Es gehört schon eine Portion Seelenstärke dazu, sich mit 20 Jahren an einen Flügel zu setzen, der zuvor von namhaften Virtuosen bespielt wurde und an ihm ein anspruchsvolles Konzert eines renommierten Konzertveranstalters vor großem Publikum zu bestreiten.

So geschehen am Montag, als die Jungstudentin, aber schon (fast) weltweit konzerterfahrene Nina Scheidmantel ein Piano Spezial im HUK-Foyer auf der Bertelsdorfer Höhe bei der Coburger "Gesellschaft der Musikfreunde" gestaltete. Der Abend fand großen Anklang und brachte der jungen Solistin einen ebensolchen Erfolg.

Mit spielerischem Duktus

Dabei hatte sie es sich keinesfalls leicht gemacht, standen doch auf dem Programm immerhin bedeutende Werke von Beethoven und Brahms. Mit der am Beginn stehenden Sonate A-Dur op. 2 Nr. 2 des ersteren wurde zugleich das ehrgeizige Beethoven-Projekt der Musikfreunde fortgeführt. Nina Scheidmantel gestaltete das noch unter dem Einfluss seines Lehrers Joseph Haydn komponierte Werk stilistisch einfühlsam mit lockerem, spielerischen Duktus, dabei dynamisch differenziert und ausgefeilt, ohne hier schon die bei späteren Werken des Meisters notwendige "Pranke des Löwen" zu zeigen.

Weiter ging es zu Johannes Brahms, von dem zuerst die "Drei Intermezzi" op. 117 erklangen - sehr nachdenkliche, melancholische Spätwerke, die Nina Scheidmantel gleichfalls in ihrem Charakter gut erfasste und gefühlvoll mit geschmeidigem Anschlag sowie durchsichtiger Stimmführung zum Klingen brachte. Brahms scheint überhaupt einer der Lieblingskomponisten der jungen Pianistin zu sein.

Wie ist es sonst zu erklären, dass selbst auf die Gefahr der "Brahmslastigkeit" nach der Pause nochmals ein "Brahms" auf dem Programm stand - diesmal als Gegensatz allerdings ein Sturm- und Drangwerk aus seiner Jugendzeit in Gestalt der Sonate C-Dur op. 1, bei welcher Beethoven und Schumann Paten gestanden haben mögen.

Oktavgewitter im Scherzo

Die Wiedergabe dieser Sonate ist ein ganz schöner Kraftakt. Dies mag einer der Gründe sein, weshalb das Stück nicht so häufig im Konzertsaal zu hören ist. Nina Scheidmantel machte sich mutig ans Werk und beeindruckte schon im Kopfsatz mit schwungvoll-energischem Zugriff, schönen lyrischen Episoden und dramatischer Durchführung.

Besinnlich-gefühlvoll erklang der Variationssatz über das Volkslied "Verstohlen geht der Mond auf", mit technisch versiertem Oktavgewitter das wilde Scherzo und treffsicher das sprunghafte Finale.

Eine Rose als Dank

Für den begeisterten, anhaltenden Beifall bedankte sich die Künstlerin mit zwei Zugaben: der virtuosen Etüde a-Moll von Serge Rachmaninow und dem inventionshaften Präludium h-Moll aus dem zweiten Teil des "Wohltemperierten Klaviers" von Bach. Eine schöne Geste am Rande: der bekannte Coburger Konzertpianist Hans-Dieter Bauer überreicht seiner jungen Kollegin eine Rose.

Aus dem Leben einer jungen Klaviervirtuosin

Nina Scheidmantel, geboren 1992, erhielt seit ihrem 6. Lebensjahr Klavier Unterricht bei Alla Schatz. Bereits mit 15 Jahren begann sie als Jungstudentin an der Hochschule für Musik in Würzburg in der Frühförderklasse bei Professorin Silke-Thora Matthies zu studieren. Nach dem Abitur am musischen Gymnasium Albertinum in Coburg setzt sie seit Oktober 2011 ihr Musikstudium als Konzert-Pianistin an der Hochschule für Musik Würzburg fort. Ihren Debüt-Soloabend bestritt sie bereits mit zehn Jahren. Zwischen 2004 bis 2009 war sie mehrmals Preisträgerin beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" in Klavier Solo, Duo und in Klarinette Solo und Duo.

Ab dem 10. Lebensjahr erhielt sie Unterricht in Klarinette bei Edgar Eichstädter. Sie hat bereits zahlreiche Konzerte im In- und Ausland gegeben. Zudem trat sie regelmäßig beim Internationalen Jugendmusik Festival Rodachtal auf. Im Oktober 2012 wurde sie vom Zentralen Musik Konservatorium Peking zu einem Solokonzert eingeladen. Unterricht erhielt sie auch von den Klavier-Professoren Hans-Dieter Bauer (Coburg) und Georg Sava (Berlin). Sie wurde als musikalische Botschafterin der Stadt Seßlach (2008) geehrt und ist Stipendiatin des Wagner-Verbands (2012).

Vorschau 9. Oktober in Dresden zum 200. Geburtstag von Verdi; 12. Oktober Stipendiatenkonzert der deutschen Johann Strauß-Gesellschaft in der Aula des Gymnasiums Casimirianum Coburg.