Mit einer nicht alltäglichen Baustelle ist derzeit das Staatliche Bauamt Bamberg auf der Staatsstraße 2708 zwischen Horb und Fürth am Berg aktiv. Eine Landschaftsbaufirma mit Zweitsitz in Neuenmarkt (Landkreis Kulmbach) sichert die freiliegenden Sandstein-Hänge neben der Straße. Deshalb bleibt die Staatsstraße voraussichtlich bis 7. September gesperrt.


Jetzt wird die Böschung gesichert


Einen akuten Anlass hatte die Baumaßnahme nicht, erklärt Ralf Holzheimer, der bei der Kronacher Servicestelle des Staatlichen Bauamtes für derartige Projekte zuständig ist. Bei einer Ortsbesichtigung sei schon im Frühjahr die Entscheidung gefallen, dass Fürth am Berg nun eben einmal dran sei. Bereits vergangene Woche lief eine ähnliche Baumaßnahme bei Mitwitz. "Im Frühjahr haben wir hier schon einige Bäume am Hang gefällt, jetzt wird nur noch die Böschung gesichert", erklärt Ralf Holzheimer.


Mächtige Metallstifte als Befestigung



Speziell entwickelte Matten aus Kokosfasern mit Kunststoff-Verstärkung werden mit mächtigen Metallstiften im Hang befestigt. Sie sollen verhindern, dass Steine auf die Straße fallen. Dazu werden die Nägel nicht nur in den Hang geschlagen, sondern zusätzlich verklebt. Auf die Matten wird dann auch noch eine "Spritzbegrünung" angebracht. Diese Mischung aus Pflanzensamen und Klebstoff wird mit größter Wahrscheinlichkeit sogar noch im Herbst aufgehen und die Farbe der Matten von Braun in Grün verwandeln, erklärt Ralf Holzheimer.


Dafür müssen Spezialisten ran


Rund 70 000 Euro bezahlt das Staatliche Bauamt, damit die beiden Hänge zwischen Horb und Fürth gesichert werden. Dabei müssen Spezialisten für diese Art Baustellen ran. Ralf Holzheimer erklärt: "Normale Tiefbaufirmen machen solche Sachen im seltensten Falle." Meist sind es Landschaftsbauer, die sich solche Aufträge schnappen und Hänge absichern. Im Coburger Land gibt es aber nicht viele solcher Stellen, an denen steile Böschungen direkt neben Straßen empor ragen. "Solche Baustellen haben wir meistens im Frankenwald oder in der Fränkischen Schweiz", erklärt Ralf Holzheimer. In solchen Gegenden ist es dringend nötig, Steinschlag oder gar Fels-Stürze regelmäßig im Auge zu behalten.


Gefahr von Fels-Stürzen nicht unterschätzen


Dass man diese Gefahr nicht unterschätzen darf, hat sich erst vor drei Jahren in Stein an der Traun (Oberbayern) gezeigt. Dort brach in einer Regennacht völlig überraschend ein mehrere hundert Tonnen schwerer Stein aus einem Hang und begrub ein Haus unter sich. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben. "Das war ein einschneidendes Erlebnis", sagt Ralf Holzheimer. Seitdem gehe man mit dieser Gefahr doch deutlich sensibler um als dies vielleicht vor ein paar Jahren noch der Fall war.


Matten schützen Gestein vor Verwitterung


Verwunderlich erscheint dem Laien, dass unter den Matten noch Wurzeln aus dem Buntsandstein herausragen. Doch Ralf Holzheimer erklärt: "Wir haben diese bewusst nicht gekappt, weil sie den Hang sogar stabilisieren." Die Matten darüber haben zusätzlich die Aufgabe, das empfindliche Gestein vor weiterer Verwitterung zu schützen. Ganz aufhalten könne man diese natürlichen Prozesse aber nicht. Manche Stellen, wie etwa den ebenfalls freiliegenden Hang kurz vor Wörlsdorf (Gemeinde Sonnefeld), brauchen dagegen überhaupt nicht gesichert werden. "Da besteht keinerlei Gefahr", versichert Ralf Holzheimer. Der Zeitrahmen für die Baufirma ist knapp. Bis spätestens nächste Woche sollen die beiden Böschungen auf Neustadter Stadtgebiet gesichert sein und die Umleitung über den "Stiefvater" wieder aufgehoben werden. Der einzige Unsicherheitsfaktor ist das Wetter. Sollte es in den nächsten Tagen weitere Regenfälle geben, könnte sich das gesamte Projekt verzögern.