Mario Bahmann, Geschäftsführer des Klinikums Coburg, befindet sich offiziell in "Erholungsurlaub".Das hat zu Spekulationen Anlass gegeben - schließlich laufen gegen Bahmann seit einem Jahr Ermittlungen wegen Untreue.

Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Anton Lohneis bestätigt, sind diese Ermittlungen gegen den 51-Jährigen abgeschlossen. Was jedoch die Bekanntgabe der Ermittlungsergebnisse betrifft, sei er von anderen "abhängig". In den nächsten Tagen ist mit einer Erklärung von Seiten der Staatsanwaltschaft zu rechnen.

Martin Lücke, Vorsitzender des Betriebsrats im Klinikum Coburg und des Konzernbetriebsrats von Regiomed, ist sich dagegen sicher, wie diese Erklärung lauten wird: Die Verfahren werden eingestellt. Das sei Bahmann in einem Fall "wohl mündlich mitgeteilt worden und im anderen schriftlich". Diese Information habe Bahmann veranlasst, kurzfristig Erholungsurlaub anzumelden.

Deshalb, so Lücke, habe nicht Bahmann an der letzten Sitzung des Krankenhaus-Zweckverbandes teilgenommen, sondern der momentane Regiomed-Hauptgeschäftsführer Joachim Bovelet.


Verdacht auf Untreue
Zum Hintergrund: Norbert Kastner (damals noch Coburger Oberbürgermeister) und Landrat Michael Busch, beide Mitglied im Aufsichtsrat der Regiomed-Kliniken GmbH, hatten im Sommer vergangenen Jahres von Vorgängen Kenntnis erhalten, die den Verdacht auf Untreue nahelegen. Um nicht selbst in den Verdacht der Strafvereitelung oder Begünstigung zu geraten, erstatteten sie im Juli 2013 Anzeige. Bahmann soll medizinische Einrichtungen, unter anderem ausgemusterte Krankenhausbetten, "ohne Wissen und Wollen" des Aufsichtsrats einer rumänischen Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt haben. Insgesamt soll es sich um Werte in "höherem fünfstelligen Bereich" gehandelt haben, sagte der Oberstaatsanwalt seinerzeit.

Inzwischen, sagt Lücke, habe sich das Bild gewandelt: Bahmann habe ausgemusterte Betten abholen lassen.
Das Klinikum tausche mechanisch verstellbare Betten gegen elektrisch verstellbare aus. "Das sieht der Wirtschaftsplan so vor. In der Bilanz stehen die alten Betten mit einem Euro pro Stück als Buchwert. Üblicherweise werden die von einem Schrotthändler abgeholt, der zahlt überhaupt nichts dafür", erläutert Lücke. "Wir reden über einen Betrag - Buchwert - von 50 Euro. Über so einen Betrag sollte ein Geschäftsführer allein und ohne Aufsichtsrat verfügen können."

Den Rumänen war die Spende weitaus mehr wert als 30 Euro, wie auf der Internetseite des deutschen Konsulats in Temeswar nachzulesen ist: "Ende März hatte Prof. Dr. Marian Gaspar, Leiter der Chirurgischen Abteilung der Herz- und Gefäßchirurgischen Klinik beim Temeswarer Jagdwald/Padurea Verde, gewagt zu verkünden, dass das Krankenhaus über keine Mittel mehr verfüge, die Patienten zu behandeln. Ab dem 26. März wurden nur mehr Notoperationen durchgeführt. ... Nun erreichte medizinisches Material wie OP-Handschuhe, Desinfiziermittel, Verbandszeug und Infusions-Sets, sowie 30 Krankenbetten - eine Spende aus Deutschland im Wert von 30.000 Euro das Krankenhaus, Dank der persönlichen Freundschaft zwischen Prof. Dr. Marian Gaspar, Dr. Marian Branzei von der Deutsch-Rumänischen Fördergemeinschaft und Mario Bahmann vom Klinikum Coburg. Eine zweite Lieferung von 50 Betten, Monitoren und weiteres medizinisches Equipment für den neuen Gebäudetrakt... soll folgen."


Zusammentreffen am 26. Juni
Lücke sieht Bahmann als rehabilitiert: "Die Staatsanwaltschaft soll endlich sagen, ob sie Verfahren eröffnen wird oder nicht. Ich habe die Information, dass sie es nicht tun wird. Damit ist die Integrität von Herrn Bahmann aus meiner Sicht wieder hergestellt." Der Aufsichtsrat von Regiomed wird erst am 26. Juni zusammentreten.

Sollte es trotzdem Vorbehalte gegen Mario Bahmann geben, müsste dann eine Entscheidung fallen, ob er Geschäftsführer bleiben kann. Aus Sicht des Betriebsrats offenbar kein Problem: Mit Bahmann könne er gut zusammenarbeiten, betonte Lücke. "Jeder auf seinem Posten, und jeder in seiner Rolle." Das sei früher, mit anderen Geschäftsführern, nicht die Regel gewesen.