Diese Geschichte klingt fast ein wenig nach einem Groschenroman. Sie handelt von einem jungen Mann aus dem fernen Java, der als Maler in Europa sein Glück sucht und es am Hof des Coburger Herzogs Ernst II. vorübergehend auch findet. Als Grenzgänger zwischen Asien und Europa aber wird er in Zeiten des aggressiven Kolonialismus heimatlos zwischen den Welten.

Diese Geschichte, die wie ein kitschiges trauriges Märchen klingt, ist freilich keine Erfindung, sondern eine Geschichte, die das Leben geschrieben hat. Es ist die Geschichte von Prinz Raden Saleh, der heute in seiner Heimat als Begründer der modernen javanischen Kunst gilt.

Leidenschaft für die Jagd

"Als Javaner kam ich nach Europa, als echter Deutscher reiste ich zurück nach Java", so formulierte es der Grenzgänger zwischen Europa und Asien in einem Brief an seinen Freund und Förderer Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, nachdem er 1852 nach über 20-jährigem Aufenthalt in Europa in das Land seiner Kindheit zurückgekehrt war. Eine Kabinetts-Ausstellung in Schloss Ehrenburg beleuchtet nun das in Coburg lange in Vergessenheit geratene Kapitel dieser europäisch-asiatischen Freundschaft. Prinz Raden Saleh und Coburgs kunstsinniger Herzog Ernst II. waren sich erstmals 1840 begegnet - in Dresden. "Mit Herzog Ernst verband ihn sofort die Leidenschaft für die Jagd", sagt Kurator Peter O. Krückmann.

Gebrochene Lebensgeschichte

"Prinz Raden Saleh - Begründer der modernen javanischen Kunst" lautet der Titel Präsentation. Sie erinnert daran, dass der Prinz aus dem fernen Java in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen romantischen Jagdbildern große Erfolge am Coburger Hof feierte. Die Bilder, die in Schloss Ehrenburg gezeigt werden, geben Einblick in die gebrochene Lebensgeschichte eines Prinzen, der als bedeutendster Maler Javas apostrophiert wird. Nach grundlegender Sanierung in München sind vier Ölgemälde zurückgekehrt in die Stadt ihrer Entstehung.

Lange Jahre hatte eines dieser Bilder auf dem Dachboden über dem Riesensaal geschlummert - bis Kastellan Willy Oberender die großformatige Darstellung einer javanischen Poststation wiederentdeckte. Das war vor rund drei Jahrzehnten, erinnert sich Oberender. Damals war das Gemälde in erbärmlichem Zustand.

Niemand wusste etwas damit anzufangen. Also wanderte es zunächst ins Depot. Dort stieß später Kunsthistoriker Werner Kraus auf das Werk - auf der Suche nach Gemälden Raden Salehs, die er in seiner grundlegenden Biografie dokumentierte. Bis zur Restaurierung freilich dauerte es dann noch viele Jahre - sicherlich auch deshalb, weil das Schaffen Raden Salehs in Europa zu jener Zeit weitgehend unbekannt war. Auf dem asiatischen Kunstmarkt dagegen erzielen seine Gemälde bisweilen Millionenpreise.

Einmalige Chance

1844 hatte Coburgs Herzog Ernst II. den Künstler in die Vestestadt eingeladen. Bis 1845 blieb Raden Saleh als Gast des Herzogs, schuf Jagdbilder und Porträts in Öl wie jenes Doppelbildnis, das den Herzog und seine Gemahlin Alexandrine nach der Jagd zeigt. Vor der Kulisse von Schloss Rosenau mit seinem malerischen Türmchen und dem munter plätschernden Brunnen zeigt der Herzog als stolzer Jäger seiner Frau die stattliche Jagdbeute.

"Die Begegnung mit der Familie des Herzogs war für den Künstler aus Java eine einmalige Chance", meint Kurator Peter O. Krückmann. Schließlich war Ernst II. der Schwager von Queen Victoria. Beim Coburg-Besuch der britischen Queen war Raden Saleh anwesend, konnte Kontakte zum gesamten europäischen Hochadel knüpfen, wie Kurator Krückmann betont. Der Prinz scheint sich am Coburger Hof bestens eingelebt zu haben.

Das zumindest lassen die überlieferten Erinnerungen von Herzogin Alexandrine vermuten: "Er fühlte sich wie zu Hause bei uns und war uns nahe wie ein Angehöriger. Den ganzen Tag arbeitete er an seiner Staffelei, und wenn er abends zum Essen kam, verstand er es, mit seinen komischen Einfällen und Erzählungen in seinem gebrochenen holländischen Deutsch unsere Lachmuskeln in Bewegung zu setzen." Nach dem Abschied aus Coburg blieb der malende Prinz noch bis 1852 in Europa. Nach seiner Rückkehr in seine Heimat Java verblasste die Erinnerung an Europa anscheinend nie gänzlich. Im Gegenteil. Seinen Palast in Cikini (Jakarta) ließ er nach Vorlage von Schloss Callenberg errichten.

In der Kunstgeschichte gilt Raden Saleh als Mitbegründer des deutschen Orientalismus in der Malerei. Raden Saleh führte ein Leben zwischen zwei Welten, zwischen Asien und Europa, zwischen Java und Deutschland. Sichtbar wird dies auch in seinen Gemälden.

"Paradies meiner Kindheit"

Dazu zählt eine javanische Dschungellandschaft im abendlichen Sonnenlicht - für den Künstler nach eigenen Worten eine Erinnerung an das "Paradies meiner Kindheit". Und in seiner Darstellung eines röhrenden Hirsches wiederum meint man ein typisch deutsches Jagdmotiv zu erkennen. Der Hirsch freilich ist die detailgenaue Studie eines javanischen Pferdehirsches.

"Diese Sonderausstellung wirft einen faszinierenden Blick auf die gebrochene Lebensgeschichte dieses bedeutendsten javanischen Malers und zeigt die künstlerische Frucht seiner lebenslangen Freundschaft mit Herzog Ernst II.", meint denn auch Kurator Peter O. Krückmann.


Stationen eines Künstlerlebens zwischen Asien und Europa


Schloss Ehrenburg Kabinetts-Ausstellung "Prinz Raden Saleh - Begründer der modernen javanischen Kunst" (bis Jahresende, täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr, ab Mitte Oktober von 10 bis 16 Uhr).

Seine Kindheit und Jugend verbrachte der 1811 geborene Spross einer alteingesessenen Fürstenfamilie auf Java. 1829 kam der talentierte Zeichner mit einem Stipendium der holländischen Kolonialherren nach Den Haag, wo er eine Ausbildung zum Maler absolvierte. Als freischaffender Künstler ließ er sich ab 1839 in Dresden, Paris und Coburg nieder. 1852 reiste er zunächst wieder aus Europa ab. Raden Saleh starb 1880.