Der Grund: Für einige Gewerke seien "derzeit keine Angebote zu erhalten", teilte Bürgermeister Martin Mittag (CSU) in der Stadtratssitzung am Dienstagabend mit. Frühestens im Oktober könnten die Arbeiten in dem historischen Gebäude beginnen; bis auf weiteres bleibe die Verwaltung im Rathaus erreichbar.

Die Verschiebung wirkt sich auch auf den laufenden Haushalt aus: Die zugesagten 630 000 Euro Zuschuss für die Sanierung wird die Stadt in diesem Jahr nicht mehr abrufen können, informierte Kämmerer Fabian Leppert in seinem Zwischenbericht zum Haushalt. Die Einnahmen der Stadt entwickeln sich erfreulich: Sie nimmt 150 000 Euro mehr an Gewerbesteuern ein als veranschlagt (Summe nun 1,6 Millionen Euro) und 118 000 Euro mehr bei der Einkommenssteuer (2,05 Millionen Euro). Insgesamt können demnach 1,6 Millionen Euro (netto 240 000 Euro mehr) vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt überführt werden. Das bedeutet, dass die Stadt in diesem Jahr tatsächlich keine neuen Schulden aufnehmen muss. Leppert rechnet sogar mit einem Überschuss von rund 100 000 Euro am Jahresende, der in die Rücklagen fürs Jahr 2018 übernommen werden soll. Denn da könnte es finanziell wieder enger werden.

Zufrieden zeigte sich der Stadtrat auch mit der Entwicklung bei der Flender'schen Spitalstiftung. Deren Haushaltssatzung fürs laufende Jahr wurde nun rückwirkend genehmigt: Schulden werden abgebaut (aktuell liegen die Kassenkredite bei 260 000 Euro), ein städtischer Zuschuss zum laufenden Betrieb ist nicht nötig. "Wie es aussieht, wird es auch in den Folgejahren so bleiben", sagte Leppert. Dritte Bürgermeisterin Renate Schubart-Eisenhardt (CSU) nutzte das zum Dank an alle Beteiligten: Das Altenheim laufe nun so, wie es laufen solle.


Mindestlohn für alle

Die Stadt bietet auch in diesem Jahr wieder Ferienjobs für Schüler und Sudenten im Bauhof und in der Jugendpflege an. Nach kurzer Diskussion entschied der Stadtrat, dass alle Ferienjobber den gesetzlichen Mindestlohn von 8,85 Euro bekommen sollen. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, den Unter-18-Jährigen im Bauhof nur sieben Euro pro Stunde zu bezahlen, da die Über-18-Jährigen in der Jugendpflege mehr Verantwortung hätten und auch für Fahrdienste herangezogen würden.


Umleitung macht Sorgen

Die geplante Sperrung der B303 in Oberelldorf beziehungsweise die damit verbundene Umleitung beschäftigte den Stadtrat gleich mehrfach. Bürgermeister Martin Mittag berichtete kurz von einem Gespräch mit dem staatlichen Bauamt am Dienstagnachmittag, bei dem die offizielle Umleitungsstrecke vorgestellt wurde. Der Verkehr soll über die Verbindung Coburg-Heldburg-Hellingen-Maroldsweisach geleitet werden. Betroffen seien nur Staatsstraßen, sagte Mittag.

Doch die Ratsmitglieder gehen davon aus, dass vor allem Einheimische und Fahrer mit dem Ziel Seßlach die kürzeren Ausweichrouten über Autenhausen, Gemünda und Dietersdorf nehmen. Deshalb sei eine Fußgänger-Bedarfsampel für Dietersdorf genehmigt worden, berichtete Mittag. Weitere Einschränkungen wie Tempo- oder Tonnagebeschränkungen seien aber schwer umzusetzen. Mit dem staatlichen Bauamt sei aber vereinbart, dass alle Straßen vorher fotografiert und nach der Umleitungsphase wiederhergestellt werden, betonte Mittag.

Carsten Höllein (SPD) schlug vor, an der Engstelle in Gemünda (Richtung Autenhausen) ein Schild "Fußgänger kreuzt" aufzustellen. Bürgermeister Mittag äußerte die Hoffnung, dass der Schwerlastverkehr nach kurzer Umgewöhnungsphase die Engstellen weiträumig umfahren werde. Das sei die Erfahrung der staatlichen Behörden von anderen Baustellen, sagte er.


Solarparks

Die Bebauungspläne Solarpark Seßlach II und Solarpark Lechenroth sind schon in Arbeit. Nun soll der Flächennutzungsplan der Stadt entsprechend angepasst werden. Dagegen stimmte lediglich Wolfgang Brasch (SPD). Im April, als die Aufstellung der entsprechenden Bebauungspläne beschlossen wurde, hatten zwei von 16 Ratsmitgliedern gegen den Solarpark Lechenroth und sieben gegen den Solarpark Seßlach gestimmt.


Bauanträge

Der Stadtrat erteilte sein Einvernehmen zur Garagenerweiterung von Jaroslav und Tatsiana Filinger, Seßlach, und zur Bauvoranfrage von Tina und Sandra Jahrsdörfer, die das elterliche Wohnhaus in der ehemaligen Gärtnerei erweitern wollen. Zugestimmt wurde auch dem Hallenbau von Albert Sebald, der im Bereich der Fernwärmeanlage entstehen soll. Geschäftsleiter Bernd Vogt wies darauf hin, dass laut Bebauungsplan entlang der Kreisstraße in Richtung Witzmannsberg Bäume gepflanzt werden müssten. Denn "schön sieht das nicht aus, wenn man zu Seßlach reinfährt", merkte Marcus Werner (CSU) an.


Zuschuss

Der TSV Gemünda will seinen Kabinentrakt sanieren und einen Ballfangzaun bauen. Dafür beantragte er einen Zuschuss, der auch gewährt wurde: zehn Prozent der nachgewiesenen Kosten, maximal 5000 Euro, wenn die entsprechenden Rechnungen vorgelegt werden. Die Laut den Angeboten werden sich die Kosten auf rund 5100 Euro belaufen.


Protest

Auch der Stadtrat Seßlach ruft die Bevölkerung auf, die Protestkarten gegen den Bau neuer Stromtrassen durchs Coburger Land zu unterschreiben. Pro 250 Karten, die im Rathaus eingehen, werde ein Seßlach-Gutschein verlost, sagte Bürgermeister Martin Mittag (CSU). Er wies außerdem auf die Infoveranstaltung in Coburg hin (Mittwoch, 26. Juli, 19.30 Uhr, "Sind weniger Netze mehr", Alte Pakethalle/Güterbahnhof) und au f die geplante Großdemo am Sonntag, 6. August. sb