Bisweilen verbergen sich große Herausforderungen im kleinen Format: György Ligetis "Sechs Bagatellen für Bläserquintett" zum Auftakt. Dieser 1953 entstandene Zyklus, Bearbeitungen der 1951 bis 1953 entstandenen Klavierstücke "Musica ricercata", ist ein frühes Werk des ungarischen Avantgardisten ("Atomphères").

Erinnerung an die Jugend

Die jeweils kurzen Stücke sind Klang- und Charakterstudien, in denen sich mancherlei stilistische Einflüsse finden - vom Impressionismus bis zum Neoklassizismus, zwischen Strawinsky-Anklängen, Bartók-Einflüssen und ungarischer Folklore. Dem Bläserquintett des Landestheaters gelingen diese Bagatellen stilsicher virtuos, reaktionsschnell im Zusammenspiel und kontrastreich zwischen rhythmisch scharfer Attacke und fein abgetönten Klangfarben.

Intensive Gestaltungskraft

Vom Quintett zum Sextett erweitert ist die Besetzung in Leos Janáceks "Mladi" ("Jugend"), ein klingender Rückblick des 70-Jährigen auf seine frühen Jahre. Angelika Stirner-Ebert (Flöte), Bernhard Forster (Oboe), Edgar Eichstädter (Klarinette), Andreas Blohmann (Bassklarinette), Martin Osterhammer (Horn) und Johannes Donhauser (Fagott) entfalten den Ausdrucksreichtum dieses 1924 entstandenen Sextetts mit intensiver Gestaltungskraft - dicht im Klang, reaktionsschnell im Zusammenspiel.

Wenig bekannt in Deutschland ist der 1926 in Paris geborene Messiaen-Schüler Jacques Castérède. Von ihm stammt eines der seltenen Kammermusikwerke für Posaune - die dreisätzige Sonatine. Heng-Chih Lin, stellvertretender Soloposaunist im Philharmonischen Orchester des Landestheaters, hat das ursprünglich für Posaune und Klavier komponierte Werk einfühlsam und mit feinem Klanggespür für Posaune und Bläserquintett bearbeitet. Als Solist beeindruckt er in den schnellen Ecksätzen mit souveräner Virtuosität. Und im lyrisch gefärbten langsamen Mittelsatz demonstriert Heng-Chih Lin, dass die Posaune auch ausdrucksvoll zum Singen zu bringen ist.

Stähli-Uraufführung

Eine echte Herausforderung für gut harmonierende Ensembles ist das Bläserquintett H-Dur von Hans Stähli, der als langjähriger Erster Kapellmeister des Landestheaters erst vor wenigen Monaten in Ruhestand gegangen ist. Das 2008 für das Bläserquintett des Landestheaters entstandene Werk, das in der Reithalle an diesem Abend endlich seine Uraufführung erlebt, ist virtuos in seinen technischen Anforderungen und anspielungsreich in der Stilistik. Schon im Kopfsatz stellt Stähli mit rhythmischen Finessen und vielen überraschenden Details anspruchsvolle Aufgaben an die Interpreten.

Huldigung an die Schweiz

Das Bläserquintett des Landestheaters beschert dem Werk eine rundum gelungene Uraufführung, die den spielfreudigen Gestus bestens zur Entfaltung bringt. Das gilt auch für den anspielungsreichen Mittelsatz - eine Pastorale, die mit ihren Alphorn- und verfremdeten Volksmusik-Anklängen an Stählis Heimat Schweiz denken lässt.
Ironisch gefärbt ist das Finale ("Soft Jogging Tempo"), dessen swingenden Gestus das Bläserquintett wirkungsvoll entfaltet. Verdientermaßen ausdauernder Beifall für die Interpreten wie für den Komponisten.