite des Andachtsraumes öffnet sich zum Wald hin. Der Eingang befindet sich gegenüber an der niedrigen Seite. Beim Betreten des Raumes wird so betont, dass sich das Gebäude zum Wald und zum Licht hin weitet.
Fällt Licht ein, wandert der erhellte Bereich, der die Form des Bogens auf den Boden wirft, mit der Bewegung der Sonne durch den Raum. Die Form der Bögen soll dabei das christliche Symbol des Fisches darstellen. Auch die Zahl sieben ist natürlich nicht versehentlich gewählt. Sie hat vielfache Bedeutung in der Religion und darüber hinaus.
Wenn die Außenhülle in den kommenden Wochen geschlossen und mit Schindeln aus Lärchenholz gedeckt wird, wird der Raum dem Anspruch gerecht, den Trauernden ein Gefühl der Geborgenheit zu geben. Gleichzeitig richtet sich der Blick aus dieser Geborgenheit ins Licht und in die Natur.
"Als ich die Kosten hörte, blieb mir schon kurz die Spucke weg", gesteht Heinrich Graf zu Ortenburg. Doch je mehr er über die Entwürfe nachgedacht habe, desto sicherer wurde er, dass der Raum nur so gebaut werden könne. "Wir werden damit einen Raum haben, der bei Wind und Wetter Schutz gibt, wenn wir hier eine Beisetzung haben", erklärt er den Zweck des Gebäudes. Aber auch, wenn Friederike Reuß, seine Mitarbeiterin für die Organisation im Ruhewald, beispielsweise Führungen für Besucher anbietet, die sich für die Beisetzung im Ruhewald interessieren, gibt es hier eine geschützte Möglichkeit, zu informieren.


Reges Interesse

Kaum ist mit den Arbeiten begonnen worden, zeigt sich bereits, dass diese Form der Architektur Interesse auf sich zieht. "Es kommen ständig Besucher, die sich anschauen wollen, was da entsteht", sagt Gerhard Sacher. Das wird in den kommenden Tagen und Wochen wohl noch zunehmen, wenn das beeindruckende Gebäude immer weiter an Form und Gestalt gewinnt. "Wir wissen noch nicht, wann die Verglasung geliefert werden kann", sagt Gerhard Sacher zur Frage der Fertigstellung. Doch noch in diesem Sommer wird der Andachtsraum zur Verfügung stehen. Da sind sich Architekt und Bauherr ganz sicher.