Manchmal siegt selbst in diesen Zeiten beim Thema Syrien die Literatur über die blutige Politik. So zumindest lässt sich die Entscheidung der Jury zur Vergabe des 3. Coburger Rückert-Preises deuten. Nihad Siris heißt der Träger der mit 7500 Euro dotierten Auszeichnung. Mit Siris wird ein syrischer Autor ausgezeichnet, dessen Roman "Ali Hassans Intrige" bei allem Bezug zur politischen Situation in seinem Heimatland mehr sein will als eine literarisch gefilterte Dokumentation oder ein schriftstellerisches Tagebuch.

Aus Sicht der dreiköpfigen Jury unter Vorsitz von Claudia Ott ist dieser Roman "eine Satire auf den Führerkult in einer arabischen Diktatur". "Ali Hassans Intrige" polarisiere "in keiner Richtung, sondern bedient sich eines ironisch gefärbten Humors, um sich mit der politischen Realität auseinanderzusetzen." Damit aber werde dieser Band "über den tragischen historischen Moment hinaus aktuell bleiben und mit Genuss und Schmunzeln gelesen werden können."

Festakt auf der Veste

Gänzlich ohne Politik wird aber die für den 21. Juni geplante Verleihung des Preises nicht über die Bühne gehen, wie Coburgs Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer in seiner Eigenschaft als Kulturreferent andeutet. Denn Nihad Siris, der 2011 aus Syrien ins ägyptische Kairo geflüchtet war und seitdem im Exil lebt, braucht zunächst ein Visum, um am Festakt auf der Veste Coburg tatsächlich teilnehmen zu können. "Dabei werden wir ihn unterstützen", kündigt Tessmer an: "Wir sind zuversichtlich, dass Nihad Siris tatsächlich bei der Verleihung anwesend sein wird."

Neben Nihad Siris standen drei weitere syrische Autorinnen und Autoren auf der sogenannten Shortlist: Samar Yazbek mit ihrem aufrüttelnden literarischen Tagebuch "Schrei nach Freiheit", Rosa Yassin Hassan mit ihrem Frauenroman "Ebenholz" (siehe Besprechung auf dieser Seite) und Fawwaz Haddad mit seinem Roman "Gottes blutiger Himmel", der die mörderischen Verflechtungen zwischen Syrien und dem Irak kurz nach dem zweiten Irak-Krieg beschreibt.

Raus aus dem Elfenbeinturm, hinein mitten ins gesellschaftliche Leben - so lässt sich die Hoffnung beschreiben, die Klaus Anderlik als Leiter des Amtes für Schulen, Kultur und Bildung in der Stadt Coburg mit dem Rückert-Preis verbindet. Deshalb wird die Verleihung des Preises erstmals auch in die "Internationale Woche" in Coburg eingebunden, die vom 17. bis 23. Juni stattfinden wird. "Wir sind sicher, dass der Coburger Rückert-Preis viel Potenzial hat", betont Anderlik und freut sich, dass in diesem Jahr endlich auch überregionale Medien Interesse an diesem Preis gezeigt haben - vermutlich mit Blick darauf, dass auf dem Weg der Literatur Syrien in den Blickpunkt gerückt wurde.

Rückert-Lieder erklingen

Die Preisverleihung wird durch ein kulturelles Rahmenprogramm ergänzt, wie Michaela Hofmann als Leiterin der städtischen Kulturabteilung betont. Dazu gehört auch ein Liederabend, den die Sängerin Hanna Herfurtner am 18. Juni (19.30 Uhr ) im großen Saal des Pfarrzentrums St. Augustin gestalten wird. Auf dem Programm: Lieder nach Texten von Rückert. Ermöglicht wird dieses Konzert durch eine Ausfallbürgschaft, die Joachim Rückert, Musikvorstand der Coburger "Gesellschaft der Musikfreunde" aus Anlass seines eigenen 60. Geburtstags übernimmt. Immerhin hatte Hanna Herfurtner ihr gefeiertes Coburg-Debüt im November 2011 bei den "Musikfreunden" gegeben.

Der Coburger Rückert-Preis

Hintergrund wird im Jahr 2013 bereits zum dritten Mal verliehen. Er steht in der Tradition des Wahl-Coburgers Friedrich Rückert (1788 bis 1866). Verliehen wird die mit 7500 Euro dotierte Auszeichnung in diesem Jahr am 21. Juni auf der Veste Coburg. Der Preis wird künftig im Abstand von drei Jahren vergeben.

Shortlist
In der engeren Auswahl für den Coburger Rückert-Preis standen vier Autoren auf der sogenannten Shortlist: Samar Yazbek, Rosa Yassin Hassan, Nihad Siris und Fawwaz Haddad.

Buchtipp Nihad Siris "Ali Hassans Intrige", Lenos Verlag, Basel, 2013, 173 Seiten, broschiert, 12.50 Euro; 176 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag
18.50 Euro

Nihad Siris wurde im Jahr 1950 in Aleppo geboren. Er war zunächst Bauingenieur, bevor er sich dem Schreiben von Drehbüchern und historischen Romanen zuwandte.Siris flüchtete im Sommer 2011 aus Syrien nach Kairo und lebt seitdem im Exil.

Jury Vorsitzende der Jury des Coburger Rückert-Preises 2013 ist die Orientalistin Claudia Ott, die mit zahlreichen Übersetzungen hervorgetreten ist. Der Jury gehören die Islamwissenschaftler und Übersetzer Hartmut Fähndrich und Günther Orth an.