Sie waren zwar nicht Gegenstand der Verhandlung vor dem Amtsgericht, sind aber sicherlich eine Erwähnung wert: Mit den Worten "Da hast Du Deine Kartoffelklöße wieder!" wollte ein 47-jähriger Mann aus einem Coburger Stadtteil in Rage mit den weißen Bällen um sich werfen. Das gab ein Polizeibeamter zu Protokoll, der zusammen mit seinem Kollegen von einer Gaststättenbesitzerin zu Hilfe gerufen worden war, weil der 47-Jährige einen Gast mit einem Besen attackiert und verletzt hatte. Der Gast, ein Nachbar, saß mit Freunden und seiner Lebensgefährtin am Stammtisch auf der Terrasse, als der Vorfall, für den sich der 47-Jährige letztendlich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste, seinen Lauf nahm. Schon seit Monaten schwelte der Streit zwischen dem Mann und seinem Nachbarn in dem Stadtteil, in deren unmittelbarem Umfeld auch die Gaststätte liegt. "Er hat das halbe Dorf drangsaliert." Das sagte nicht nur der Geschädigte, sondern weitere Zeugen, alles Nachbarn des Angeklagten, übereinstimmend aus.

Am 12. Juli vergangenen Jahres eskalierte die Situation: Der 47-Jährige griff seinen Nachbarn, der ihm auf der Terrasse der Gaststätte den Rücken zuwandte, mit einem Besen von hinten an. Dabei soll er den Mann am Kopf getroffen haben. Kurze Zeit später soll der Mann dann von der Straße aus lautstark herumgepöbelt haben. Kurz darauf kam es erneut zu einem Handgemenge zwischen den beiden Kontrahenten. Dabei soll der 47-Jährige eine scharfkantige Metallstange genommen und damit auf seinen Nachbarn eingeschlagen haben. Drei- bis fünfmal soll er ihn dabei getroffen haben, sodass der Mann ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen musste. Am Ende lagen beide Kontrahenten am Boden, und die Wirtin rief die Polizei.


Zum Klößewurf kam es nicht, wohl aber zu einer ekligen Tat im Polizeiauto

Wohl auch deshalb nahm der Angeklagte die Kartoffelklöße in die Hand, um sie in Richtung Gaststätte zu werfen. Die herbeigerufenen Polizeibeamten konnten das allerdings verhindern und setzten den Mann im Polizeiauto fest. Der Mann sei stark alkoholisiert gewesen, sagte der Polizeibeamte aus, habe vor Wut Schaum vor dem Mund gehabt und diesen ins Wageninnere gespuckt, außerdem habe er auf die Polster uriniert und auf dem Revier seine frisch gestrichene Zelle mit Fußtritten ruiniert. Die Kosten für die Wagenreinigung beliefen sich auf knapp 900 Euro. Eine anschließende Blutuntersuchung ergab einen Promillegehalt von 1,78. Am Nachmittag desselben Tages war der Mann, der keinen Führerschein besaß, zudem noch Auto gefahren.

Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr war der Mann schon einmal verurteilt worden. "Er ist mindestens ebenso schuld wie ich", brachte der Angeklagte zu seiner Verteidigung vor. Richterin Susanne Hinz sah das anders: Sie verurteilte den 47-Jährigen zu neun Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung und 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Zudem stellte sie dem Mann einen Bewährungshelfer an die Seite. Außerdem darf er für geraume Zeit kein Kfz mehr führen.