Wagner und Liszt - der erste flüchtige Blick ins Programm lässt bei diesen beiden Namen sicherlich nicht unbedingt zuerst einen Liederabend erwarten, schon gar nicht einen Goethe-Liederabend. Dass sich mit dem Musikdramatiker aus Sachsen und seinem fast gleichaltrigen Schwiegervater sehr wohl ein interessanter Goethe-Liederabend bestücken lässt, beweisen der Bariton Peter Schöne und der Komponist und Pianist Moritz Eggert mit ihrem Gastspiel im Kaisersaal von Kloster Banz.

Gestalterische Intelligenz

Motto des Abends: "Das Ewig Weibliche - ein Goethe-Liederabend". Schöne und Eggert präsentieren unter diesem Etikett beim Festival "Lied & Lyrik" eine Auswahl, die manchen bekannten Text mit weniger bekannten Klängen kombiniert. Die Reise durch Goethes lyrischen Kosmos lässt den scheinbar naheliegendsten Komponisten-Namen ganz bewusst aus: Schubert. Stattdessen zum Auftakt: Franz Liszt.

Seine ausgewählten Goethe-Vertonungen zeigen Liszt als einen Liedkomponisten, dessen Stärke gewiss nicht die prägnante melodische Formulierung war. Mit zumeist äußerlich schlicht formuliertem Klaviersatz vertraut Liszt vielmehr auf eher rezitativische Überhöhung der Sprachmelodie.

Gestalterische Intelligenz

Eine musikalisch kommentierende zweite Ebene zum Text findet sich bei Liszt zwar selten. Reizvoll ist die Begegnung mit seinem Liedschaffen gleichwohl - vor allem dann, wenn es so stilsicher und prägnant dargeboten wird wie durch Peter Schöne und Moritz Eggert. Schöne zieht seine Zuhörer im Kaisersaal durch seine gestalterische Intelligenz in Bann. Er artikuliert stets präzis und plastisch, hat keine Scheu vor gelegentlich pointierten Akzenten, verliert dabei aber nie die gesanglichen Bögen aus dem Blick. Zudem spürt Schöne genau, wo ein Lied sich gleichsam zur Szene weitet und durchaus dezente mimische und gestische Verdeutlichung verträgt, ohne dabei freilich in theatralische Effekthascherei zu münden.

Kluger Textdeuter

Peter Schönes lyrischer Bariton erweist sich als ein stets sicher geführtes Instrument, das in allen Lagen präzis anspricht und jederzeit tragfähig ist - im fast tonlosen Pianissimo ebenso wie im markigen Forte. Schöne ist als Liedinterpret ein kluger, einfühlsamer Textdeuter mit feinem Gespür für die innere Balance einer Komposition. Das gilt besonders für ein gutes Dutzend Goethe-Vertonungen aus der Feder von Hugo Wolf. Hier gelingen Schöne gemeinsam mit Moritz Eggert sehr prägnante und anschauliche Deutungen.

Vielseitiger Komponist

Wer von Richard Wagner nur Werke von ausufernder musikdramatischer Länge kennt, dürfte bei der Begegnung mit den wenig bekannten Goethe-Vertonungen durchaus überrascht gewesen sein. Drei Lieder nach Texten aus "Faust" zeigen, dass Wagner bei Gelegenheit auch zu prägnanter Kürze in der Lage war.
Als vielseitiger und produktiver Komponist hat sich Moritz Eggert längst ebenso einen Namen gemacht wie als versierter Pianist und Klavierpartner. Reaktionsschnell und jederzeit umsichtig gestaltet er vom Flügel aus diesen Liederabend. Zudem beweist Eggert sein Talent als eloquenter Musikerklärer. Aber auch als Interpret in eigener Sache bewährt sich Eggert bei seiner Goethe-Vertonung "Das ewig Weibliche".
Das begeisterte Publikum im Kaisersaal erklatscht sich schließlich mit ausdauerndem Beifall noch zwei Goethe-Zugaben von Beethoven und Brahms.


Das bietet das Festival "Lied & Lyrik" noch zum 23. September

Sonntag, 22. September, 20 Uhr Banz, Kaisersaal - Sarah Maria Sun (Sopran), Jan-Philip Schulze (Klavier) - "Ladies' Voices"

Montag, 23. September, 20 Uhr Thomas Hampson (Bariton), Wolfram Rieger (Klavier) - Lieder von Mahler, Wolf, Zemlinsky und anderen.

Vorverkauf Tageblatt-Geschäftsstelle (Tel. 09561/888-125).